Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 4 (1932)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 Z I 0 N Nr. 1/2 kel, Kiel, verstanden es, durch ihre Ausführungen lebhaftes Interesse für wichtige Fragen des Palästinaaufbaues zu erwecken. Im Rahmen des Themas „Erziehungsprobleme und Frauenarbeit in Erez Israel" besprach Herr Prof. Fraenkel die verschiedenen Schultypen im Lande, insbesondere die Schulen der Jewish Agency, des Misrachi, der Arbeiterschaft, die' aus dem neuen Jischuw, je nach der Einstellung der Bevölkerungsschicht verschieden, erstanden waren, und die des alten Jischuw und der Agudas Jisroel. Ersteren ist die. hebräische Unterrichtssprache gemeinsam, während sie sich in letzteren erst sehr allmählich durchzusetzen beginnt. Erwähnt wurde auch die große Gefahr der Missionsschulen, die dank größter Geldmittel unentgeltlich Unterricht erteilen können und den von Juden getragenen, auf Schulgelder angewiesenen Schulwerk erheblichen Abbruch zu tun imstande sind. Erfolge zu erzielen sei für das gesetzestreue Erziehungswesen teilweise deshalb ungeheuer schwer, weil die Elterngeneration nicht so erzogen sei wie die Orthodoxie in Mittel- und Westeuropa, somit die Kluft zwischen Alter und Jugend, häufig unüberbrückbar sei, was jede religiöse Beeinflussung erschwere. Notwendig sei daher die Uebersiedlung gesetzestreuer Menschen aus Mittel- und Westeuropa nach Palästina, denen größte Wirkungsmögüchkeiten offen ständen. In Ergänzung dieser Ausführungen gab Frau Prof. Fraenkel Einzelschilderungen aus dem Leben der gesetzestreuen Frau in Palästina und erwähnte besonders das Internat des Misrachi-Lehrerinnen-Seminars und die für gesetzestreue Mädchen und Frauen ins Leben gerufene Haushaltungsschule, welche beide vornehmlich von den misrachistischen Frauen-Organisationen erhalten würden und eine wichtige Aufgabe für diese und die gesamte gesetzestreue, sowie darüber hinaus für die allgemein jüdische Mädchenerziehtmg in Erez Israel darstellten. Frau Dr. Blau dankte den Rednern für ihre aus dem Leben für das Leben in Palästina gegebenen Ausführungen, die von den Versammelten mit reichem Beifall entgegengenommen wurden. Die Misrachi-Frauen-Gruppe Hamburg-Altona, die sich den von den Rednern skizzierten Aufgaben mit großem Eifer unterzieht, konnte als Erfolg der gelungenen Veranstaltung ein weiteres Zunehmen ihrer Mitgliederzahl feststellen. Interessant und lehrreich waren auch die anderen Veranstaltungen der Frauengruppe im Februar." Am 7. Februar fand eine musikalische Matine im Hause von Herrn Bistricki statt, mit einem Referat von Frau Dr. Marlene Jacobsen über den musikalischen Charakter des jüdischen Volksliedes, dem sich ein Liedervortrag von Frau Böiiinger anschloß. Am 17. Februar referierte Herr Oberrabb. Dr. Carlebach über die Bibelübersetzung von Buber-Rosenzweig. Kiel. Am 21. Februar 1932 sprach Dr. Euzo Sereni in einer öffentlichen Veranstaltung des Misrachi über die Araberfrage in Palästina. Von der Tatsache ausgehend, daß Palästina schon in der frühesten Geschichte Angriffs- und Verteidigungspunkt für die es umliegenden Völkerschaften war, zeigte er die zwei Systeme auf das arabische und englische die gegenwärtig auf das Land einwirken und sein Schicksal mitbestimmen. An Hand eines reichen Tatsachenmaterials wies der Redner nach, daß die politischen und ökonomischen Interessen der Juden und Araber ineinandergreifen, und daß trotz dieser gleichen Ziele die Realität des Lebens schwerste Gegensätze hervorbringt. Die Interessen von 80 »o der arabischen Bevölkerung der Fellachen können nur in Zusammenarbeit mit den Juden befriedigt werden. Mit diesen kann ein Einverständnis erzielt werden. Erforderlich ist eine Agrar- und Kreditreform. Palästina als Getreideland ist zu klein, als intensives Pflan- /ungsland zu groß. So erhebt sich das Paradoxum. daß es zu viel und zu wenig Boden gibt. Hier hat eine Agrarreform einzusetzen. Zur Intensivierung des Bodens gehört aber Kapital und die Hergäbe von Kapital au die Fellachen, die den schlimmsten Wucherern ausgesetzt sind, sei auch eine zionistische Aufgabe. Eine kleine Episode, die i i der Diskussi'cm ihren Ausdruck fand, möge die Güte des Vortrages und die sachliche Fundierung der Tatsachen beleuchten. Der Vorsitzende des C. V. in Kiel schien von den Ausführungen so eingenommen, daß er den Redner für den C. V. reklamieren wollte. Der C. V. habe stets der Gründung einer Heimstätte in Palästina zugestimmt, er habe sich nur gegen die Errichtung eines Nationalstaates gewehrt. Herr Prof. Fraenkel bedeutet ihm dann, daß die offizielle zionistische Literatur das Wort „Staat" überhaupt nicht kenne und gab seiner Freude Ausdruck, daß dem Herrn jetzt der Weg zum Zionismus geebnet sei. Magdeburg. Gründung einer Misrachi-Ortsgruppe. Am 15. Februar wurde in Magdeburg eine Misrachi-Ortsgruppe i is Leben gerufen. In einer .stark besuchten öffentlichen Kundgebung sprach Herr Lazarus Barth über „Die gegenwärtige