Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 3 (1931)
- Issue
- 10-11 (11.1931)
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 102 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3133276-3139326-3139333--0566-3140004- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 102 ZI 0 N Nr 10 daß unser Programm Thorah wa'Awoda sein wird, und daß es sich nur darum handeln kann, zu versuchen, auf neuen und anderen Wegen die Verwirklichung dieses Programms zu erreichen. Die Gruppe Frankfurt im Zeire Misrachi und einer ihrer Führer, Julius Rosenbaum, haben einen konkreten Vorschlag in dieser Richtung gemacht und ihn einzelnen Menschen und Gruppen unserer Bewegung zur Diskussion empfohlen. Er enthält viele richtige und beachtenswerte Gedanken und Vorschläge, die, wenn sie durchgeführt werden, geeignet scheinen, einen Aufschwung der Zeire-Misrachi-Bewegung zu ermöglichen. Es handelt sich im Wesentlichen darum, eine Umschichtung im Z.M. herbeizuführen, eine Sonderung der aktiven und inaktiven Kräfte. Die augenblicklich aktiven Chawerim sollen ihre Arbeitskraft nunmehr voll und ganz dem Brüh Hanoar zuwenden, unserer jüngeren Organisation. Nur junge Menschen bis etwa 18 Jahre sind noch beeinflußbar genug, um sie für eine Idee zu erziehen, die, zu Ende gedacht, Anforderungen an den Menschen stellt und den ganzen Einsatz der Persönlichkeit für diese Idee fordert. Für die älteren Chawerim unseres Bundes wird ein anderer Rahmen für die Nutzbarmachung ihrer Kräfte zu schaffen sein. Dies ist der Grundgedanke des Rosenbaum'schen Vorschlags. Die bisherige Arbeit im Z.M. hat daran gelitten, daß man glaubte, zwei Aufgaben erfüllen zu können: Erziehungsgemeinschaft zu sein, und zugleich politische Partei. Eine Analyse der Zustände im jetzigen Z.M. zeigt, daß man sich übernommen hat, wenn man glaubt, beiden Ansprüchen gerecht werden zu können. Weil man beides sein wollte, ist man beides nicht geworden. Vielleicht eher noch politische Partei als Erziehungsgemeinschaft. Und das liegt ganz bestimmt nicht im Sinne derer, die die Schöpfer der Zeire - Misrachi - Bewegung in Deutschland sind und war nicht erstrebt, als Einer unter ihnen (Eugen Michaelis) das Wesen unseres Bundes kennzeichnen wollte durch die schöne und blendende Formulierung: Der Zeire-Misrachi ist eine Erziehungsgemeinschaft mit einem politischen Ziel. Wie gesagt, das politische Ziel haben wir nicht erreicht, und wir sind weit entfernt davon, eine Erziehungsgemeinschaft zusein, was doch mehr in unserer Hand allein liegt. Das uns dieses nicht gelungen ist, dafür sind wir verantwortlich zu machen. Wir glauben allerdings, daß hier schon ein Fehler in der Zielsetzung vorliegt. Demi, um politische Ziele zu erreichen, muß man Wege der Politik gehen. Man braucht eine Partei. Eine Partei aber, will sie erfolgreich sein, muß notgedrungen stark sein, d. h. sie muß über eine gewisse Anzahl von Menschen verfügen, die sich zu ihr bekennen und bei Wahlen für sie stimmen. Da müssen auch Mitläufer willkommen sein — diese aber kann eine Erziehungsgemeinschaft nicht bei sich dulden. - Es soll hier nicht in eine Untersuchung über das diffizile Problem Jugend und Politik eingetreten werden. Es wäre manches für eine politische Erziehung der Jugend anzuführen. Dann aber muß man den Begriff Politik so weit fassen, daß der Kern der Sache nicht getroffen wiird. Gewiß ist der Zionismus eine politische Bewegung, und eine Erziehung, wie sie der Z.M. erstrebt ist ohne Zionismus nicht denkbar und nicht möglich. Aber das was uns Zeire-Misrachisten das Eutscheidende im Zionismus ist oder zumindest sein sollte, ist doch nich Zionismus als Bestrebung einer politischen Partei mit dem Ziel der Errichtung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. Vielmehr ist für ihn Zionismus eine Bewegung, eine Geistcshaltung: um mit Herzl zu reden: Die Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judenland. Und es ist Ueberspitzung eines an sich wohl richtigen Prinzips, daß von führenden Kreisen im Esra, auch von uns politisch nahestehenden, uns diese unsere Zugehörigkeit zur zionistischen Organisation und die Erziehung des Brith-Hanoar zu ihr i n ihrem Rahmen als „politische Erziehung" verübelt wird. Die Bedenken haben aber sofort ihre Berechtigung, wenn das gemeint wird, was die eigentliche politische Arbeit ausmacht. Die Beschäftigung mit allen, möglichen taktischen Fragen, .die frühzeitige Teilnahme an politischen Konferenzen und Tagungen, die notgedrungen die Aneignung und Beherrschung aller kleinlichen politischen Manöver mit ihren häßlichen Nebenerscheinungen und Auswüchsen erfordert und mit sich bringt, ist eine Gefahr sogar für den. älteren Menschen, dessen P e r s ön 1 i c h k e i t s b i 1 d u n g abgeschlossen ist. Bestimmt aber erliegen ihr die meisten jungen Menschen, die zu früh sich an diese Dinge wagen. Der Zeire Misrachi hat schon teueres Lehrgeld gezahlt. Viele seiner bestea Menschen haben sich im politischen Kleinkampf verbraucht und große Einbuße an ihren stark vorhandenen inneren Werten erlitten. Andere haben es nicht soweit kommen lassen. Sie haben bevor sie in den Strudel gezogen wurden, angewidert und verbittert, „rechtzeitig" unsere Rei-