Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 4 (1932)
- Issue
- Heft 3 (März 1932)
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 23 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Z I 0 N Seite 25 nur auf die Volksgenossen bezieht, während an der betreffenden Stelle ein paar Verse weiter es zum Ueberfluß ausdrücklich heißt: „Du sollst den Fremdling lieben wie Dich selbst." Hugo Qrotius hatte auch diese falsche Meinung, aber er hatte die Ehrlichkeit, hinzuzufügen, daß nach der Interpretation des Talmud der Nächste jeder Mensch sei. Unserem Zeitalter fehlt dieses Minimum von historischer Wahrhaftigkeit, obzwar: wir seit Herder den Sinn für Weltliteratur haben sollten, der den echten Qrund menschheitlicher Gesinnung bildet." * Cohen ist ordentlicher Professor der Philosophie an einer ausgesprochen evangelischen Universität. Es gehört Mut dazu, in solch exponierter Stellung im Namen der Wissenschaft Protest zü erheben gegen eine unwissenschaftliche Verkleinerung des Judentums zu Qansten des „Neuen Testaments''. Line scharfe Abfertigung erfährt auch H a rnacks „Wesen des Christentums". Ungezählte Juden werden Harnacks Buch gelesen haben. Mögen sie nicht versäumen, zu lesen, was Cohen in ehrlicher, mannhafter Entrüstung S. 517 seiner Schrift gegen Harnack vorbringt! Mancher jüdische Student, der nach dem Taufbecken schielt, kann aus dem Buche Cohens Kräftigung und Heilung schöpfen. Wenn es ihm nicht imponieren sollte, daß hier ein Denker spricht, so wollen wir ihm in Erinnerung bringen, daß dieser jüdische Denker, der seine Zugehörigkeit zum Judentum stets, insbesondere aber seit der glorreichen antisemitischen Aera scharf betont hat, „Geheimer Regierungsrat" ist.. Eine Geburtstagsfeier ist immer ein Familienfest. Und so werden die engeren Kreise der intimen Freunde und Schüler Cohens seinen 60. Geburtstag als Familienfest begehen. Offizielle Fanfarentöne werden die Intimität kaum unterbrechen. Nur die Zöglinge des Marburger Schülerheims, die in echt jüdischem Sinne erzogen werden, werden gewiß nicht versäumen, an Cohens Ehrentage ihm den Zoll ihres Dankes darzubringen; sie können nicht jüdisch erzogen sein, ohne die Tugend der Dankbarkeit gelernt zu haben, gegen einen Mann, dem sie so Vieles schuldig geworden sind .Es ist immer noch wahr: ge-, meine Naturen zahlen mit dem, was sie leisten, große Naturen mit dem, was sie sind. Darüber, was Cohen bisher geleistet, wird die Geschichte seiner Wissenschaft zu Gerichte sitzen. Er darf ihrem Urteilsspruch getrost entgegensehen. Für das, was Cohen ist, wird er Dank anzunehmen verweigern. Aber als dosis ölige te philete wird es gestattet sein, in die stille Vertraulichkeit seines Studierzimmers ihm stillen Gruß und Glückwunsch zu entbieten. Der Monat von L. B.?no nw *?y r.r not Was ist uns dies Jahr das Pessach? Die Form ist die gleiche, wie in jedem Jahr seit Jahrtausenden, die Familie zusammensitzend beim Mal und den alten Erzählungen von dem historischen Ereignis des Auszugs, der Volkswerdun-g Israels Die Haggadah gibt den Faden der Erzählungen, wir berichten unseren Kindern, wie unsere Vorväter es den ihren getan haben, von der Knechtschaft im fremden Land, der göttlichen Hilfe, dem Weg in die Freiheit. Aber dieselbe Haggadah schreibt uns vor, nicht eine Historie eines in der Vorzeit geschehenen Ereignisses zu schildern. Wir sollen uns selbst hineinfühlen, uns selbst ansehen, als ob wir es persönlich miterlebt hätten, sin iSso losy ns nifoS ais;v-, mi -rt S33 .n^saa xx' Als sei es unser Schicksal, als seien wir mit aus Aegypten gezogen. urnSsb lr?? ~m th hdyv Während diese Zeilen geschrieben werden, spricht neben dem Tisch der Radioapparat die Ziffern der Wahlstimmen. Eine aufregende Mathematik. Immer höher steigen die Ziffern. Fast dreizehneinhalb Millionen Deutsche geben ihr Votum ab für den Kandidaten, in dessen Programm die völlige bürgerliche Entrechtung und Aechtung der Juden das Kernstück bildet. Dreizehneinhalb Millionen. Hat schon einmal jemand in Deutschland, der als ein Parteikandidat in die Wahl geht, eine ähnlich hohe Stimmenzahl aufgewiesen? Dreizehneinhalb Millionen, weit mehr als ein Drittel aller Wähler, darunter Viele, Viele aus den sogenannten Intelligentenschichten, unterstützen die Männer, die die Juden außerhalb der Verfassung stellen wollen, nur weil sie Juden sind, deren Hymne aufjauchzt „wenn Judenblut vom Messer spritzt", die („Juda verrecke") den in Jahrhunderten bewährten Sündenbock aufs Neue gefunden haben, der für das büßen soll, was Antisemiten früherer Zeiten begangen haben. Rüdeste Hetze, Schlagring, Revolver ersetzen sachliche Argumente. Und dreizehneinhalb Millionen Stimmen. Aber wenn die Nacht vorüber sein wird und wir morgen die Zeitung aufschlagen werden.?"1Ö1K Kin "C CD- Wenn wir morgen die Zeitung aufschlagen werden, dann wird man triumphierende Uebex-