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Zion · 1931-10-01 · 8-9 (10.1931) · p. Seite 82

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
3 (1931)
Issue
8-9 (10.1931)
Date
1931-10-01
Page
Seite 82 (sequence 8)
Language
German
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Seite 82 Z T 0 N Nr. 8/9 Schaft zu kompensieren: aber alle Gegenwirkungen gegen die Krisis sind Versuche von Zwergen, die sich an ein Werk machen, das Titanen erfordert. In diesem Inferno ist das Los des jüdischen Volkes besonders erschütternd. Nach den zu schnell in Vergessenheit ge.raten.'n Jahren des Schrecken* in der Ukraine, nach dem furchtbaren Substanzverlust in Sowjetrußland, kommt die Reihe an andere Landsmannschaften. Unter den Depossedierten, ihrer. Wirtschaftsbasis beraubten, stellen die Juden verhältnismäßig das größte Kontingent. Das Los der Juden ist besonders grausam. Der langsamen Verarmung in Polen stellt sich die plötzliche Pauperisierung in Deutschland an die Seite. Mit der Arbeit ist auch das Selbstbewußtsein, der Sinn und die Gebefreudigkeit für soziale und kulturelle Zwecke stark zurückgegangen, wir sind in eine Phase der Liquidation eingetreten, deren Tempo stellenweise durch Tendenzen beschleunigt wird, die eine Einschränkung jüdischen Lebens und Lebenswillens, seine. Begrenzung auf enge Gebiete und seine Reduktion auf musealen Charakter längst ersehnt haben und nun in der Not einen — gewiß nicht herbeigesehnten — Bundesgenossen erhalten. (Hierher gehört etwa die liberale Herrschaft in der Berliner Jüdischen Gemeinde.) Man darf ohne Ueberhebung und Selbstgerechtigkeit sagen, daß die Zionisten am wenigsten bereit sind, sich in ihren Erkenntnissen, Ueberzeugungen und Zielen wankend machen zu lassen. Allen Differenzen zum Trotz ist in der Zionistischen Organisation ein mächtiger Lebenswille angebrochen, die Heimat aufzubauen, das Volk zu verjüngen und den nationalen Schaffungsprozeß erneut beginnen zu lassen. Es entspricht dem historischen Logos, daß gerade jetzt alle, denen es ernst ist, um die Zukunft des jüdischen Volkes, im zionistischen Lösungsversuch das einzige Mittel der Erhaltung und Selbstbehauptung sehen, wo die prinzipielle Insuffienz der Galuthexistenz durch zahlreiche Beispiele evident geworden. ist. Auch wir Zionisten ringen schwer mit den Widerständen der Wirtschaftsnot. Die geldlichen Mittel, die der Aufbau Erez-Israels erheischt, sind noch schwerer als bisher zu beschaffen, und darüber hinaus sind auch unsere Menschen Gefangene der Krise und viele nicht so wie ehedem zu frohem und deshalb ergiebigem Arbeiten für unsere Sache innerlich imstande. Aber zweifellos kommt ihnen die Gegenwart wie eine Bestätigung früherer theoretischer Einsichten \or, und deshalb werden sie ihre Pflichten verstehen und erfüllen. Möchte doch über den Kreis der begeisterten Zionisten hinaus die Erkenntnis reifen, daß wir nicht an Wert eingebüßt haben, weil wir arm geworden sind. Was schon die: Selbstachtung gebietet, erfordert gewiß der uns aufgenötigte Kampf ums Dasein. Wir müssen begreifen, daß weder unsere Bestimmung noch unsere Stärke und Würde im Reichtum und Besitz lag. Eine Nation wie die jüdische mit ihren ungeheuren moralischen und geistigen Reserven, mit ihrem unverlierbaren Schatz an kulturellen Gütern und ihrem jugendirischen Zukunftsglutiben kann sehr viel an materiellem Besitz einbüßen, ohne arm zu werden, arm ist sie erst, wenn sie sich aufzugeben beginnt, wenn sie an sich zweifelt und ihrem Gott. Das jüdische Volk kann auch die Kraftprobe der außerordentlichen Schrumpfung unseres nationalen Vermögens bestehen, wenn die inneren Werte der religiösen Lehre und des Gesetzes uns gegenwärtig sind. Nie war es letzter Sinn dieser Lehre in Sattheit zu kulminieren. Wir wünschen gewiß, daß jüdische Existenzen wieder aufgerichtet werden und unsere Kraft sich wieder regeneriert. Aber uns wesentlichere Aufgaben dulden keinen Aufschub und müssen auch jetzt fortgeführt werden. Die Not zwingt zur Verinnerliehting und zur Mobilisierung bisher latenter, ungehobener Kräfte unserer Seele. Geben wir der Welt ein Beispiel, was ein Volk in seiner Not zu vollbringen vermag, und spornen wir Zionisten die übrige Judcnheit an, aktiv zu bleiben. Sparsam wird man sein müssen, aber keine lebenswichtige jüdische Arbeit darf suspendiert werden. Alle zionistischen Fonds bedürfen weiter und in erhöhtem Maße der Speisung. Der deutsche Misrachi erwartet auch, daß seine Freunde seine Arbeit aufrecht erhallen. Seid in diesem schwersten Winter bei uns! Wenn wir uns in den Dienst des Volkes stellen, dann wird auch der Segen nicht fehlen. iay n« 'n tena' n"? o. Das Debüt. E. R. J. Davidson, Haag (Vorbemerkung d. Redaktion). Diese Ausführungen unseres holländischen Freundes sind bei uns vor dem Beschluß des Austritts eingetroffen. Nachdem er vollzogen ist. liegt uns nichts daran dem Merkas des Misrachi etwas vorzuwerfen, stellen aber unseren holländischen Freunden die Spalten unsere-, Organs gern zur Verfügung. Wir schließen damit die Diskussion über diesen Punkt. Ein ausführliches Rundschreiben des Merkas Olami an die Mitglieder des Waad Haroschi und an die Zentralen der Landesverbände ist erschienen. Dem ersten Abschnitt zufolge ist es aufzufassen als ein Bericht über die W'ida Olamith und über den Zionistenkongreß, soweit er den Misrachi als solchen angeht. Es spricht viel vom Ernst der Zeit, über die finanzielle Lage und über die Verfehlungen der Landsmannschaften, über den wichtigen Anteil, den der Misrachi am Zionistenkongreß gehabt hat. Es wäre sehr viel zu sagen über bestimmte Tatsachen

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