Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 4 (1932)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1932)
- Date
- 1932-04-01
- Page
- Seite 43 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 4/5 Z I 0 N Seite 43 1. Sein erster jüdischer Roman: „ Das Erbe im Blut" (englisch: „The Isländ Within", übersetzt bei Paül List-Verlag, Leipzig) hat in kurzer Zeit einen Siegeslauf über zwei Weltteile angetreten. Es ist die Geschichte von der Wandlung eines in völliger Assimilation erzogenen amerikanisch-jüdischen Arztes, Dr. Lew, bis zum Bewußtwerden seines jüdisch-blutmäßigen und bekenntnistreuen Erbgutes: Nebenher wird als Umrahmung und genetische Erklärung die Geschichte einer Judenfamilie in 4 Generationen erzählt;, deren Schicksale sich teils in Rußland, teils in Deutschland, zuletzt in Amerika abwickelten. Es ist also ein Entwicklungsroman, dessen Rahmen weit genug ist, um dem Autor Spielraum zu allerhand weitschauenden Betrachtungen über Rassenprobleme und Rassenvorurteile, besonders aber über Glück und Unstern und Mischehen zu lassen; nebenher laufen auch geschichtliche Rück- und Ausblicke. Außerdem ist jedes der neuen Bücher, in die der Roman zerfällt, mit einem philosophisch-soziologischen Vorwort versehen, eine Art stimmungschaffenden Auftakts zu den Geschehnissen des jeweils folgenden Buches. Wenn auch die einleitenden Betrachtungen nicht immer ganz organisch mit den Geschehnissen in Verbindung stehen, wenn auch manche Betrachtung als zu abstrakt und geklügelt mehr den Denker als den Dichter verrät — als Ganzes ist doch die meisterhafte Linie zu bewundern, in der ein Menschenschicksal sich im Auf und Ab der Generationen vor unseren Augen erfüllt, wie im Seelenleben des jungen Dr. Levy, der Prozeß des Bewußtwerdens vom Instinktiven, Unterbewußten bis zum flammend -Hellsichtigen und Absichtsvollen des Judeseinwollens sich vollzieht, wie in ihm die Stimme des Blutes zu einem mächtigen Akkord anschwillt und er alle Bindungen der fremden Ehe, der Gesellschaft und der persönlichen Vorteile zerreißt, bis er zu seinem alten Volke und zur Heimat seiner Väter zurückfindet. Eine tragische Größe liegt in diesem Heimfinden und Loslösen von Gegenwartswerten und lockenden Idealen, und die Beziehungen zu unserer Gegenwart und zum allgemeinen Menschlichen sind unschwer zu finden. Es ist ein kluges, psychologisch aufschlußreiches, aufrüttelndes Werk, voll Lebenweisheit und Güte. Mit Leichtigkeit ließe tich eine Sammlung treffsicherer Aussprüche und sozial-psychologischer Gedanken über amerikanisches Judentum und Judeuschicksal überhaupt aus dem Buche ziehen. Trotz der etwas lehrhaften und konstruierten Umrahmung ist das Buch nicht ohne poetische Reize. Unvergeßlich schön bleibt das erschütternde letzte Kapitel, das einen Judenpogrom im Mittelalter in Chronikform schildert. Das Buch ist ein wichtiges, packendes Zeitdokument des kulturellen und seelischen Judenelends im Lande der Freiheit Amerika und hat mit Recht auch allgemeine, nichtjüdische Kreise zum Aufhorchen veranlaßt. Es ist ein Verdienst des Schriftstellers Levvisohn, diesen schleichenden Judenhaß angeprangert zu haben: Das Buch bedeutet einen großen kulturgeschichtlichen Fortschritt im Romanschaffendes Autors und seiner Umkehr zum Stammesjudentum. (Fortsetzung folgt). Aus der Bewegung. Berlin Winter arbeit der Misrachigruppe. Die Schwierigkeit, ein reges misrachistisches Leben innerhalb der Ortsgrupp ezu schaffen und in Gang zu halten, ist heute und zumal in einer Großstadt wie Berlin außerordentlich groß. Dennoch ist es im verflossenen Winterhalbjahr dem derzeitigen Vorstand der Berliner Gruppe gelungen, wenigstens Ansätze für eine merkbare, nach Außen und Innen gerichtete misrachistische Arbeit zu schaffen. Ihren Ausgang nahm diese Tätigkeit von der großen Kundgebung, die anläßlich des Delegiertentages des Deutschen Misrachi im November 1931 stattfand. Diese Kundgebung hat auf die torahtreue Judenheit Berlins einen ganz großen Eindruck hinterlassen Und bald nach dem Delegiertentag wurde zum ersten Male versucht, die Arbeit auch in etwas vom Zentrum abgelegenere Außenbezirke hinauszutragen. So fand im Osten eine Versammlung statt, in der Herr Dr. A. Barth über „die gegenwärtige Lage der Juden in Palästina" sprach. Die anschließende kurze Diskussion ließ erkennen, daß die Absicht solcher an der Peripherie veranstalteten Versammlungen von dem Teilnehmerkreis richtig eingeschätzt wurde, sodaß die Ortsgruppe in Zukunft auch in anderen Teilen Berlins ähnliche Veranstaltungen machen wird. In einem engeren Kreis fand eine sehr eingehende Aussprache über „die geistigen Strömungen im gegenwärtigfen Judentum und die Stellung des Misrachi zu ihnen" statt. Hierbei gab Dr. Wolfsberg in einem ausgezeichneten Referat die Grundlage für eine interessante und fruchtbare Aussprache. An einem anderen Abend wurde in ähnlicher Weise ein spezielleres Thema im Anschluß an ein Referat von Dr. Robert Weiß über „religiöses Judentum und politischer Sozialismus" veranstaltet. — Die Erinnerung an die vor genau 50 Jahren einsetzende Bewegung^ der Chibbath Zion gab der Berliner Gruppe Veranlassung, sich mit der Entstehung