Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 4 (1932)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1932)
- Date
- 1932-04-01
- Page
- Seite 40 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 40 ZI ON Nr. 4/5 wird aber im kommenden Jahr, wo sich mindestens die zwei- bis dreifache Zahl aub unserem Bunde zur Hachscharah melden wird? Jetzt ist nämlich die Zeit gekommen, wo alljährlich viele Chawerim ins Stadium der Berufswahl treten. Bisher kam dies nicht so deutlich zum Vorschein, weil sich bis jetzt fast alle Chawerim im schulpflichtigen Alter befanden. Von nun ab werden wir aber fortlaufend mit einer größeren Anzahl Hachscharahkandidaten zu tun haben. So stellt sich in kurzem die Situation des Brith Hanoar dar. Unsere Aufgabe wird es sein, schon jetzt für das kommende Jahr vorzuarbeiten und alle erdenklichen Hachscharahmöglich keiten zu schaffen. Wir wissen, daß dies nicht so leicht sein wird, insbesondere in einer Zeit, die durch eine noch niemals in einem solchen Umfange dagewesene Wirtschaftskrise heimgesucht wird. Wir Juden sollten doch aber, belehrt durch unsere eigene Geschichte, die letzten sein, welche die Durchsetzung ihrer Ideale für wirklich abhängig von den jeweiligen materiellen Zeitumständen erklären. Gerade in Zeiten der Not haben wir unsere größten Leistungen vollbracht. Diese Tatsache zumindest sollte ein Fingerzeig für unsere Gegenwart sein. Gedanken zum Jubiläum das Keren Kajemeth Lejisrael Von Dr. Oskar Wolfsberg. Das 30jährige Jubiläum des jüdischen Natüonalfonds hat weit über Partc-ischranken Widerhall gefunden. Innerhalb des Zionismus giibt es keine Gruppe, die die Rolle des K.K.L. verkennt. Aber die Popularität des Fonds überschreitet die Grenzen unserer Organisation. Kommt hinzu, daß die innerpalästünensiche Situation (Blühen der Aufbauarbeit und zu befürchtende Hemmnisse) und die gesamtjüdische Lage die Bedeutung von Beden und Bodenerwerb als Nat,ionaleigentum besonders augenfällig machen. Es ist deshalb angebracht, daß auch der Deutsche Miisrachi der Wiederkehr der großen Gründung gedenkt, die dem unvergeßlichen Prof. Hermann Schapira ihre Entstehung verdankt. Ich gebe deshalb einige Gedanken aus der Festrede wieder, die ich am Chol-Hamoed Pessach auf Einladung in Hamburg bei der dortjigen Feier gehalten habe. Natürlich übergehe ich alles rein Historisch-Ta'sächliqhe und Statistische und beschränke mich auf knappe und lose Aneinanderreihung allgemeiner Gesichtspunkte. Die sich durch einen langen Zeitraum ihrer Geschichte erstreckende Heimatlosigkeit der Juden hat diese zu einer erstaunlichen,beängstiget den Anpassungsfähigkeit an alle Völker und Zonen befähigt; diese oft als Ueberlegenheit gepriesene Tatsache ist nur der Vorteil eines tiefen Mangels. Alle großen und wertvollen Eigenschaften von Dauer können nicht leicht erworben werden, sie müssen wachsen und schwer errungen werden. Damit die ganze Welt Heimat sein kann, dazu muß zunächst ein umschriebener Bezirk Heimatboden sein. Begriff und Gefühl der Heimat erwachsen auf einem überschaubaren Territorium, das in Gegenwart und dank den Kräften der Vergangenheit einem Menschen oder einer Gruppe zu eigen geworden ist, oder von dem er doch nur zugunsten seines Volkes etwas vom Besitztitel aufgibt. Heimat in diesem engsten und dann in einem erweiterten Sinne kann es für ein Volk nur an einer Stelle geben, und es ist fraglos, daß nur Erez Israel alle Vorbedingungen geschichtlicher Art für uns darbietet, und daß nur dorthin die Gefühle konvergieren. Glaubt man aber, daß der Heimatsbegriff nicht so tief verankert sei und deshalb die Welt für dieses elementare Sehnen viele Erfüllungsmöglichkeiien biete, so unterliegt man derselben Täuschung wie beim Internationalismus und Kosmopolitismus billiger Prägung: man liebt die Welt und die Menschheit nicht mehr und nicht weniger als die eigene Gemeinschaft^ zu der man oft genug ohne echte Beziehung und Teilnahme ist. Die Welt soll Heimat werden, wie die Völker- und Staatsgemeinschaft als Ziel ernst angestrebt werden müssen. Aber die ursprünglichen, sehr tief angelegten Bindungen sollen dabei für größere Territorien, Gruppen etc. fruchtbar werden, nicht aber der Sprung in das Allgemeine leichtfertig geschehen und den Abschied von der Treue bedeuten. Wir Juden sehnen uns bestenfalls nach unserer ständigen Heimat. Im Laufe eines Jahrzehnts war es nur Zehntausenden — vielleicht alles in allem 200 000 — vergönnt ,die Heimat für die Dauer wiederzugewinnen oder für kurze Wochen zu schauen. Wie unnatürlich ist doch unser Dasein .Was die meisten Menschen früh und meist für immer als selbstverständliches Erlebnis in sich aufnehmen: die Heimat als Landschaft, als Rahmen von Schaffen und Ruhen, von Freud und Leid, das wird nur einem Bruchteil Juden für verhältnismäßig kurze Zeit zuteil. Wie weit sind wir als Gesamtheit noch von der Normalisierung entfernt, welche durchgreifenden Prozesse muß unsere Volksseele noch durchmachen, bis Heimat, Boden in unserem Bewußtsein den Platz einnehmen, der ihnen zukommen muß. Idee und