Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 4 (1932)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 ZION Nr. 1/2 legen, uns befriedigen muß. Diese Debatte ist nicht leichtfertig durch uns hervorgerufen: Sie haben sie gewollt. Gegenüber dem liberalen Versuch, unsere besonderen Forderungen, die mit Palästina zusammenhängen (wie die konkrete zur Unterstützung des Hechaluz) als parteipolitische zu kennzeichnen und sie deshalb abzulehnen, genügt es, wenn ich darauf hinweise, daß es einen großen Teil jüdischer Menschen in Berlin gibt, Juden, deren jüdische Ueberzeugung und deren jüdisches Tatleben gehemmt bleibt bei Ausschaltung unserer Ansprüche und nicht anders realisiert werden kann als durch die Verwirklichung der jüdischen Wiedergeburt und durch das Entgegenkommen, das für dieses Werk der Wiedergeburt die gesamte Judenheit bekunden muß. Dieses Werk der Wiedergeburt verlangt von Ihnen kein Opfer des Intellekts, verlangt nicht, daß Sie gegen Ihre Ueberzeugung Zionisten werden oder ein nationales Bekenntnis ablegen sollen. Aber es verlangt eine bestimmte Stellung uns gegenüber. Wenn wir die Skala Ihrer Kämpfe gegen uns noch einmal überschauen, so ist dieser Kampf jetzt auf den Höhepunkt geführt worden. Sie haben uns den früher bewilligten und dadurch als Lehrstuhl der Jüdischen Gemeinde Berlin geschaffenen Lehrstuhl an der hebräischen Universität in Jerusalem versagt und damit seine Existenz, gefährdet. Sie wollen zur Jewish Agency keine Beziehungen pflegen und stellen sie selbst für früher in Abrede, obgleich sie schon einmal hier bestanden und sicher der Gemeinde nicht zur Unehre gereicht haben, Sie haben es für nötig befunden, zwar den Hechaluz zu loben, ihm aber die Mittel zu versagen mit der ohne Widerspruch gebliebenen Begründung aus Ihrer Mitte, daß es eine schwere Sünde für Sie sei, daß es Ihrer religiösen Ueberzeugung widerspreche, irgend einer nationaljüdischen, zionistischen Bestrebung Unterstützung zuteil werden zu lassen. Ich bitte Sie, bei größter Wertschätzung für den Aufgabenkreis der Gemeinde, einen Augenblick ein bißchen aus dem philiströsen Rahmen des nur auf die lokale Gemeinde blickenden Kollegiums herauszugehen und den Standpunkt des Judentums der Jahrtausende und des Gesamtjudentums von heute zu betrachten und die dadurch bedingte umfassendere Verpflichtung in das Aufgabengebiet der Gemeinde hineinzustellen. Sie müssen dann verstehen, was es bedeutet, wenn Menschen, wie Nationaljuden und Zionisten, deren Brennpunkt jüdischer Arbeit das Werk der Wiedergeburt unseres Volkes in Erez Israel ist, ihre Kraft der Gemeinde leihen; ihre Anteilnahme an der Gemeindearbeit erscheint uns auch für die Aufgaben der Gemeinde bedeutsam, Ebenso natürlich aber ist es, daß wir die Kraft der Gemeinde aktivieren für ein Werk im Dienste der gesamten Judenheit, daß wir die Gemeinde hierzu aufrufen. Wir können dann die Begründung nicht schlucken, die Sie geben, daß es Ihrer Ueberzeugung widerspreche, diesem Werke eine Unterstützung zu gewähren. Ich dachte, tolerant sei es, das Werk und die Motive unseres Wirkens zwar abzulehnen, aber doch unseren Bestrebungen Hilfe zu leihen, weil es anderen Juden als tiefste Notwendigkeit erscheint. Denn das ist der Sinn der Einheitsgemeinde, daß e i n Teil die entscheidenden Bestrebungen des anderen unterstützt oder doch nicht zu Fall bringt. Diese Hilfe haben Sie uns versagt und versagen Sie auch heute wieder. Sie wollen nicht teilnehmen an dem Werk. Sie wollen uns die Möglichkeit verschließen und die Absicht rauben, mit Freude in der Gemeinde mitzuarbeiten, denn Sie nennen, was für uns zu den höchsten Aufgaben gehört, für Ihre Auffassung Sünde. Herr Fleischer zieht sich in seiner Argumentation gegen uns auf die Tatsache der liberalen Mehrheit und auf das neutrale Aufgabengebiet in der Gemeinde zurück. Es ist aber das Wort von der Sünde gesprochen worden und davon, daß es Ihnen widerspricht, aus ihren religiösen Bedenken heraus an unserem Tun mitzuarbeiten. Darum haben wir wesentlich interpelliert, und darum kämpfen wir mit Ihnen. Hier ist die Grenze unserer Toleranz, wenn das Wort aufrechterhalten wird, daß es eine religiöse Sünde sei, und daß es Ihrer Ueberzeugung widerspreche, hier mitzutun. Wenn Sie die ideologische Grundlage u ns e r e s Palästina-Ar.fbaus, das Nationaljudentum des Zionismus bekämpfen, so übersehen Sie, daß, besonders in so gefährdetem Diasporadasein wie in der Gegenwart, die Erhaltung des Volkskörpers, das Vitale, die Grundlage unserer Existenz ist, das Fundament, auf dem sich erst das religiöse Leben erheben kann. Kommen Sie mir und meinen engeren Freunden nicht mit religiösen Skrupeln, unid sagen Sie uns nicht, was religiöses Judentum ist. Ihr religiöses Judentum datiert erst seit wenigen Jahrzehnten und nicht, wie bei uns, seit Jahrtausenden. Wir denken in dem Geist unserer Väter und wissen, daß unsere Religion eine Einheit und Kontinuität geblieben ist, wir sagen uns nicht los von dem Erbe der Väter. Wir wissen, daß es ein jüdisches Volk gibt, wie es immer gegeben hat und es immer geben wird. Ich könnte gar lange von dem Nationalismus des alten Judentums der Tradition und von der nationalen Struktur der Gemeinde in früherer Zeit, von der Teilnahme der niSnp an allen Lebensfragen der Gesamtheit, sprechen. Nur eines will ich sagen;