Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 4 (1932)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1932)
- Date
- 1932-04-01
- Page
- Seite 47 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4/5 Z I 0 N Seit« 47 men. Moritz S. Wolff hielt sein Versprechen. Allmonatlich kam eine für den Unterhalt ausreichende Summe an und das Werk ward gerettet. Es entspann sich nun eine rege Korrespondenz zwischen dem neuen Schulvorstand und der Schulleitung, die den Rahmen des Geschäftsmäßigen weit überschritt. Herr Wolff wollte so viel wie möglich über die Schule hören. Jeder Brief zeugte von seinem regen Interesse für den Schulbetrieb, jede Zeile atmete Wärme für und innige Teilnahme an dem Wohlergehen der Lehrer, an dem Befinden der Schüler. Ja, auch um die Schüler kümmerte Herr Wollf sich; im Laufe der Kriegszeit ergab sich die Notwendigkeit, Mittel und Wege für die Speisung der hungernden Schüler zu finden. Herr W. unterzog sich auch dieser Aufgabe mit der ihm eigenen Gewissenhaftigkeit. Er freute sich seines Tuns, das sich in aller Stille in bescheidener Einsamkeit vollzog. Als der Friede ins Land wieder einzog, und neue Hoffnungen bezüglich Erez Israel die Gemüter aufleben ließ, wurde die Tachkemonischule dem allgemeinen zionistischen Schulwerk angegliedert, und Herr Wolff zog sich sehr ungern von seiner ihm liebgewordenen Beschäftigung mit der Anstalt zurück. Und nicht ohne Bedauern stellte die Schulleitung die mit Herrn Wolff so gern gepflegten Beziehungen ein. Unterdessen führte der Weg so manchen von uns über Hamburg. So mancher von uns trat in persönlichen Verkehr mit Moritz S. Wolff. Der Tag, da wir diese wertvolle Bekanntschaft persönlich machen durften, wird jedem von uns in dankbarer Erinnerung bleiben. Wir lernten da einen Menschen von vornehmer Gesinnung und von edlem Charakter kennen. Anstelle schulgeschäftlicher Beziehungen wurden freundschaftliche Bande geknüpft. M. S. Wolff ist ein seltener Menschenfreund, dessen Herz warm für seine Freunde schlägt. Er liebt sein Judentum wie kaum einer; über alles in dei Welt liebt er aber Ere/ Israel. Sein Sinnen und Trachten, sein Denken und Hoffen gilt dem Heiligen Lande. Ich selbst bin keinem Menschen begenet ,der mit dem Lande seelisch so innig verknüpft ist. Sollen wir es bedauern, daß Herr Wolff nicht hier im Lande lebt? Im Talmud wird prophezeit, daß die Zeit kommen werde, da sich Erez-Israel weit über alle Länder ausdehnen wirdrnmxn SaSj? atrsnnS nvny Ueberall wo solche Liebe für unser Land blüht, überall, wo sich ein Jude befindet, der so warm für Erez Israel empfindet, wie Moritz S. Wolftf, existiert Palästina ideell, und in einem solchen Palästina lebt unser verehrter Freund. Wir wünschen ihm, daß er noch recht lange in dieser von ihm selbst aufgebauten Welt in Gemeinschaft mit seiner Familie gute Zeiten erleben, und wenn es die Vorsehung so bestimmt, das Erez Israel mit eigenen Augen schauen möge, welches jenem in der Ideenwelt errichteten als Protovp diente. Dr. Engel, Jerusalem. * Auch wir gratulieren unserem lieben verehrten Gesinnungsgenossen und Freunde, Herrn Moritz S. Wolff, herzlichst zu seinem 70. Geburtstag. Wir gedenken mit Dankbarkeit seiner zahlreichen Verdienste um die Tachkemonischule. Immer war dieser Veteran unserer Bewegung mit ganzem Herzen bei unserer Sache. Wir wünschen ihm, der aus der Heroenzeit noch stammt, daß er noch lange unsere Bewegung zieren und sich der Fortschritte unserer Sache freuen soll. R. Elijahu Klatzkin. b-st. Kurz vor Redaktionsschluß geht uns die schmerzliche Kunde vom Ableben eines der'Vns "inn R. Eljahu Klatzkin zu. Der frühere Mariampoler und Lubliner Raw verließ vor etwa 7 Jahren Polen, um den Rest seiner Tage in Erez Israel zu verbringen. Dort saß er in größter Anspruchslosigkeit mnyn Syi rrnrm by . Er hat durch seine mir, die zu einem großen Teil erschienen sind und durch min 'trnn in der Halacha und homiletische Veröffentlichungen hohes Ansehen erworben. War er auch politisch keiner der Unseren, und war er auch in Erez Israel enger mit dem Sonnenfeld' sehen Kreis als mit dem von Raw Rook verbunden, so war er im Grunde seines Herzens ein milder, gütiger Mensch, dem es an Verständnis für unsere Dinge nicht fehlte. Nur die Kraft, im Stillen Erkanntes und nicht Verdammtes auch mutig in der Oeffentlichkeit zu verteidigen, war ihm nicht gegeben. Wie uns von zuverlässiger Seite versichert wird, stand Rabb, Klatzkin, wie so mancher, unter dem zur Genüge bekannten Terror der Aguda-Jugend in Jerusalem. Seine geistigen Interessen, die weit gespannt waren, und sein gütiges Menschentum, konnte ich noch im vergangenen Jahre in Jerusalem bewundern. Ein Großer und Edler ist von uns gegangen. 3"S3n Rabb. Dr. Elias Kalischer b~v. Im fast vollendeten 70. Lebensjahr verstarb in Berlin, wo er sich in den letzten Jahren aufhielt, Herr Rabb. Dr. Elias Kalischer. Ein schweres Augenleiden zwang dem Verstorbenen eine besondere Zurückhaltung auf, sodaß es nur einem verhältnismäßig kleinen Kreise vergönnt war, den Reiz dieser seltenen Persönlichkeit zu genießen.