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Zion · 1932-08-01 · Heft 8 (August 1932) · p. Seite 62

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
4 (1932)
Issue
Heft 8 (August 1932)
Date
1932-08-01
Page
Seite 62 (sequence 4)
Language
German
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Seite 62 Z I ON Nr. 8 eine große Gesamtheit ohne Gewissenszwang treten kann. In diesem Geist versuchten die drei dem G.A. der Z.V.f.D. angehörenden Parteien, Allgemeine Zionisten, Vereinigte Linke und Misrachi, die Geschäfte der Organisation in den letzten zweieinhalb Jahren zu führen. Natürlich ist auch die Führung angewiesen auf verständnisvolle Mitarbeit, auf den Gemeinschaftswillen derjenigen, die in der Organisation zusammengeschlossen sind. Bei sämtlichen Gruppen deutscher Zionisten war dieser Wille zur Mitarbeit vorhanden, mit Ausnahme bei der Revisionistischen Gruppe. Diese ließ die Absicht, ihr Parteininteresse in der Arbeit des Tages hinter die Gemeinschaftsaufgaben zu stellen, nicht erkennen. Dadurch kam es dauernd zu Konflikten, die sowohl das Prestige der Z.V.f.D. nach außen, als auch die Werbearbeit für die zionistische Idee und die Fonds schädigen mußten. Ohne irgend wie zur Ideologie des Revisionismus Stellung zu nehmen, sah sich daher der G.A. schließlich gezwungen, die Revisionisten vor die Alternative zu stellen, sich entweder zur Z.V.f.D. oder zur Revisionistischen Landesorganisation zu bekennen. Eine Organisation kann nicht eine ganze Gruppe von Menschen in ihren Reihen dulden, die der Organisation dauernd den Gehorsam verweigert und in der Oeffentlichkeit alles tut, was geeignet ist, sie in den Augen Außenstehender herabzusetzen Auch der Beschluß, die Angehörigen der Revisionistischen Landesorganisation (nicht etwa allgemein die Anhänger der revisionistischen Anschauungen) aus der Z.V.f.D. auszuschließen, wurde einstimmig im G.A. von den drei in ihm vortretenden Richtungen gutgeheißen. In den verschiedenen Kommissionen zur .Bearbeitung von Spezialaufgaben der Z.V.f.D. stellten wir unsere Mitarbeit an führender Stelle zur Verfügung. Besonders in der Gemeindearbeit ist unser Einfluß stark fühlbar geworden. Es ist von nicht zu unterschätzender Bedeutung, wenn in (der volksparteilichen Fraktion der Berliner Ge- Winderepräsentanz etwa 50% Misrachisten sind, denen heute ausschließlich die Vertretung des konservativen Gedankens in diesem Gremium obliegt. Auch in anderen Großgemeinden ist der misrachistische Einfluß in den letzten Jahren erstarkt. Die, leider nicht sehr häufigen, öffentlichen Kundgebungen der Z.V.f.D. zu Kulturfragen zeigten, was Thema und Referenten anbelangt, weitgehendes Verständnis für die Schlüsselposition, die misrachistische Kulturanschauung im Rahmen zionistischer Kultur haben muß. Auch hier kann es selbstverständlich nicht so sein, daß unsere Ziele und Wünsche in allen Details und Nuancen der zionistischen Allgemeinheit aufgedrückt werden. Das Maßhalten in Forderungen von unserer Seite ist ebenso wichtig, wie der Verständigungswille auf der anderen Seite. Unverkennbar ist aber in der jetzt zu Ende gehenden Periode zionistischer Führung in Deutschland, daß kulturpolitisch die Grundhaltung überlieferter jüdischer Kulturwerte in den Vordergrund der Arbeit gestellt ist. Von großer Bedeutung für die misrachistische Bewegung in Deutschland ist die in den letzten Jahren erfolgte Gleichstellung unserer Chaluzarbeit mit der des allgemeinen Hechaluz. Auch hier lege ich Wert darauf, zu betonen, daß nicht im Kampf umPositionen, sondern in der gemeinsamen ernsten und objektiv wertenden Arbeit unser Erfolg zu verzeichnen war. Der finanzielle Rückhalt, den Gehringshof und der Brith Chaluzim Datiim in der Z.V.f.D. gefunden hat, führte zu einer Verbesserung und Vergrößerung unserer Hachscharaharbeit und zu einer Erhöhung des Anteils unserer Chaluzim an der Alijah. Unser ausgezeichnetes Chaluzmaterial kann sich heute seiner Ausbildung in unserer eigenen chaluzischen Organisation widmen, ohne den Anschluß in eine ihm teilweise wesensfremde Gemeinschaft suchen zu müssen. In Bezug auf Unterstützung durch die Z.V.f.D. und Berücksichtigung bei der Zertifikatsverteilung steht der Brith Chaluzim Datiim dem Hechaluz völlig gleichberechtigt gegenüber. Gelegentlich der Unabhängigkeits-Erklärung .des deutschen Misrachi vom Weltmisrachi wurde unsere Haltung in Zusammenhang gebracht mit' unserer angeblichen Abhängigkeit von den Allgemeinen Zionisten der Z.V.f.D. Eine seltsame Analogie zu dem Vorwurf, den die Agudah dem Misrachi macht, wenn sie sich die „unabhängige Orthodoxie" nennt im Gegensatz zu dem Misrachi, der als abhängig vom Zionismus erklärt wird, Weil er gemeinschaftliche Sache mit der zionistischen Bewegung gemacht habe. Durch gemeinsames Erstreben von Gemeinschaftszielen wird man nicht abhängig. Man kann dies viel mehr sein, wenn man durch dauernd betonte Opposition, dadurch, daß man meint „hü" sagen zu müssen, wenn ein anderer „hot" sagt, sich zwangsläufig auf einen Weg drängen läßt, der ohne die bewußte Oppositionsstellung vielleicht garnicht mit solcher Hartnäckigkeit begangen würde. Wir sind uns bewußt, daß die zionistischen Ziele, von denen die misrachistischen eine besondere Nuancierung darstellen, nur erreicht werden können, wenn verschiedenste Richtungen sich aufeinander einstellen und in großer Entschlossenheit una Geschlossenheit gemeinsam ihren großen Vorstoß in das gleichgültig Erez Israel gegenüberstehende Judentum machen. Nur ein konzentrischer Angriff der zionistischen Allgemeinheit auf die noch außenstehende jüdische Welt kann uns die Erfolge bringen, deren das jüdische Volk zu seiner Regeneration bedarf. In die-

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