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Zion · 1931-11-01 · 10-11 (11.1931) · p. Seite 94

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
3 (1931)
Issue
10-11 (11.1931)
Date
1931-11-01
Page
Seite 94 (sequence 6)
Language
German
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Seite 94 Z I 0 N Nr. 10 Entwicklung erkannten, sahen in der zionistischen Losung eine Verheißung auch für die religiösen Aufgalwn. In die zionistischen Reihen stellen sich die Männer, die die kulturelle Funktion nicht vom nationalen Substrat losgelöst denken können und deshalb mit großer Anteilnahme das Geschick des Volkskörpers verfolgen. Man kann vielleicht sagen, daß Männer wie Reines, seine Vorgänger, Mitstreiter und unmittelbaren Nachfolger der Eigenart des jüdischen Wesens und Weges am meisten gerecht wurden, indem sie sich ganz in die Geschichte hineinstellten, aber doch nicht auf das verzichteten, was über den historischen Rahmen hin- ausführt: auf die große messianische Erwartung. Wie weit den ersten Führern des Misrachi alles geschichtphilosophisch klar war, mag dahingestellt bleiben. Die Richtung auf den Messianismus und insbesondere die Verknüpfung des Zionismus mit der Zeit der D*o»n nnnx war keine Gleichsetzung. Wohl aber war wohl in diesen Männern die Vorstellung lebendig, daß die zionistische Tat eine Vorbedingung und ihr Werk das Vorstadium einer Daseinsstufe ist, die prinzipiell über alle Vergangenheit hinausführt. So gewertet erhält die historische Phase, die durch unsere Bewegung gekennzeichnet wird, gerade für die religiöse Judenheit, die ihr Schicksal mit der Thora verknüpf), ihre hohe Bedeutung. Der Zionismus hat Menschen und Gruppen zur Zusammenarbeit geführt, die in Vielem und Wesentlichen differieren. Manche haben, in der Bewegung stellend, erst später erkannt. daf5 Differenzierung nötig ist um des Zionismus willen aus subjektiver Einstellung — oder um anderer Komplexe willen, die nach Ansicht einzelner oder vieler mit dem Zionismus verbunden werden müssen. Die religiösen und sozialen Probleme meldeten sich zum Wort, zuletzt sogar nicht jedes für sich sondern auch zusammengefaßt. Und die dreieinhalb Jahrzehnte der Zionistischen Organisation küden neben den bedeutenden Versuchen, die Judenheit durch Werbung zu gewinnen, die Organisation groß zu inachen und vor allem Erez Jisrael aufzubauen, von den Kämpfen um die Seele der Juden. Die Spannungen, die auf den oben erwähnten Gebieten unserer Bewegung herrschten, sind außerordentlich stark, und jedenfalls für das Gebiet der religiöstraditionellen Kultur, im Weltanschaulichen, und in der Lebensgestaltung, ist wenig geschehen, um die Spannung zu mildern. Ja, mancher wird meinen, daß kein ernster Versuch unternommen und zielbewußt durchgeführt wurde, um in dem Werk der jüdischen Renaissance die große Tradition zu verankern. Hier setzt unsere Aufgabe ein, die wir unzufrieden mit dem bisher Geleisteten sind und nun aus mancherlei Gründen die Reihen des Weltmisrachi verlassen haben. Am Anfang war die große Aufgabe des Misrachi in Umrissen manchem klar. Wie so oft hielt sich die Epigonenschar nicht auf der Höhe. Ideen büßen beim Uebergang zur Realisierung an Glanz ein. Ist dieser Prozeß normal, so müßte doch im Laufe der Zeiten der Zuwachs an Verwirklichung deutlich machen, daß es sich bei diesem Prozeß nicht um E n twertung, sondern U m Wertung handelt; die Summation oder die Integration der Leistungen in der Praxis müßte wieder an die Höhe der ursprünglichen Vorstellung heranreichen. Es gab im Laufe misrachistischer Geschichte immer wieder Menschen, die aus eigenem die Partei auf den Weg der Größe hätten führen können. Nobel, Kowalski, Glaßner und Schmelkes h"3t ich habe bewußt nur Heimgegangene genannt — so verschieden sie als ausgeprägte Individualitäten auf Grund verschiedener Anlage und verschiedenen Werdegangs waren, hatten die Gabe und wohl auch den Drang, Einfluß zu nehmen und zu gestalten, aber eine tragische Verkettung von Widerstünden und zu frühem Heimgang ließ keinen zu führender Rolle gelangen. Wir wissen, wie mancher von ihnen verärgert abseits stand. Mit den genannten Männern teilen wir die Meinung, daß gerade die Grundkonzeption des Misrachi jeden Scheinerfolg verpönen, jede Bevorzugung taktischer Momente perhorresziereu müßte. Je tiefer und schwerer der thoratreue Zionismus seine Aufgaben erfaßt, je mehr er Pseudosiege ablehnt und äußeren Gewinnen aus dem Wege geht, um so näher ist er seiner Bestimmung. Er hat für seinen Kreis und für die Gesamtheit alles zu schaffen, was die Tradition für das Leben verlangt. Aber das ist nur die leichtere Aufgabe. Historische Bedeutung würde er erst erringen, wenn er für jede Epoche von der Ueberlieferung her eine Antwort geben könnte, die selbst von Fernstehenden als ein schöpferisches Wort empfunden würde. In jeder Epoche könnte gerade von unserer Gruppe aus eine Sinngebung erfolgen, die Uebergeschichtliches, also Ewiges, in die richtige Relation zu Geschichtlichem setzt. Uns sind die Aufgaben nicht allein überantwortet; andere haben gleichfalls ihre Meinung dazu. Aber man wird es verstehen, daß Vertreter des Judentums der Halacha, dieser sehr konstanten und durch lange Zeit beherrschenden Erscheinung, verpflichtet — und zuweilen berufen — sind sich klar zu orientieren.

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