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Zion · 1932-08-01 · Heft 8 (August 1932) · p. Seite 63

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
4 (1932)
Issue
Heft 8 (August 1932)
Date
1932-08-01
Page
Seite 63 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 8 ZION Seite 65 sem Sinne nehmen wir den Vorwurf, Allgemeine Zionisten zu sein, gerne entgegen und bekennen uns zu diesem Allgemeinen Zionismus. Wir glauben hiermit bessere Erfolge erzielt zu haben, als manche von der zionistischen Landesorganisation völlig unabhängige Landes-Misrachi-Organisation, deren Existenz im wesentlichen nur in Erscheinung tritt, wenn es gilt, Kongreß-Mandate zu erringen. Zionismus bedeutet für uns Erfassung der Gesamtjudenheit für das zionistische Ideal, nicht für eine zionistische Partei, die ein, wenn auch noch so wichtiges, Teilproblem lösen will. Ist es gestattet, zum Schluß noch eine Moralanwendung obiger Ausführungen zu bringen? Es ist außerordentlich schwer, Dinge, wie sie oben skizziert sind, durchzusetzen, wenn eine nur schwache Resonanz aus den Reihen der eigenen Partei zu verspüren ist. Die Zugehörijgkeit zu einer Organisation fordert nicht nur geistigen, sondern auch materiellen Kontakt mit ihr. Gerade in krisenhaften Zeiten, wie den jetzigen, muß der gesinnungstreue Zionist seiner Parteizugehörigkeit Opfer zu bringen im Stande sein. Di;e für den Einzelnen so geringfügigen Beträge, die der Parteizugehörigkeit praktischen Ausdruck geben sollen, müssen viel reichlicher fließen, als dies gerade beim Misrachi der Fall ist, und müssen von selbst fließen, denn sie sind „Opfer", die man bringt und die nicht geholt werden können. Schekel, Lancesbelträge, organisatorische Abgaben für den Misracni müssen von selbst kommen, auch in den Jahren, in denen man sie nicht zur Erlangung von Wahlrecht und Mandaten für sich persönlich benötigt. Ein jeder, der misrachistisch denkt, ist verantwortlich dafür, daß der Partei-Apparat, sei er in London, in der Meinekestraße oder i'n der Roseuthalerstraße, seine Aufgaben erfüllen kann. Alle Resolutionen und Beschlüsse müssen aluf dem Papier stehen bleiben, wenn d*er Organisation nicht die Mittel in die Hand gegeben werden, sie auszuführen, und niemand hat ein Recht, Beschwerde zu führen, der nicht alles getan hat, was in seiner Kraft steht, die finanzielle Grundlage seiner Partei sicher zu stellen. Es entspricht wirklich nicht der Würde unserer Sache, wenn der Schekel, dieser an die alten Zeiten selbstverständlicher Hingabe an die jüdische Sache anknüpfende Minimalbetrag, den der Arme nicht niedriger und der Reiche nicht höher bemessen kann, in einem Kongreßjahr zu Zehntausenden und in einem kongreßlosen Jahr nur in wenigen Tausenden entrichtet wird. Und was vom Schekel gilt, gi.lt auch vom Landesbeitrag und der Zionistensteuer. Will der Misrachi auch in Zukunft die ihm zukommende Stellung in der Z.V.f.D. einnehmen, so muß sich auch jeder Misrachist seiner Pflichten in finanzieller Beziehung bewußt sein. Der Monat. A.) Von der Sitzung des Zionistischen Aktions-Kommitees* Es ist nicht die Aufgabe dieser Zeitschrift und dieses Berichts, eine eingehende Darstellung der Verhandlungen der Londoner Tagung und eine Kritik ihres Verlaufs und ihrer Ergebnisse zu geben. Soweit das Tatsächliche nicht dem Gebote der Vertraulichkeit unterliegt, ist es bereits bekannt geworden und erschöpfende Kritik setzt einerseits sehr umfassende Sachkenntnis voraus t:iid ist andererseits sehr stark subjektiv gefärbt. So kann dieser kurze Ueberblick nur bei einigen besonders charakteristischen Zügen der Konferenz verweilen und daneben über den Misrachi im A.-C. sprechen. Als Mittelpunkt der politischen Diskussion war seit langem der French-Bericht erwartet. Wenn er die Tagung nicht in dem Maße beherrscht hat; so lag das am negativen bzw. definitiven Charaktei des Reports, demgegenüber eine seltene Einmütigkeit der Kritiken sich kundtat. Keine Gruppe konnte in der Tendenz den „Feststellungen* und Konklusionen des Berichts den Schimmer eines Verständnisses für die Errichtung des National Home und für Englands Rolle als Urheber der Balfour-Deklaration und als Mandatar erblicken So ging die Debatte mehr um die Art der Beantwortung des Reports. Es siegte die von den Leitern der politischen Ressorts in London und Jerusalem vertretene Auffassung, daß alle Entschlossenheit in der Abwehr des Berichts nicht dazu führen dürfe, jedem einzelnen Gesichtspunkt, Urteil und Vorschlag von French eine Kritik entgegenzusetzen, alle Irrtümer zu berichtigen und die Perspektiven zu korrigieren. Nur konstruktive Kritik könne nutzbringend sein. Alle Teilnehmer empfanden die Diskrepanz zwischen dem Aufschwung unseres Landes und seiner steil ansteigenden Bedeutung für die Lösung der Judenfrage und unserer schicksalschwangeren Gegenwart auf der einen und den finanziellen Stockungen des Keren Hajessod und den organisatorischen Mängeln auf der anderen Seite. Die Schwierigkeiten der Geldaufbringung stehen natürlich in einem direkten Zusammenhang mit der Situation in der Welt und konnten deshalb nicht durch eine Zauberformel beseitigt werden. Dennoch will es uns scheinen, als ob es gelingen müßte, aus einer in die Tiefe dringenden Erkenntnis der großen jüdischen Tragödie auch den Weg zu den Herzen und der Einsicht der Juden zu finden, die nun -nicht mehr spenden, sondern retten müssen. — Schlimmer ist es um das Problem der Organisation bestellt. Hier könnte * Dieser Aufsatz ist zu einem erheblichen Teil — soweit er vom Misrachi handelt — auf Wunsch des holländischen Misrachi geschrieben und dort aufgenommen.

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