Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 4 (1932)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1/2 ZION Seite 13 ner Zersetzungsarbeit innerhalb der jüdischen Jugend geprüft. Alle Redner betonten einmütig, daß der Abwehrkampf schleunigst aufgenommen werden muß. Zugleich damit wurde eine Vertiefung und eingehende Behandlung dieser Fragen in eigenem Kreise gefordert. An der Aussprache beteiligten sich Dr. A. Barth, L. Barth, Dr. Knoller. Max Kober. B. Offenburg und Dr. W. Silbe rstein. * Im Rahmen einer Ortsgruppenversammlimg sprach am 20. Februar Dr. Robert Weiß über „Gesetzestreues Judentum und politischer Sozialismus". Nach einer Darstellung der beide.i Begriffe wies er eingehend nach, daß sie sich vollkommen vereinbaren lassen und führte die Gründe an, aus' denen der Kommunismus abzulehnen ist. Die Diskussion, in der die 3 möglichen Anschauungen vom A- und Antisozialismus sowie Sozialismus der Thora vertreten wurden, gestaltete sich äußerst lebhaft und zeigte, welches Interesse diesen Problemen in weiten Kreisen des jüdischen Publikums entgegengebracht wird. Der Wunsch nach einer Fortsetzung der Aussprache wurde allgemein geäußert. Frankfurt a. M. Am 21. und 22. Februar weilte der Vorsitzende der Landeszentrale des Deutschen Misrachi auf Einladung der Misrachi-Ortsgruppe in Frankfurt a. M. Außer einigen Besprechungen sprach er am Nachmittag des 21. vor geladenen Gästen im gastlichen Hause von Herrn und Frau Jacob Rothschild, die mit vieler Liebe euu-n Tee arrangiert hatten. Unter den zahlreichen Gästen war auch Rabb. Dr. Hoffmann. Dr. Wolfsberg gab - an seine vorjährige Palästinareise anknüpfend — einen lebendigen Eindruck vom Leben und Schaffen in Ere/ Israel, von Landschaft und Bevölkerung, vom Alltag und dem religiösen Leben, von den großen Persönlichkeiten und der anonymen Masse. Er schilderte die äußeren politischen Schwierigkeiten, dij sich aus der Haltung der Mandatarmacht und aus der Araberfrage ergeben und die inneren Auseinandersetzungen innerhalb der Bewegung. Dem stellte er die Bedeutung des großen konstruktiven Werkes in Erez Israel für die Gesamtjudeuheit gegenüber, gerade in unserer Zeit schwerster Bedrängnis. Die Rolle des Misrachi und seiner 1 nsti11ltionen, insbesondere die Funktion des deutschen Misrachi und "seiner geistigen Haltung würdigt der Redner ausführlich und wirbt eindringlich für Idee und tätige Mitwirkung am nationalreligiösen Aufbau. In der Aussprache werden manche Probleme angeschnitten, die im Schlußworte eingehend berücksichtigt werden. Herr Rabb. Dr. Hoffmann unterstützte sehr wirksam den Appell an die Versammelten, die Palästina- Arbeit des deu;schen Misrachi großzügig zu fördern. Tatsächlich hatten die Bemühungen einen guten Erfolg. Den Gastgebern, Herrn und Frau Jacob Rothschild, dankt die Landeszentrale herzlichst für ihre Mitwirkung. Am Abend fand eine außerordentlich stark besuchte öffentliche Versammlung der Misrachi- Ortsgruppe statt, in der Herr Rabb. Dr. Hoffmann über „Unsere Zeit und unsere Jugend" und Dr. Wolfsberg über „Krisis des Judentums?" referierten. Rabb. Hoffmann stellte in prägnanter und umfassender Weise die soziale Gesetzgebung des Judentums dar und erwies an ihr die Kraft des Judentums, Zeitprobleme intra muros befriedigend zu lösen. Unsere Jugend bedürfe nicht fremder Systeme wie des Kommunismus, dessen Theorie (histor. Materialismus) den Grundlagen des Monotheismus der Thora widerspreche. In Ere/ Israel würde die Fähigkeit zu sozialer Erneuerung sich e.itfalten. Dr. Wolfsberg suchte die gegenwärtige Situation in der Diaspora aus historischen Entwicklungen seit der Emanzipation zu begreifen. Die Rolle der Juden, in Vorkriegs-, Kriegs- und Nachkriegszeit wird analysiert, die Passivität der jüdischen Haltung für die Fehlleistungen verantwortlich gemacht. Unser Heroismus im Kriege war von außen induziert, aber er half uns über unsere Tragik damals hinweg. Die Deklassierung und Erschütterung auf ökonomischem und sozialem Gebiet findet uns mutlos und aktionsunfähig vor, weil der innere jüdische Heroismus, aus stolzer nationaler Bejahung geboren, fehlt. Wir sind auf der Flucht vor uns und unserer eigentlichen Aufgabe. Nur die volle Rückkehr zu allen jüdischen Werten und ihre kraftvolle Zusammenfassung mid Konzentration au einer Stelle, in der wiederaufzubauenden Hebrat, könne die große Gefahr bannen, in der wir schweben, ja könne den Aufstieg anbahnen. Wir Misrachisteu als Träger der großen Lehre könnten das schon in der Blüte befindliche Erez Israel zur vollen Bedeutung und Größe bringen. Die Zuhörer folgten den Rednern mit großer Spannung und spendeten lebhaften Beifall. Hamburg. Am 3. Jan. 1932 hatte die Misrachi-Frauen- Gruppe Hamburg-Altona zu einer Vormittagsveranstaltung im Hause von Herrn Hugo Mainz eingeladen, zu der eine große Anzahl interessierter Damen und Herren erschienen waren. Die Referenten, Herr und Frau Univers.-Prof. Dr. Fraen-