Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 4 (1932)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3133276-3139319-3139320--0608-3140047- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 1/2 Z I 0 N Seite 11 Das Korrelat von Gottes und Israels Einzigartigkeit ist tief religiös verankert. Der Talmud weiß nichts Größeres von den Tefilin Gottes zu sagen, von denen er metaphorisch spricht, als daß sie die Inschrift tragen: p«a -ns »u Stntt» -pjo »m. Und weiterhin: nr.N m'ssn d^dn n»j?N >3Ni dSij?3 nnx na'cn »airvpj? Q^iya nnx (Ber. 6a). Hier ist die Legitimität des jüdischen Nationalismus religiös so fest verankert, daß jede weitere Apologie überflüssig ist. -- Ich habe nie die Vermessenheit gehabt, mich als einen religiösen Juden zu bezeichnen, aber wir dürfen denselben Anspruch erheben wie Sie, daß wir religiöse Juden sind. Auch der Zionist, der sich von jeder traditionellen Religiosität losgelöst hat und am religiös-kulturellen Leben nicht teilnimmt, ist religiös, da alle Kräfte, die im Zionismus am Werke sind, religiöser Art sind und religiösen Wert haben. Wenn ein so wertvoller Teil der Judenheit das nationale Bekenntnis und die nationale Ueberzeugung zum Fundament gemacht, so entscheidende Impulse gegeben und das jüdische Leben so entscheidend belebt hat, so . ist dieses Fundament auch von den Gegnern zu achten. Sie brauchen nicht zu uns zu kommen, aber Sie müssen verstehen, daß ein solch aktiver Teil der Judenheit nicht nur Anspruch auf kühlen Respekt hat. Diese Gruppe kann auch fordern, daß die Gemeinde unserem Werke ihre Hilfe leiht, daß sie vor allem nicht wagt, ihre Mitwirkung damit abzulehnen, daß sie sagt, ihre religiöse Ueberzeugungverbiete ihr das. Das verbitten wir uns, und wir werden es nicht dulden. Wir begreifen es nicht, daß es in unserer Zeit, nach allen Großtaten des Zionismus und dem Verständnis, daß vielerorten Liberale uns entgegenbringen, ehe solche Gemeinde gibt. Da sagen wir Halt! Ich warne Sie, diesen Weg des Stumpfsinns, des kleinen Geistes weiter zu gehen. Es ist ein frevelhaftes, frivoles Spiel, das Sie hier getrieben haben. Sie wissen nicht, was Religion in jüdischer Auffassung heißt. Auf dieser Seite des Hauses sitzen Menschen, die sich in ihrer Religiosität nicht übertreffen lassen. Es ist grotesk, gegen uns religiöse Argumente ins Feld zu führen, wenn Sie bedenken, wie gar mancher . unter uns Tag und Nacht für das Judentum schafft und in der jüdischen Gedankenwelt lebt und webt. Wie kann das irreligiös sein. Es gibt kein jüdisch-religiöses Bekenntnis ohne Zugehörigkeit zur Judenheit als Volk. Wir sind getrennt von den anderen Nationen dadurch, daß wir eine Gemeinschaft sind. Jede echte Gemeinschaft, die durch Geschichte, Schicksal, durch Abkunft, Leistung und Hoffnung miteinander verbunden ist, und so auchdie jüdische, hat Anspruch und Anrecht auf den Begriff der Nation. Sie haben die Einheit in der Gemeinde gefährdet mit dem, was Sie getan haben. Sie rauben uns die Möglichkeit der Zusammenarbeit. Sie sollen wissen, daß hier die Schicksalslinie geht. Sie können es drehen und wenden, wie Sie wollen. Rauben Sie unserer Auffassung die Legalität in der Jüdischen Gemeinde d. h. gestehen Sie uns nicht zu, daß wir als eine durch Ueberzeugung und Aufgabe geeinte Gruppe in die Gemeindekörperschaften eingetreten sind, und daß wir aus vollem Recht die Aufgaben der Gemeinde durch unsere jüdischen Gesamtinteressen erweitern, so können wir mit Ihnen nicht zusammenarbeiten. Wir sind qualitativ und quantitativ zu bedeutend, als daß Sie sagen könnten, wir seien illegal. Legal ist man immer mit unserer jüdischen Einstellung, auch wenn man in der Minderheit ist, auch wenn Sie uns ausschalten, und wenn Sie uns als Partei im entscheidenden Punkte als illegal erklären. Sie haben uns für illegal erklärt, Sie haben uns gebrandmarkt, wir werden das nicht dulden. Wenn Sie in dieser Stunde lachen, dann ist das Ihre Sache. Sie sehen nicht tief genug. Wir fordern vom Gemeindevorstand, daß er seinen Einfluß einsetze, Sie zur Zurücknahme zu bewegen, wenn wir mit Ihnen weiterarbeiten sollen. Es darf nicht aufrechterhalten bleiben, daß Sie sagen, nationales Judentum sei religiös unzulässig, es widerstrebe Ihrer religiösen Ueberzeugtmg, uns in unserem Werke zu fördern. Wir wollen wissen, ob Ihre Freundschaft und Brüderlichkeit so groß ist, daß Sie das verstehen. Unsere gemeinsame Arbeit ist mitbedingt von der Anerkennung unseres zionistischen Werkes in und für Palästina, denn für uns ist es das größte. Deshalb fordern wir vom Gemeindevorstand ein eindeutiges Wort. Kein Verstummen und kein Lächeln, sondern daß er als berufener Führer der Gemeinde Berlin gleichmäßig seine Fittiche ausbreitet über dii Berliner Judenheit, daß er Zionisten. Nationaljuden und Menschen, die für Palästina arbeiten, betrachtet als wertvolle Bestandteile unserer Gemeinde und ihr Mühen der Anerkennung und Unterstützung für würdig, und daß er die Auffassung der liberalen Fraktion über die Arbeit für Palästina und Hechaluz nicht billigt und mitmacht, daß er unsere Verfemung und Diffamierung nicht zuläßt.