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Zion · 1932-08-01 · Heft 8 (August 1932) · p. Seite 65

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
4 (1932)
Issue
Heft 8 (August 1932)
Date
1932-08-01
Page
Seite 65 (sequence 7)
Language
German
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ffr. 8 Z 1 O N Seite 65 setzte. Er betonte seine Uebereinstimmung mit Sökolow in der Bewertung dieser Arbeit. Vielleicht kann man dem Misrachi keinen starken Vorwurf daraus machen, daß er seine Aufgabe als Koalitionspartei in der gegenwärtigen Leitung nicht vollauf begreift. Es ist diesmal doch die Einheitlichkeit der politischen Linie nicht so klar erkennbar wie früher. Wie immer man politisch eingestellt sein mag: es ist kein Fortschritt, daß der Präsident der Organisation nicht mit solcher Eindeutigkeit die politischen Richtlinien bestimmt, wie es in jeder gut funktionierenden Regierung der Fall ist. Man kann nicht behaupten, daß eine Kongruenz der Meinungen zwischen dem Präsidenten und den Ressortchefs vorhanden ist. Das Auftreten des Misrachi in der Debatte über Kolonisation etc. darf als glücklich bezeichnet werden. M. Schapiro und Rabbi Berlin kämpften mit Leidenschaft für Scheich Abreik und die Rechte der religiösen Chaluzim und Kolonisten. Die Benachteiligungen, unserer Menschen wurden von ihnen mit Recht gegeißelt. Raw Berlin appellierte an die Linke, die in Zwischenrufen zum Ausdruck brachte, daß sie keine Gegnerin unsererSiedlungen sei, sie möge auch bei den Resolutionen und beim Budget ihre Zustimmung zum Ausdrucke bringen und durch ihre Unterstützung unserer Forderung beweisen, daß sie jede Kolonisation, auch die religiöse, daß sie jede Arbeiterschaft, auch den Hapoel Hamisrachi, begrüße Lind im Interesse des Aufbaus für wertvoll halte. Das Ergebnis der Tagung ist für die Fortexistenz von Scheich Abreik erfreulich. Diese Siedlung des Hapoel Hamisrachi erscheint wieder im Budget. Farbsteins Referat ist ziemlich ausführlich in der Presse erschienen, und somit hat jeder Gelegenheit, sich selbst ein Urteil darüber zu bilden. Ich bin zu wenig sachverständig auf dem Gebiete der Wirtschaft, als daß ich ein Recht hätte, mein Urteil anderen aufnötigen zu wollen .Rhetorisch hat es wenig gewirkt. Farbsteins Arbeit in der Exekutive möchte ich nicht an dieser Rede messen. Er gehört zu den Menschen, die bei allen Mangeln doch in der praktischen Arbeit Wertvolles leisten. Ich persönlich halte die übermäßige Betonung der Bedeutung des Mittelstandes und der Industrie, die immer wieder wie eine Verkennung der landwirtschaftlichen Arbeit und der Funktion der Arbeiterschaft sich ausnimmt, die insbesondere die Bedeutung der sozialen Erneuerung verkennt, für bedenklich. Heute begreeift jeder aus der Gesamtsituation der Judenheit heraus, daß Mittelstand und Industrie jede Förderung verdienen. Daher darf aber die grundlegende Bedeutung der Chaluziuth und der Landwirtschaft nicht zurückgedrängt werden. Ich habe mich in London in Privatunterhandlungen mit maßgebenden Herren wegen Scheich Abreik bemüht und keinen Zweifel daran gelassen, daß hier eine Solidarität zwischen allen besteht, die, ob im Weltmisrachi oder nicht, den Aufbau Erez Israels auf traditioneller Basis wollen. Freilich habe ich sowohl dem Misrachi wie den Nichtzionisten gegenüber mit aller Deutlichkeit betont, daß wir die Kampfesweise ablehnen, die hier versucht wurde; die Kampfstellung gegen den Keren Hajessod lehnen wir ab. Es wird darauf ankommen, auch weiter auf der Wacht zu sein und zu verhindern, daß bei — hoffentlich nicht eintretendem — Defizit im Budget, wieder Scheich Abreik leidtragend wird. Daran wollen wir in Deutschland mitwirken. Mit M. Schapiro waren meine Unterhaltungen durchaus im Geiste der guten Beziehungen von früher getragen. Rabbi Bermann schilderte mir die Schwierigkeiten (finanziell) im Chinuch und anerkannte die Leistungen aus Deuschland. Mit Raw Berlin bestand Fühlungnahme. Die Frage, ob nicht zwischen dem Weltmisrachi und uns eine Annäherung erfolgen könne, habe ich dahin beantwortet, daß sie abhängig sei von der Erfüllung der von uns s. Zt. formulierten Forderungen. Ich kann und soll hier nicht über die ganze Tagung berichten. Aber es wäre von mir ein Unrecht, wenn ich nicht in einem kurzen Worte zum Ausdruck brächte, daß Arlosoroff innerhalb der Exekutive eine dominierende Rolle spielt, und daß seine politische Begabung — nunmehr nicht innerhalb einer Partei und Fraktion — sondern gleichsam gouvernamental erprobt, hohe Achtung und Anerkennung verdient. B) Die jüdische Weltkonferenz in Genf. Zu diesem wichtigen Thema können heute nur ganz kurze Anmerkungen gemacht werden. Um Aufgabe und Sinn einer jüdischen Weltkonferenz bzw. eines jüdischen Weltkongresses näher zu bestimmen, müßte die gesamtjüdische Situation in der Gegenwart genau dargelegt werden. Und so soll in der Tat eine Würdigung der Konferenz bei einer späteren Gelegenheit in größerem Zusammenhange erfolgen. Für uns Zionisten muß, wenn wir die Weltkonferenz und ihre Konsequenzen werten, das Verhältnis von Erez Israel und der Galuth-Arbeit noch einmal genau präzisiert werden. Eine Mitwirkung von Zionisten an dem sehr bedeutenden Werk, das durch den Namen Weltkonferenz bezeichnet wird, bedeutet eine Teilnahme, die für uns ja doch die Hierarchie der Werte keinesfalls erschüttern kann. Wir haben gelegentlich einen jüdischen Weltkongreß gefordert, der allerdings für den Aufbau Palästinas bestimmt war. Nun hat die Not der Zeit in Vielen den Gedanken reifen lassen, eine

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