Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 4 (1932)
- Issue
- Heft 8 (August 1932)
- Date
- 1932-08-01
- Page
- Seite 66 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 66 Z I 0 N Nr. 8 solche Tribüne für die gesamtjüdische Aufgabe zu errichten. Der Notwendigkeit einer Zusammenfassung aller jüdischen Kräfte, die dem Schutze, der Hilfe, dem Wiederaufbau und der Verteidigung dienen sollen, kann sich kein verantwortungsbewußter' Jude, keine bedeutende Gruppe entziehen. Gerade aber, wenn man die große Funktion, die ein kommender jüdischer Weltkongreß einmal ausüben kann, richtig einschätzt, wird man alle vorbereitenden Schritte als außerordentlich wichtig halten. Daß der Weltkonferenz die notwendige Vorbereitung gefehlt hat, läßt sich nicht leugnen, und dieser Mangel wäre nicht so schlimm, wenn nicht die Weltkonferenz bis zu einem gewissen Grade den Weltkongreß determinierte. Es ist durchaus möglich, daß eine weniger überstürzte Einberufung der Konferenz die Teilnahme von Organisationen und Landsmannschaften ermöglicht hätte, die nunmehr fernblieben. Auch hätte die geistige Auseinandersetzung, sicherlich zum Vorteil des ganzen Planes, vorher schon erfolgen können. So wurde die Konferenz durch Gegensätze belastet, die nicht zum Austrag gelangten und deshalb weiter über dem ganzen Plan schweben. Kein Zionist ist der Meinung, daß der Welt- Kongreß ein verkappter zionistischer Kongreß sein soll und kein noch so palästino-zentrischer Zionist ist so fanatisch und engstirnig, daß er die Schicksale der Diaspora und die ihr verbleibenden Probleme geringschätzte oder übersähe. Aber es ist objektiv heute nicht möglich, ein Rettungswerk der Judenheit zu inszenieren und dabei die Rolle zu übersehen, die Erez Israel gerade für diesen Zweck zukommt. Ist für den Zionismus die Rolle des Aufbaus Erez Israels primär, ja einzigartig, so gebührt Palästina auch im Rahmen der Gesamtproblematik von Judenheit und Judentum heute nicht nur irgend ein Platz, sondern unter den wesentlichsten Förderungsversuchen ein besonders wichtiger Ort. So hat also die Konferenz zu früh stattgefunden, da weder die Problem e bis zu einem gewissen Grade schon geklärt noch die wichtigsten Gruppen genügend bereit waren, um ohne Vorbehalt mitzuwirken, und vielleicht fehlten selbst unter den vertretenen Richtungen die prominentesten Repräsentanten. Dieser Konferenz wurde nicht von autoritativer Seite die zionistische Haltung und Stellungnahme zu den Aufgaben der Konferenz dargelegt, und auch die Orthodoxie war offiziell nicht vertreten. Es sprachen Zionisten, es sprachen Orthodoxe. Aber keinesfalls konnte der Eindruck entstehen, daß die großen Richtungen durch den Mund dieser Männer ihre maßgebliche Auffassung zum Ausdruck brachten. Misrachisten und Agudisten waren dort, aber nicht von ihren Organisationen entsandt. Dennoch ist es, nachdem der Stein ins Rollen gekommen ist, und auch ohne die Genfer Konferenz das Problem des Weltkongresses sich aufgedrängt hätte, die ernste Pflicht aller führenden Gruppen im Judentum, ihre Stellung zu präzisieren und den schweren Entwicklungen durch ihre Aktivität eine Richtung zu geben, die zum Heile des Aufgabenkreises des jüdischen Weltkongresses sein wird. Unsere Aufgabe im besonderen wird es sein, die Arbeitsrichtung dahin zu lenken, daß die für uns kardinalen Probleme, die Verwirklichung des Zionismus und die Wahrung des traditionell-reliogiösen Lebens, ihren geeigneten Platz auf der Tagesordnung erhalten und einer Lösung entgegengeführt werden, die nicht nur unserem Wunsche gerecht, sondern der Gesamtheit zum Heile gereichen wird. O. YV. Die deutsche Orthodoxie und Palästina. Von E. M. Lipschütz, Jerusalem. (Uebers. aus d. Hebräischen) Als wir noch jung waren, richteten sich unsere Augen, die wir im Osten und Norden lebten, auf unsere religiösen Brüder in Deutschland. Wir sahen dort den einzigen Versuch einer Synthese zwischen Kultur der Zeit und der Lehre der Ewigkeit. Nach vielen Jahren begegneten wir jungen Menschen aus Deutschland mit erwartungsvoller Freude, Unterhaltungen mit ihnen zeigten eine merkwürdige Erscheinnung. Was wir verherrlicht hatten, wurde von ihnen, den jungen, frommen Menschen, kritisiert. Sie übten schwere Kritik an dem geistigen Milieu ihres Elternhauses. Der Kreis wäre eng, die Fehler mannigfach. Seitdem hegten wir manche Zweifel an dem Wesen dieser Synthese und dieses Kompromißes. Noch ist das Problem ungeklärt. Einer unserer Freunde versuchte letztens an ein heikles Problem der deutschen Juden zu rühren, an die Beziehung der deutschen Orthodoxie zu Erez Israel. Hier ist etwas, was wir nicht ganz verstehen. Vor einigen Generationen kamen die Begründer des ,,KoIel Hod" ins Land, die sich im Lande gut akklimatisierten. Ihre Kinder und Enkel sind die Schöpfer des alten Jischuw. Seitdem aber hat die Einwanderung aus Deutschland aufgehört. An dem Geschehen im Lande nimmt Deutschland keinen direkten Anteil; weder die Chibbath-Zion-Bewegnng noch der Zionismus haben Gruppen von Menschen ins Land gebracht. Auch innerhalb des Misrachi *) und der Agudah sind keine Spuren von ihnen zu sehen. Der Anteil der deutschen Juden am Aufbau des * Doch vgl. weiter unten. Die Red.