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Zion · 1932-03-01 · Heft 3 (März 1932) · p. Seite 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
4 (1932)
Issue
Heft 3 (März 1932)
Date
1932-03-01
Page
Seite 22 (sequence 4)
Language
German
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Rfiie 22 Z I 0 N Nr. 3 " ten Ganges, als ein stoker Verkünder der gesetzgeberischen Kraft def'menschlichen Vernunft. Das bringt ihn in Zwiespalt mit den bedeutendsten Psychologen uäis&rer Tage. Er achtel dessen nicht. Die „Logik^j"' als ein Teil des Systems der Philo^ophie^fange sehnsüchtig erwartet von Cohetis ^fenülern, Freunden und Verehrern, ist jetzt ersoffenen. In einer Sprache, die schwergerüstet, aber doch nicht ohne den Hauch des Künstlerischen ist, legt sie Cohens tiefgreifende Gedanikfcn*'dar. Hoffentlich werden die Forscher über dem Philosophen den Juden vergessen und werden Ehre geben, wem Ehre gebührt. Dann wird sich eine fruchtbare und bedeutsame Diskussion an dies" Buch knüpfen. v.-y Wir wollen über dem Forscher nicht den Juden vergessen, den treuen Sohn seines Volkes, der auf der Höhe seiner sozialen Stellung die Leiden 'des Geringsten unter seinen Brüdern mitempfindet, sofern er als Jude zu leiden hat. Cohens philosophischer Standpunkt liegt jenseits'des positiven Judentums, jenseits alles Offeri^afüngsgiaubens. Niemals aber hätte nach un-J s'erer Meinung das Judentum eine weltgeschichtliche Religion werden können, wenn es sich darauf .beschränkt hätte, ein System von abstrakten Qfedantfen. zu sein. Die Propheten lehren nicht e'inen' reihen» abstrakten Ethicismus. Was sie bekämpfen, ist nicht die Ausübung des Gesetzes, sondern die geistlose Ausübung desselben, den armseligen Glauben, der von jeher der Katechismus der Werkheiligkeit gewesen ist, daß der Mensch Religion haben könne, ohne Sittlichkeit zu haben Die Propheten sind voll nationaler Tendenzen, gesättigt von jenem gesunden Nationalismus, der, wie Cohen selbst bemerkt, vereinpär' ist mit dem weitausschauenden Weltbürgertum .Wir sagen das nicht, um mit Cohen zu. rechten, sondern um unseren Standpunkt zu wahren. Toleranz gegen eine Anschauung vom Judentum, die nach unserer Meinung nicht dem geschichtlichen Judentum entspricht, würde aufhören, eine Tugend zu sein, wenn sie zur Intoleranz gegen uns selbst würde. Aber es würde auch Intoleranz gegen uns bedeuten, wenn wir die großen Gedanken, die Cohen über die Stellung der Religion zur Ethik, über die Bedeutung des Gottesgedankens in der religiösen Welterfassung, über die sittlichen Zwecke d;ea Staatest unfd der Gesellschaft uns nicht zu Gemüte führen wollten, weil ihr Urheber nicht auf dem Boden des geschichtlichen Judentums steht. Das Gesetz, das seinen Bekennern gebietet: Du sollst erkennen, gebietet damit, alle großen Gedanken, die bestimmt sind, die Zeiten zu wändein, als Bausteine zu betrachten, aus denen sich das Gebäude eines Systems errichten ließe, das in all seiner stolzen Gedankenhäftigkeit dazu diente, das Judentum zu verherrlichen. . Wir haben ,:aber Cohen nicht nur dafi^ zu danken, was er; an Ideengut aus tiefem Schachte an den Tag gefördert hat, wir haben ihm zu danken für sein persönliches mutvoües Einstehen für Ehre und Fleckenlosigkeit des jüdischen Namens. In den Akten der theologischen Fakultät einer deutschen Universität ist über Verhandlungen berichtet, die sehr eng mit dem Namen Cohens zusammenhänge!. Wenn die Akten reden könnten, so würden sie erzählen von einem Kiddusch Haschern edelster Prägung. Sie würden erzählen, daß Cohen mit dem Einsatz seiner ganzen gewichtigen Persönlichkeit, ja, seiner ganzen gesellschaftlichen Existenz für die sittliche Hoheit des jüdischen Gesetzes eingetreten ist. Als willkommene Gabe für die wei- Mtesten Kreise der Gebildeten erscheint eben jetzt die siebente Auflage von Fr. Albert Lange's ,Geschichte des Materialismus", ein Buch, bei dem Cohen seit dem frühen Heimgange des Verfassers Vaterstelle vertritt. Die von ihm stammende Einleitung bietet auf wenigen Bogen mehr und Tieferes als manches dickleibige Buch. Ohne durch eine äußere Veranlassung dazu genötigt zu sein, mir dem Drange seines Herzens folgend, rechnet Cohen mit den judenfeindlichen Strömungen der Gegenwart in Staat, Kirche und Gesellschaft ab. Schon im Vorworte zu dieser Einleitung spricht Cohen das stoize Wort: „Ich habe durch eine expectorative Darlegung bezeugen wollen, daß bei denen,- mit. denen der verewigte Autor im Leben verbunden war, sein Glaube nicht untergegangen ist, vielmehr die Zur versieht sich erhalten hat, daß die Idee des Deutschtums durch diese zwanzig Jahre, und wenn sie glorreicher wären, mit nichten bestimmt wird. (S. 438) Vor der weitesten Öeffentlichkeit — denn wenn Cohen spricht, ist seinen Worten die Aufmerksamkeit einer größeren OeN fentlichkeit gesichert - wird die in u s u m d e Ip h i n i betriebene Bibel-Exegese der christlichen Theologie gegeißelt, die dem Gesetze der Menschenliebe seinen menschheitumfassenden Charakter nehmen will .Wir versagen es uns nicht, die Stelle hier wörtlich anzuführen: Ein erstaunliches Beispiel solchen religiösen Unrechts bietet die neuerliche Exegese am Gebot der Nächstenliebe, welches in den Evangelien nur als Zitat aus dem alten Testament erscheint, in dem man es jetzt aber

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