Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 4 (1932)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 1/2 ZION Seite 17 Josef Kastein, Eine Geschichte der Juden. Berlin 1931. Ernst Rowohlt Verlag. Nicht ohne Mißtrauen greift man angesichts der zahlreichen dichterischen Phantasien unter dem Deckmantel Weltgeschichte, zu einem neuen Werk m. d. T.: Eine Geschichte der Juden. Wer aus diesem Buche neue historische Kenntnisse schöpfen will, kommt nicht auf seine Kosten. Aber so anregend ist das Buch, daß vielleicht mancher, der die jüdische Geschichte nicht kennt, nach der Lektüre die jüdischen Geschichtsquellen studieren wird. Gewiß wird es der Kenner jüdischer Geschichte und der Geschichte überhaupt mit gespanntem Interesse von Anfang bis zu Ende lesen. Denn es ist vielleicht der erste Versuch, die ganze jüdische Geschichte bis zur Balfour-Deklaration von einem höheren geisteswissenschaftlichen Standpunkt zu durchdringen and zu ihrem tieferen Sinn zu gelangen. Interessant ist, daß, nachdem die neueren umfassenden Darstellungen der jüdischen Geschichte möglichst weit von einer „theologischen" Betrachtung abrücken, diese modernste sich insofern ihr wieder nähert, als sie den tiefsten Sinn der jüdischen Geschichte im Verwirklichungsversuch der Forderung der Propheten sieht: das bloße Dasein zum sinnvollen Dasein gestalten durch den Gedanken eines universellen Gottes, von dem alle Lebensverhältnisse nach der Idee der Sittlichkeit abhängen. Der religiöse jüdische Leser muß ganz unabhängig von den besonderen Deutungsversuchen schon die Tendenz als religiös und damit seinem eigenen Geiste verwandt empfinden, ist sie doch pn pnxo. Wir rechnen daher mit dem Autor nicht, wenn er in einigen dogmatischem Lehrmeinungen nicht unsere Auffassung teilt, ja selbst, wenn er in Einzelurteilen fehl geht, wie in der Verkennung der originären Leistungen der französischen Tossafistenschule. Wir freuen uns, daß ein weit- und hellsichtiger Geschichtsschreiber sich der jüdischen Geschichte angenommen hat, der nicht vorgefaßten Meinungen zuliebe Motive der historischen Entwicklung übersieht, der ebenso wie er mit Graetz den Talmud als den geographischen Ort anerkennt, in dem das Diasporajudentum bis in die neueste Zeit seine Heimat gefunden hat, ebenso gegen Graetz das Reich der Kabalah als die Region erkennt, in der der Jude sein Weltgefühl erlebte und daher besser als frühere Historiker die Erschütterungen der jüdischen Welt durch die von Reubeni und von Sabbatai Zwi entfachten messianischen Bewegungen erklärlich macht. Zwei aktuelle Themen erhalten besondere Bedeutung. Die Assimilation, die mehr denn als Problem der Neuzeit eine Illustration am Beispiel der Marannen erhält, das zu Parallelen mit der Gegenwart herausfordert. Wurde in der ersten z.eu ciie uewiniiuiig der sogen. Conversos (ttekenrten), von Kircne und spanischem Volk als bieg am dem Wege zur Einheit der Nation und aer nationalen Kircne empfanden, so senlug aies empfinden naen wenigen Generationen in Grauen um, als rnau tue nöcnsten Stellen in cjtaat, Kircne unü Geseuscnatt von den Neucnnsien Desetzt sah; AusüruCK der Wut u. a. aer Ausdruck Marranos, tl. i. bcnweine. Und jetzt trat üie Inquisition aar üeu l'ian und tneü seiost jene jvial auuenKreise, uie sien als ennsuiene spamer wonigeiumi naueii, /.ui rraienusicruiig mit ueu juaen, ünu setüsi itaoi geiiciauoueiuaiige.ii uCftuuiunis ^Uui uubiCiiiuui, nieoer zui' riuciu üis jnueiuuiii /.üiuck. iJie autdiigs von oeMeu ocice.i ei'screoie /-vbSi.iinauon naue sien au au&uruuni ^eiunrt. unu nun uas zweite aKtuenu liiema: i»iai. nat Sien in juuiocne.t, speaen rengioden i\reis<_n, seit die lurnic uUiCii aas i_auieiui.gsicuer ues lvunur- Kaiiipie» innaufcugc^aagea ul, gewönne, in mr, u^w. ueu inr naneonjueuoeii pouuseneu machten tue seuutier aner rougio^eu mi.eiesse.1 und kuij tuicuen iviinuernenei.-Kecnte zu senen. eine iNatUigegeoeniieit Desteut nicnt. j\astcni nat unzweideutiger ais irgend ein Autor darauf ningewieseu, uao es im Gegensatz zur nenenistisenen ouer lSiamiscnen Kultur zu keiner Zeit eine Kuiturene tfereiCueruiLg ües juaemums üureti uie symüiose mit dem Cnnsienium gegeoen hat, tiau üie Kircne zwar den Antisemitismus nicht geschaflen, aoer sich seiner Wallen für und lur Decnent hat. Denn indem die Kirche das ErDe Gnecnenianüs und Roms antrat, mußte sie aui einer allweltlichen. Anerkennung ihrer Macht, ü. h. Katholizität, üestenen. Die Kirche mußte den juaen, der ihr diese Anerkennung versagen, mußte., eDenso verdammen wie den Kaiser, der ein von ihr unabhängiges Imperium begründen wollte, und sie mußte den Juden, der sein Denken nicht von ihren Heilslehren anhängig machen konnte, ebenso verfolgen wie den unabhängigen Denker, der eine Philosophie schuf, die nicht mehr * Dienstmagd der Kirche sein wollte. Das Verhältnis zwischen Kirche und Judentum entläßt aus sich das Problem der permanenten . Spannung; dadurch, daß das Judentum weder jemals Gelegenheit noch Wunsch hatte, den Machtansprüchen der Kirche mit Gewalt zu begegnen. Hierin lag das Geheimnis der Unbesiegbarkeit des Judentums durch die Kirche und hier ist der Schlüssel zu der Tatsache, daß während in der Symbolsprache gotischer Plastik die Gegner der Kirche in verkleinerten Dimensionen dargestellt werden, die „verbltndete" Synagoge, di«