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Zion · 1932-04-01 · Heft 4-5 (April 1932) · p. Seite 48

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
4 (1932)
Issue
Heft 4-5 (April 1932)
Date
1932-04-01
Page
Seite 48 (sequence 18)
Language
German
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Seite 48 ZION Nr. 4/5 Eine umfassende Kenntnis der jüdischen Wissenschaften vereinigte er mit einem gediegenen Wissen in allen Gebieten des klassischen Altertums und der Religionswissenschaft. Leider zwang sein Leiden ihn, davon abzusehen, dieses Wissen einem größeren Kreise zugänglich zu machen, wozu ihm durch eine Dozentur an der Universität Bonn Gelegenheit gegeben werden sollte. Was aber Rabb. Dr.. Kalischer in besonderem Maße auszeichnete, war die Ehrlichkeit seines Wollens und die Lauterkeit seiner Gesinnung. Von einem von ihm als richtig erkannten Weg wich er nicht ab; Kompromisse waren ihm fremd. Eine Fülle geistreicher Sentenzen und witziger Aphorismen des Verstorbenen, die teils veröffentlicht sind, teils druckfertig vorliegen, legen Zeugnis ab von der in vielen Kämpfen erworbenen Lebensweisheit ihres Verfassers und von seinem scharfen Blick, der ihm die Schwächen der Menschen offenbarte und ihn die Triebfedern ihres Handelns erkennen und bekämpfen ließ. Diese Kämpfe fügten ihm manchen Schaden zu. Doch das war ihm kein Grund, sie nicht zu führen. In den letzten Jahren seines Lebens hat sich Dr. Kalischer unseren Gedankengängen genähert. Der Zeire-Misrachi wird sich stets gern und dankbar der Vorträge erinnern, die Rabb. Dr. Kalischer beim Oneg Schabbath hielt. Insbesondere seine letzten Ausführungen in diesem Kreis, ein Vortrag über „Religion und Politik", wird ihm in dauernder Erinnerung bleiben, ebenso sehr durch die Fülle der Gedanken, die dieser Vortrag brachte, wie durch das Zeugnis, das er ablegte, für den Geist und das Ethos des Vortragenden. Rabb. Dr .Kalischer wird von uns nicht vergessen werden. 2"j;r, Hugo Mainz rry. Vor einigen Monaten ist Herr Hugo Mainz in Hamburg vorzeitig gestorben. Mit der gesamten deutschen thoratreuen Judenheit beklagt auch der Misrachi den Heimgang dieses Mannes, der als Glied der angesehenen Familie seine Kraft vielen jüdischen Institutionen widmete. Sein Eintritt in unsere Reihen war von hoher symptomatischer Bedeutung. Die Schicht, die er repräsentierte, war von großer Zurückhaltung gegenüber unseren Bestrebungen. Hugo Mainz durchbrach ihr Vorurteil, lernte < k kennen, blieb dem Lande verbunden und kam zu uns. Ohne andere Interessengebiete zu vernachlässigen, ohne sich seinem Kreis zu entfremden ,war er doch einer der Unseren geworden. Den wertvollen Gesinnungsgenossen müssen wir nun schmerzlich vermissen. Den Seinen gilt unsere Teilnahme. :r-ian Sally M Mainz. Auch dieses Mitglied der Familie Mainz wurde den Seinen und einem werten Kreise von Freunden entrissen, allerdings in wesentlich höherem Alter nmaaS yun ^3. Des vornehmen Mannes, der auch uns seine Sympathie bewies und unserem Werke sich verbunden fühlte, werden wir stets gern gedenken. 2«»3n Der Sabbath im aufblühenden Erez Israel. Im Rahmen einer Veranstaltung des Weltverbandes „Schomre-Schabbos" sprach am 11. Mai ds. Js. in Berlin Herr Doz. Dr .S. Grünberg über den Sabbath im aufblühenden Erez Israel. Es war ein Rechenschaftsbericht über die Palästinareise, die Herr Dr. Grünberg im Auftrage des Weltverbandes „Schomre-Schabbos" unternommen hat. Eine ansehnliche Zuhörerschaft, die sich über den neuesten Stand der Dinge informieren wollte, fand sich zusammen. — Her* Dr. G. zeichnete einleitend die politische und ökonomische Situation des Heiligen Landes, wobei er insbesondere auf das einzigartige Phänomen der fehlenden Arbeitslosigkeit im Lande hinwies. Zu der geistigen Situation übergehend, schildert der Referent, wie nach Palästina Menschen aus den verschiedensten Ländern mit der verschiedensten geistigen und weltanschaulichen Einstellung kämen und daß niemand erwarten könne, daß alle diese Menschen auf einmal die gleiche Gesinnung zeigten, wenn sie den Boden des Heiligen Landes beträten. Aber auqh und ganz besonders in religiöser Beziehung übe das Land einen veredelnden Einfluß auf seine Bewohner aus, und Herr Dr. G. glaubt konstatieren zu können, daß auch jene Menschen, die aus religiös indifferenten Kreisen stammen, je länger sie im Lande weilen, desto mehr Verständnis für religöse Fragen gewinnen. Das möchte der Referent ganz besonders auf den Sabbath bezogen wissen, der den jüdischen Zentren des Landes seinen Siegel aufdrücke, so daß auch die Freireligiösen sich seinem Eindruck nicht entziehen könnten. In ganz Erez Israel gäbe es kein jüdisches Geschäft, das am Sonnabend geöffnet sei, obwohl ein staatliches Wochentagsruhegesetz nicht existiere. In Tel-Awiw vollends sei der Sabbath durch eine Fülle von Verordnungen, die sich bis zur Regelung der Restaurationsbetriebe erstrecken, gegen öffentliche Entweihung geschützt. Bedauerlich sei nur, daß eine Autogesellschaft, an der einflußreiche Juden beteiligt sind, ihre Wagen zwischen Tel-Awiw und Jerusalem am Sabbath fahren lasse. Die viel besprochenen Schwierigkeiten mit den sportlichen Veranstaltungen fänden darin ihre Wurzel, daß die jüdische Jugend ihr Bedürfnis nach sportlicher Betätigung, das man ihr prinzipiell nicht abstreiten könne, an einem anderen Tage der Woche zu befriedigen nicht in der Lage sei. Es gäbe daher keinen anderen Weg, als daß die Arbeitgeber und Schulen des Landes an einem wochentägigen Nachmittag die erforderliche Freizeit gewährten. Der Referent gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die unter seiner Mitwirkung eingesetzten Aktionsausschüsse diese Aufgabe lösen werden. Nur wenn die Jugend im Geiste des Sabbaths erzogen werde, sei die Zukunft des Sabbaths im Heiligen Lande gesichert. — Die Redaktion der Monatsschrift „Hahed" beabsichtigt, die Tamus- oder Aw-Nummer dem Andenken des leider so frühzeitig verstorbenen Gaon R. Schelomo Flazuk (Mejtscheter Iluj) zu widmen. Sie bittet die Freunde und Schüler des Heimgegangenen um rechtzeitige Einsendung der Beiträge für die Gedenknummer. Verantwortlich für die Redaktion: Dr. S. Chononowicz, Berlin N54, Rosenthalerstr. 55 — Verlag des „ZION": Dr. S. Chononowicz. Berlin N 54, Rosenthalerstr. 55. — Druck: Fürst, W30, Goltzstr. 26

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