Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 4 (1932)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Z I O N Nr. 1/2 und Gegner erfolgreichsten und auch für die Zukunft meistversprechenden Institution des Misrachi. Aber daneben darf Kulturtätigkeit anderer Art nicht außer acht bleiben. Zwei derartige Zwecke sind in unseren Augen von so überragender Wichtigkeit, daß wir für sie Subventionen in der Höhe von je 5 unsrer Oesamtaufwendung abgezweigt haben. Der eine sind die I n j a ri e D a t h, wozu in erster Linie, wenn auch nicht ausschließlich, die Besoldung von Rabbinern, Lehrern und Schochtim an kleineren Plätzen, z. T. in weltabgeschiedenen Kolonien gehört. Infolge der Finanzkris* bei der Jewish Agency ist deren Beteiligung hieran auf einen kleinen Bruchteil ihrer früheren Zuwendungen gesunken, und an gar manchen Plätzen steht die betreffende Kraft, die seit vielen Monaten keinerlei Gehalt mehr empfangen hat, vor der Alternative, zugrunde zu gehen oder die Stellung aufzugeben. Die Möglichkeiten, die diesen „Chaluzim geistiger Art" selbst an Plätzen, wo religiöse Elemente nur eine kleine Minderheit ausmachen, gegeben sind und von ihnen auch ausgenützt werden, sind ungeheuer groß, für den Unkundigen geradezu unglaublich; vielfach ist durch sie die geistige Struktur der Bewohnerschaft, insbesondere der Jugend, überraschend günstig beeinflußt worden, wie ja überhaupt die religiösen Wirkungsmöglichkeiten nicht durch Bedingungen und Postulate, sondern durch Einfluß und Beispiel von Mensch zu Mensch in E. J. erstaunlich groß sind. Gerne hätte ich für diesen Fonds, der in diesem Jahr von Raw Kook selbst und einem besonderem Ausschuß unter der Führung von Prof. Klein verwaltet und ausgegeben wird, 10 °ü abgezweigt gesehen, wie ihm neuerdings auch 10 <Vo der vom Merkas verausgabten Geldern zufließen; aber auch die bewilligten 5 o/o werden gewichtigen Nutzen stiften. Ein weiterer Teil unseres Programms nähert sich schon den Problemen des Chinnuch. Die Jungens und Mädchen, die unsere religiösen Volksschulen verlassen oder im letzten Schuljahr stehen, und ebenso die Schüler und Schülerinnen der oberen Klassen, unserer Mittelschulen werden in ungeheurem Ausmaß und leider in sehr vielen Fällen mit Erfolg von den drei großen Jugendbünden „gekeilt", die im Lande bestehen (zwei sozialistische und ein revisionistischer; die Jugendbewegung der „Allgemeinen Zionisten" ist einstweilen ohne Bedeutung). So gut die Erfolge unserer Schulen nicht bloß hinsichtlich der Vermittlung traditionellen Wissensstoffes, sondern vielfach auch hinsichtlich der Schaffung der dazugehörigen seelischen Atmosphäre sind *), so kann doch der Einfluß von Lehrerschaft un'd Schule nicht auf die Dauer mit den Einwirkungen von Jugendführern und gleichaltrigen Kameraden erfolgreich konkurrieren. Die in den Städten wie in den Kolonien leider sehr stark zu beobachtende Abwanderung unserer älteren Schuljugend und unserer Schulentlassenen in Lager mit ganz anderen Idealen war die Folge des Fehlens einer Jugendbewegung von unsrer Seite; "so ging uns viel hoffnungsvolles Menschenmaterial verloren, und ein Gutteil an sich wertvoller Erziehungsarbeit unserer Schulen ist umsonst geschehen. Seit wenigen Jahren sind erfreuliche Anfänge einer misrachistischen Jugendbewegung zu konstatieren, wobei als Führer teils jüngere und der Jugend nahestehende Lehrer, teils führende! Elemente des Poel Hammisrachi tätig sind und überdies eine ständige Fühlung mit einigen älteren interessierten Gesinnungsfreunden wie Raw Assaf, Rabbi Binjamin, Dr. Engel u. a. besteht. Die Schwierigkeiten, die einstweilen die unbedingt erforderliche schnellere Entwicklung dieser Jugendbewegung hemmten, sind von zweierlei Art. Die eine beruht auf sachlichen Differenzen hinsichtlich des wünschenswerten Ziels und seiner Durchführung zwischen der Leitung unseres Schulwesens (den Mefakchim) und den Jugendführern einerseits, den Führerschaften verschiedener Orte (namentlich der „Bne Akiba" in Jerusalem und der „Zofim" in Tel-Aviv) andrerseits; gegenüber früheren irrigen Darstellungen in diesen Blättern sei ausdrücklich erwähnt, daß es sich in beiden Fällen um Meinungsverschiedenheiten pädagogischer und organisatorischer Art und nicht etwa um politische Tendenzen handelt. Während mit diesen Schwierigkeiten und Kinderkrankheiten der Bewegung die Beteiligten selbst fertig werden müssen und auch auf dem Wege sind, in ehrlichem Ringen fertig zu werden, wollen das zweite Hindernis zu bekämpfen wir mithelfen: den völligen Mangel an Geld für diese Zwecke, der bisher neben anderem auch den Einsatz bezahlter Kräfte (wie in den anderen Jugendbewegungen,) unmöglich gemacht hat. Auch hierfür sollen 5 »<> unseres Palästinabudgets verwandt werden. Die noch übrigen 50 üu wollen wir unserer wichtigsten Institution, unserem Schulwesen widmen. Es ist klar, daß für die Gesamtheit unserer Schulen dies nur einen Tropfen auf den heißen Stein bedeuten würde, doppelt und dreifach in diesem Jahr, wo durch die Kürzung des *) Hiermit sollen die generellen Schwierigkeiten der Erziehung in Palästina, die für alle Schultypen beinahe gleichmäßig bestehen und nirgends zureichend überwunden worden sind, nicht verkleinert oder übersehen werden.