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Zion · 1931-11-01 · 10-11 (11.1931) · p. Seite 96

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
3 (1931)
Issue
10-11 (11.1931)
Date
1931-11-01
Page
Seite 96 (sequence 8)
Language
German
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Seite 96 Z I 0 N Nr. 10 Welt besonders fesselt. Nicht nur unsere Zeirim, die sich bedingungslos der Parole von Thora wa Awodah verschrieben haben, sondern viele Misrachisten, die im bürgerlichen Lager stehen, erstreben für Erez Israel einen Aufbau im Geiste der sozialen Gerechtigkeit, wo die eigene Arbeit und die Ueberwindung früherer egoistischer Ansprüche entscheidend die Struktur des Jischuvv bestimmen werden. Unsere nc-uaufzubauende Organisation ist nicht identisch mit dem Zeire Misrachi und identifiziert sich nicht mit ihrer Idee. Aber ich glaube, daß in unseren Reihen Uebereinstimmung darüber herrscht, daß das Thora wa Awoda-Idcal unserer jungen Chawerim legitime Fortbildung bzw. Interpretation unserer allgemeinen Devise ist, daß wir ihnen eine gute Chance geben und in unserer Politik und unserer grundsätzlichen Haltung für die Verwirklichung uns ernst einsetzen müssen. Auch diejenigen, die an Wirtschaftsformen und der sozialen Struktur der Vergangenheit festhalten, werden eine Erneuerung dieser entscheidenden Lebenssplväre luv unabweisbar halten und das Unrecht von vielen Generationen wieder gut macheu wollen. In Erez-Israel soll ein glucklicheres und freieres, ein auspruchloseres und naturnäheres Leben ermöglicht werden. Das aber erfordert eine neue Auffassung vom Sinn der Arbeit, der Ruhe, des Unternehmen ums und der Arbeiterschaft, von Gewinn und Besitz, vom Individuum und der Gemeinschaft. Um diese Dinge werden wir in unserem Kreise ringen und uns auch mit anderen Kreisen messen. Aber in einem werden wir einig sein: in der Erkenntnis von der Notwendigkeit der Erneuerung des menschlichen Daseins der Wirtschaft und der Gesellschaft und von dem Zwang, mit größtem sittlichen Ernst an die Lösung heranzugehen. Diese ethische Basis stellt die Einheitlichkeit unseres Kreises dar, und so dürfen wir für unsere Organisation schon heute sagen, daß die den Schaffenden, den caia sich nahe fühlt. Wir haben gegen den Zwang gekämpft, der im Politischen im Weltmisrachi in Geltung war. Wir haben die Art bekämpft, in der die große Politik in den Reihen des Misrachi entschieden wurde, und die ungebührliche Ueberbetonung der Kongreß-etc-Politik abgelehnt. Wir werden in diese Fehler nicht verfallen. Es wird keinen Fraktionszwang in unseren Reihen geben. Das besagt, daß wir nicht gewaltsam eine einheitliche politische Linie herbeiführen werden. Die Ueberzeugung und das Gewissen werden bei uns den Einzelnen zu seiner Stellungnahme bringen. Somit ist eine Polymorphie ^ier Meinungen bei uns gewährleistet.Dadurch werden sich die Menschen in unserer Mitte wohl fühlen, und Kongreß und jüdische Welt werden die Ehrlichkeit und von Zwang freie Haltung unserer Gruppe erkennen. Umso stärker wird die Geschlossenheit unseres Kreises in den Kernfragen unseres Programms wirken und als aus Ueberzeugung und nicht Parteidokorin fließende Ueberzeugung gewertet werden. Auf eines wird im Politischen die künftige Führung des deutschen Misrachi mit besonderem erzieherischen Ernst hinarbeiten müssen: indem wir unsere Menschen die Freiheit der Entscheidungen anbeim geben, laden wir ihnen und uns höchste Verantwortung auf. Uiusomehr müssen wir dieses Verantwortungsgefühl stärken und dahin wirken, daß in dieser Schicht nach reiflichster Prüfung die Entscheidungen fallen. Es muß zu Ende sein mit Leichtfertigkeit. Resscninen!. masscnsphvchologischer Unreife und aljen Infanlilisiiien. Der Ernst unserer Aufgabe, diese Fülle der ihr entgegenstehenden Schwierigkeiten, die Bedeutung der stillen, stetigen Arbeit für alles Konstruktive im Zionismus, die Macht - auch in ideologischem Sinne — der Tat . die st'irker ist als das Wort, dem keine Leistung folgt, da* alles muß doch Gemeingut unserer Freunde werden. — Und unser Kampf um die Seelen in der Judenheit, unser Ringen im Dienste der Ucberlielerung muß sich in Formen abspielen, die. was oft in Vergessenheit geraten konnte, andere von der Wahrheit: nyia wnw überzeugt. Man kann für die Thora nicht werben, wenn mau nur entfernt so etwas zuläßt wie: oderint dum nvur.mi (ich kenne kein hebräisches Analogon dafür). Wohl aber ist es uns aufgegeben, vor der Welt zu erscheinen Auch im Kam p f soll nicht vergessen werden, daß jeher Friede die Sehnsucht der Welt, die Verheißung unserer Seher, der Imperativ der Ethik ist. Deshalb bedarf es einer Atmosphäre des Friedens im Zionismus, in der thoratreuen Welt und in Erez-Isracl. Und .auch daran besteht kein Zweifel, daß es uns Juden wohl ansteht, Friedensbringer zu sein, uns und der Welt, nicht zuletzt denen, mit welchen das Schicksal uns eng zusammenführt. Wir werden für unseren Teil daran mitwirken, daß die ortodoxe jüdische Welt den Weg zur Einheit, zum gemeinschaftlichen Werke für Erez Israel findet. Nicht alles ist vielleicht hier gesagt worden. Aber wir stehen am Anfang, und wenig ist oft mehr als viel. Wenn bald die festgeschlossenen Reihen des -deutschen Misrachi zur Tat schreiten, dann möge Segen über unserer Arbeit ruhen.

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