Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 4 (1932)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1932)
- Date
- 1932-04-01
- Page
- Seite 45 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4/5 Z I 0 N Seite 45 Frankfurt a. M. Am 28. Februar sprach in einer von der Misrachiortsgruppe zusammen mit der zionistischen Ortsgruppe einberufenen Versammlung Herr Professor Dr. Adolf Fränkel, Kiel, über: „Die kulturelle Entwicklung Palästinas in den letzten Jahren". Der besonders gute Besuch der Versammlung zeigte das große Interesse der verschiedensten Kreise, das sowohl dem Redner wie auch dem Thema galt. Der Referent berichtete zunächst über den Aufbau der Universität, über die Arbeit der einzelnen Institute und über die Studienmöglichkeiten. Es gibt drei Arten von Studenten, erstens den Kreis der im Lande aufgewachsenen palästinensischen Hörer, dann den Kreis derer, die aus der Galuth kommen, da das Studium dort durch den numerus clausus unmöglich ist, und endlich die Studenten, die nur für ein oder mehrere Semester dort sind. Es ist wünschenswert, daß die zuletzt genannte Gruppe noch anwächst. Das Oberrabbinat hat große Wirklingsmöglichkeiten, die aber erst dann ganz zur Entfaltung kommen können, wenn die finanziellen Grundlagen geschaffen weiden, die den Aufgaben dieser Institution entsprechen. Das der Jewish Agency unterstellte Schulwesen /.erfällt bekanntlich in drei Gruppen: Misrachi-Arbeiter- und allgemeine Schulen. Der Redner wies nicht nur auf die großen Leistungen des Misrachischulwerks hin, sondern äußerte sich auch kritisch über Dinge, die verbessert werden müssen. Es ist begrüßenswert, daß die Jugend die Hauptträgerin der hebräischen Sprache ist. Trotzdem hat der jugendliche Einfluß auf die Sprachentwicklung auch Nachteile. Die Verlagsanstalten haben Hervorragendes geleistet und sind wert, mehr wie bisher auch in der Galuth berücksichtigt zu werden. Ohne auf wirtschaftliche Dinge näher einzugehen, wies der Redner auf die Möglichkeit der Mittelstandseinwanderung hin, die auch heute besteht. Auch das Gebiet der Politik wurde nur gestreift, die Verständigung mit den Arabern sei notwendig, und die Vertretung gemeinschaftlicher Interessen gegenüber dem Mandatar gebe eine Basis für die Zusammenarbeit beider Völker. Die objektiven Darlegungen von Herrn Professor Fränkel hatten eine tiefe Wirkung auf die Zuhörer und der propagandistische Erfolg war, gerade wegen der offenen Kritik an manchem, ein sehr großer. Erich Löwenthal. Hamburg Am Nachmittag des Schabos Chol-Hamoed Pessach hatte unser Freund, Dr. Zuntz, die Hamburger Gesinnungsgenossen zu einer Zirkelversammlung geladen, bei der Dr. Wolfsberg referierte Der Einladung in das gastliche Haus waren sehr zahlreiche Freunde gefolgt, und Dr. Wolfsberg, konnte vor weit mehr als 100 Misra~ chisten und Zeire Misrachi, über die alljüdische Lage im Zionismus, im Weltmisrachi, im Deutschen Misrachi, über die aktuellen geistigen Probleme (Auseinandersetzung mit dem Kommunismus) und die Palästinaaufgaben des Deutschen Misrachi einiges berichten. Eine lebhafte Aussprache, an der vor allem Dr. Blau und Moritz Michaelis sich beteiligten, behandelte in erster Reihe das kommunistische Problem. Am selben Abend hielt Dr. Wolfsberg die Festrede in einer Feier, die die Hamburger Gruppe anläßlich des 30jährigen jubilläums des Jüd. Nationalfonds veranstaltete. Einige Gedanken findet der Leser in dieser Nummer wieder. Kulturelle Frauenarbeit der M F. G., Hamburg. Kein kulturelle! Schöpfergeist ist möglich ohne ein Herabsteigen zu den kulturellen Quellen. Beides, Altes und Neuestes, gehören zu jeder geistigen Renaissance. Nur da, wo die Urkräüe und Urerlebnisse freigelegt werden, können echte Neuschöpfungeii wachsen und Resonanz finden. Diese beiden Aspekte waren auch für die kulturelle Arbeit der Hamburger Frauengruppe richtunggebend. Mit Altem wurde die Winterarbeit zunächst eröffnet, mit einem jüdischen Volksliedera'iend nämlich, den Engel Lund als begeisterte Interpretiii des jüdischen Volksliedes voll künstlerischer Kultur und Kennerfreude uns darbot. ,,Ihr Juden wißt ja gar nicht, welche Schätze Ihr im Volkslied besitzt, welche seltene Mischung von höchstem Pathos und urwüchsigem Humor". Urteil Engel Lunds über unsere Lieder. Ganz organisch hat sich aus jenem ersten Volksliederabend im Oktober eine musikalische Arbeitsgemeinschaft entwickelt mit regelmäßigen Singstunden, einigen Proben unter Leitung der Künstlerin und zwei wertvollen Vorträgen, die wissenschaftliches Neuland bearbeiteten: eine musiktheoretische Studie von Frau Dr. Marlen Jacobsen, die inbezug auf Tonart, Klangfarbe und Charakter unserer Volkslieder viel Neues brachte und ein literarischer Vortrag von Herrn Dr. Salomo Birnbaum, der das Riesengebiet unter besonderer Berücksichtigung des religiösen Volkslieds historisch, sprachlich und psychologisch untersuchte. Durch diese Veranstaltungen ist es