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Zion · 1932-03-01 · Heft 3 (März 1932) · p. Seite 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
4 (1932)
Issue
Heft 3 (März 1932)
Date
1932-03-01
Page
Seite 29 (sequence 11)
Language
German
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Nr . 3 Z I 0 N Seite 21 3(M>), ' zwei führende Menschen-' zu beauftragen, im „Sinn ägudistischer Weltanschauung" zu wirken. Wir haben bis jetzt unsere Tore jedem Chaluz offengehalten, ohne Ansehung seiner innerjüdischen Parteistellung, sofern er nur die Aussicht hat, ein religiöser Chaluz zu werden. Wir wollen daran auch in Zukunft festhalten. Derer aber, die im Auftrage einer Partei uns eine Entwicklung aufzwingen wollen, die nicht der inneren Oesetzmäßigkeit unserer Anschauungen entspricht, werden wir uns zu erwehren wissen. K. Chronik und Notizen. Rabbi Josef Chalm Sonnenfeld S-st •Erez Israel, besonders Jerusalem beklag! einen schweren Verlust. Rabbi Josef Chaim Sonnenfeld „der Hui aus Ungarn", Oberrabbiner des „Waad Hair Hoaschkenasi", ist im Alter von 83 Jahren verschieden. Ein würdiger Repräsentant des ,,Dor Hajaschan" ist mit ihm dahingegangen. (;0 Jahre lebte er in Jerusalem in asketischer Genügsamkeit und heiligster Pflichterfüllung... Lohn seiner Arbeit war ihm die Arbeit seist mxo mso -oc Er lebte in der Altstadt und achtete streng darauf, die Stadtmauern nicht zu verlassen. Das ist nicht die Art der Bauenden. Der Aufbau des Landes verlangt, daß man in die öden und zerstörten Ortschaften gehe und sie bebaue. Aber er fühlte sich als Hüter der Heiligkeit des Landes iyniain h; nno'-tr Tnprn o^triv und diese seine Aufgabe erfüllte er mustergültig. Er liebte das heilige Land. Seine Liebe war hingebend und nichts verlangend. Seine extrem religiöse Einstellung machte ihn zum ausgesprochenen Gegner des zionistischen Gedankens. Der Jischuw war für ihn eineheilige Aufgabe. Das Profane im Zionismus betrübteihn. Seine Ansichten waren nicht die unseren. Wir waren Gegner seiner Anschauungen, aber nicht seiner Person. Denn seine Ansichten rührten von seiner ungeheuren Temimut her, von einer unwirklichen Betrachtungsweise der Wirklichkeit In seiner unbedingten Liebe zu Erez Israel waren wir mit ihm einig. In tiefer Trauer steht das gesamte Judentum am Grabe eines treuen Hüters der Heiligkeit des Judentums und seines Landes.ror nrn -vs^n vmp Ssn Es entspricht ganz seinem Wesen, daß er keine Hespedim und Trauerkundgebungen wollte. Seinem Wunsche gemäß sprechen wir die schlichten Worte: .loSiyV -|Snc i»»n *mn p <aStri-v nirv hy S=n R Jecheskel Lipschitz S"St Der Kalischer Raw ist nicht mehr! Diese Botschaft wird nicht nur konventionelle Trauer auslösen. Ueber seinen lokalen und territorialen Wirkungskreis hinaus ist Rabbi Chazkel, wie man ihn nannte, bekannt geworden. Seinem Alter entsprechend gehörte er einer russischen Rabbinergeneration hu, die in ihrer menschlichen und halachischen Bedeutung noch auf der Höhe war. Unter seinen Gefährten behauptete R. Jecheskel seinen Platz. Das erkennt man schon an den Rabbinaten, die er inne hatte. Bausk und Kaiisch können sich besonders angesehener Führer rühmen. Doch stellt R. Lipschitz in mancher Hinsicht einen Ausnahmefall dar: im Menschlichen, Politischen und Kulturellen war er ein vermittelnder Repräsentant seines Standes. Er war jeder niNip sehr fern, außerordentlich milde und versöhnlich. Ohne Zionist zu sein, entfernte er sich nie von den Bestrebungen die Erez Israel als Sache der Gesamtheit des Volkes betrachten. So kam er folgerichtig zur Jewish Agency, in deren Council er in Zürich gewählt wurde. Dabei genoß er so sehr das Ansehen — es war wohl mehr das Ansehen als das besondere Vertrauen — seiner Kollegen in Polen, daß er der Präsident des polnischen Rabbinerverbandes wurde. — Und das besondere, das sich mit seinem Namen verknüpfte, war die weltliche Bildung, die er erworben hatte und die seinem Wesen mit die Prägung gab. Noch andere Rabbiner Rußlands hatten sich ähnliche Kenntnisse angeeignet (R. P. Rasowski S"s; R. Hirsch Rabinowitsch S"St und mancher unter den zeitgenössischen). Keiner aber wurde so sehr wie R. Jecheskel deshalb als Outsider betrachtet. Seine Wahl in Kowno und seine Resignation sind noch in Erinnerung. Ganz gewiß ' war das Bildungselement in ihm wesentlich. Seine Züricher Rede auf der 1. Tagung der Jewish Agency hielt er in deutscher Sprache; ich glaube, sie macht auf jeden Leser den Eindruck einer innerlich und äußerlich kultivierten Kundgebung. Fast wäre R. J. Lipschitz einmal in den deutschen Kreis getreten. Er war neben dem jetzigen Hamburger Oberrabbtner der einzige ernsthafte Kandidat für den Hamburger rmmn nds. Es ist schwer zu ermessen, welche Wirkung von ihm auf die deutsche Judenheit ausgegangen wäre. So kannte man ihn hier nur von seinen häufigen Besuchen während des Krieges, da ihn die Sorge für seine Gemeinde und sein Land oft hierher führte und man die eindrucksvolle Gestalt mit dem schönen sprühenden Auge sich einprägte. Sein positives Verhältnis zur modernen Bildunghat seine rabbinische Bedeutung nicht verringert. Sein bedeutendes Werk ncyoni man legt über seinen Tod Zeugnis ab für seine Gelehrsamkeit und den Reichtum seines Geistes Fraglos hätte ein Mann wie R. Lipschitz an einem anderen Platz zu sichtbarem Wirken gelangen können. Das Nachkriegspolen war einem so zartbesaiteten Manne nicht günstig. Er litt, wie manch anderer, unter dem Druck chassidischer Höfe, deren Machtsphäre in den Gemeinden sich ausdehnte. Diesen robusten Methoden war der Geistesaristokrat nicht gewachsen, und so wurde auch er in die Passivität gedrängt. Wir trauern um den vorzeitigen Heimgang eines großen rrn, eines bedeutenden Kopfes, eines edlen Menschen und einer treu ihrem Volke ergebenen Seele, ruxsn O. Wolfsberg.

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