Mannheim
Compact Memory

Zion · 1932-04-01 · Heft 4-5 (April 1932) · p. Seite 41

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
4 (1932)
Issue
Heft 4-5 (April 1932)
Date
1932-04-01
Page
Seite 41 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3133276-3139319-3139322--0648-3140089
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 4/5 /JON Seite 41 Werk des Nationalf otids hat sehr stark an diesem statthabenden Umbildungsprozeß mitgewirkt. Diese Betrachtung hat noch nichts spezifisch Jüdisches. Allgemein Menschliches liegt ihr zugrunde, obgleich das Problem des Exils, der Heimatlosigkeit fast ausschließlich jüdisch ist. Das empfand schon (in mehr theologischer Fassung und deshalb mit anderer Begründung der Midrasch, der (Echa rabb.) zu dem Satz mirv nnSj fragt?mt>u ]vx oSiyn mos und selbst antwortet mSa bmSj j»k b'Suts» b«j?« xSk und dagegen nnSa nm^a .... Kein Volk hat eine solche zeitlich ausgedehnte und von geschichtlichen Aufgaben erfüllte Zerstreuung zu erleiden gehabt. Das Exil ist in unserer Geschichte* so ablehnend wir auch ihm gegeniibertreten und so energisch wir seine Beendigung anstreben» von hoher Bedeutung nicht nur als Leidensgeschichte, sondern auch als Ausdruck jüdischer Selbstbehauptung und Produktivität. Und nur ein Volk, dessen Galuth nicht Anfang des Untergangs oder doch der Verschmelzung mit anderen ist, sondern nationales Dasein unter veränderten, abnormen Bedingungen, mit dem Ziel der Ueberwindung und Heimkehr, nur solches Volk kennt eine Qaluth, die historisch mehr ist als eine Negation. Für die jüdische Nation mit ihrer Vergangenheit und den besonderen Kennzeichen ihrer Wesensgeschichte ist das Land der Heimat von eigenem Wert. Als Nation, ohne ihr Eigentümliches, beansprucht sie ihr Territorium, erstrebt sie eine nationale Wiederauferstehung, will sie leben und wirken in einer Schichtung, wie jedes Volk wirkt. Als jüdische Nation, deren Eigenart durch ihren kulturellen Besitz gekennzeichnet ist, die zur Trägerin einer spezifischen religiösen Idee und eines Gesetzes erwählt und historisch auch geworden ist, ist die Rolle des Bodens nicht geringer geworden. Manche Lehre führt von den natürlichen Gebundenheiten fort, entfremdet ihre Bekenner der engeren Heimat, der Volksgemeinschaft. Dieser Gefahr ist das jüdische Volk fast völlig entgangen. Es gelang ihm dadurch, daß das Land aufgenommen wurde in die religiöse Sphäre, daß die Heimat ebenso sehr die Weihe empfing wie das Volk, wie die Arbeit. Das Land, zunächst geistfremd, erhielt durch die Aktivität des jüdischen Denkens, durch seine synthetische Kraft Platz an der Seite der höchsten Werte. Deshalb ist es ebenso schwer zu gewinnen, wie die anderen großen wvzp, Wer denkt hier nicht an den Ausspruch von R. Simon b. Jochai: SjobmS na*pn ina nuio rmno vhv -y-H ,min p nS«i ]nio> nSk ]:ro nb 1^21 «an nSiyi Vi«". Die Rolle, die das Land hier als Bindeglied zwischen Lehre und Ewigkeit (in metaphysischem Sinn) spielt, soll hier nicht ausgedeutet werden, weil heute nicht die Aufgabe gestellt ist, Homiletik zu treiben. Daß in der Vorstellung des Tannai'ei neben den erhabensten Werten rangiert, das läßt keinen Zweifel an der Bedeutung des Landes im Rahmen weitestgespannter Gedankengänge aufkommen. Uebrigens begegnen wir dieser Einheit der drei Werte auch später in der kabbalistischen Literatur. Die Prinzipien des Keren Kajemeth sind dem Herzen des traditionstreuen Juden außerordentlich nahe. Er fühlt, daß die Forderungen unserer alten Gesetzgebung, die ja z. T. etwas anderes meinten, erneut verwirklicht werden im Geiste jener Vorschriften. Die Sätze unn rrSi»u y\nb und nrvnxS -can pxm , die Institution des Jowc gelten einem ganz bestimmten Eigentumsverhältnis. Der K.K.L. schafft mit dem Prin/ip de5 Na i maleigentums eine neue Situation, aber diese und die damit verbundenen Einrichtungen der Erbpacht und des Erbbaurechts bezwecken und erreichen Aehnliches wie die alte Gesetzgebung. Privater Großgrundbesitz, Spekulation, unsoziales Verhalten gegenüber den Arbeitern werden grundsätzlich ausgeschaltet, und die Repatriierung des jüdischen Volkes, dem die Heimat nicht als Geschenk in den Schoß fällt, sondern Dunam für Dunam teuer erworben werden muß, geht den einzigen Weg, der auf die Dauer alle seelisch mit der Heimat verbinden kann; sie macht alle, d. h. die Gesamtheit und den einzelnen nur als Glied der Gesamtheit zum Eigentümer. Der Boden, den wir befreien, erlösen wir nicht nur national, s ondern mit diesem nationalen Akt verbindet sich ein großes soziales Befreiungswerk, das religiös geweiht ist nicht lediglich durch Anklänge, zu denen Sentenzen und Zitate verleiten, sondern durch den Sinn, der die alten Bodengesetze ebenso erfüllt wie die modernen Grundsätze. Damit erhält der K.K.L. in unseren Augen über seine effektiven Leistungen hinaus einen Wert ganz eigener Art, der der Zionistischen Organisation heute erst der Absicht nach und nur potentiell eigen ist: die Zusammenfassung nicht allein der Juden h e i t (soweit sie national orientiert) sondern auc hdes Judentums, die Einheit der Werte im Werke der Erneuerung hat der K.K.L. bereits vollzogen. Er hat wertvolle Teile des Religionsgesetzes in glücklicher Weise für unsere Renaissance aktiviert, hat damit in das Werk des Aufbaus die Kräfte der Ueberlieferung einströmen, und sie darin ciiie natürliche, nicht künstliche Verbindung mit den Forderungen der Arbeiterschaft eingehen lassen. Von Menschen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.