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Zion · 1931-03-01 · 3 (3.1931) · p. Seite 30

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Journal
Zion
Volume
3 (1931)
Issue
3 (3.1931)
Date
1931-03-01
Page
Seite 30 (sequence 12)
Language
German
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Seit« 30 Z I 0 N Nr. 3 ständige Neuschöpfung des Misrachi als vorbedachter Plan ist nötig. Form und Inhalt beim Misrachi bedürfen der Revision. Um eine Erneuerung des Misrachi anzubahnen, sollte man einen ,.B u n d der Thora-Zionisten'* schaffen, dem etwa folgendes Programm zugrunde liegen müßte. Das Gesetz der Thor« als der am Sinai geoffenbarten Verfassung des jüdischen Volkes muß in allen jüdischen Kreisen verbreitet werden und im Leben Erez-Israels sich durchsetzen. Der „Bund der Thora-Zionisten" empfindet sich als reine Kulturorganisation und überläßt daher seinen Anhängern in politischen Fragen Freiheit der Entscheidung. Der Bund ist der zionistischen Organisation und der Jewish Agency angeschlossen und wirkt auch in diesen Kreisen für die Durchsetzung seiner Ziele. Die Gründung eines derartigen Bundes würde große wertvolle Kreise thoratreuer Zionisten innerhalb und außerhalb unseres Landes an sich ziehen, die unter den heutigen Verhältnissen sich dem Misrachi nicht anschließen, weil sie sich mit seinen offiziellen Vertretern nicht identifzieren wollen. Von hier aus wäre eine innere und äußere Sanierung des Misrachi denkbar. Die Redaktion des „Zion" deckt sich nicht restlos mit der in diesem Briefe gegebenen Anregung. Sie scheint uns aber, besonders da sie von Erez-Israel aus gemacht wird, als durchaus beachtlich, jedenfalls ist sie ein Symptom für die Stimmung, die auch in Erez-Israel den leitenden Stellen des Misrachi gegenüber herrscht. Anläßlich der Tagung der neugewählten Assefath Haniwcharim hatte Oberrabbiner Kook ein Begrüßungsschreiben an die Versammlung gerichtet. Unverantwortliche Pamphletisten nahmen diese Begrüßung zum Anlaß, den ehrwürdigen Raw Kook in schmachvollster und gehässigster Weise anzugreifen. Hierüber schreibt der „Haarez": In den Straßen Jerusalems wurden Flugblätter verteilt, die sich in Schmähungen und Lästerungen gegen den Oberrabbiner Kook ausließen. Schmähungen wie sie aus dem Munde anständiger Menschen nicht zu kommen pflegen, erst recht also nicht gelehrte Männer zu ihren Urhebern haben sollten. Das ist aber nicht ein Problem, das nur die Einzelnen betrifft, die in Jeruscholaim sitzen und die so etwas tun, sondern hier erhebt sich die Frage der Verantwortung. Wer ist hierfür verantwortlich? Es ist klar, daß die Aguda die Verantwortung hierfür trägt, ob sie von den Uebeltätern abrücken mag oder nicht. Sie sind dafür verantwortlich, wenn sie nicht die Verfasser dieser Schriften aus ihren Reihen ausschließen. Und besonders an die Führer der Aguda in Deutschland und Polen ergeht die Frage: Warum wehrt Ihr Euch nicht dagegen? Ihr, Gerer Rebbe, Jakob Rosenheim, Dr. Esra Münk und Dr. Auerbach? Macht Ihr Euch nicht durch Euer Schweigen mitschuldig? Und fühlt sich Eure jüdische und weltliche Kultur nicht durch ein solches Verhalten geschädigt? Verantwortlich sind auch diie Leiter der Jeschiwoth und die Rabbanim in Jeruscholaim, die, wie es der Fall war, für ein solches Verhalten nur die Worte übrig haben: „Wer kann mit solchen Einzelnen rechnen". Dies alles jedoch ist nur der zufällige Ausdruck für eine permanente Erscheinung. Die Golah soll erfahren, welches das Niveau ist, auf welchem hier ein politischer Kampf geführt wird, wie von dieser Seite über Religion und andere Ansichten diskutiert wird. Sie sind doch aus der Gemeinde ausgetreten, — was also treiben sie Propaganda bei den Wahlen zu Gemeinden, die sie ablehnen. Was gehen sie die Rabbinen an, die sie nicht anerkennen. Verantwortlich ist schließlich auch der Waad Leumi, der nicht gehörig einschritt und nicht gehörig Lärm machte gegen dieses Verhalten, um so die wahre Meinung des Kahal in Palästina wiederzugeben. Die Führer der orthodoxen Judenheit in Amerika und der übrigen Welt jedoch sollten es sich überlegen, ob sie eine Mizwoh damit erfüllen, wenn sie Institutionen von zänkerischen Eigenbrödlern unterhalten, die das Ansehen der Thora nur untergraben. Im Verlauf der Tagung der Assefath Hanichcharim ereignete sich ein Zwischenfall, der keineswegs geeignet ist, das Ansehen dieser Körperschaft in der jüdischen Welt zu heben. Im Anschluß an ein Referat Rabbi Ostrowskis über die Organisation lokaler jüdischer Gemeinden in Erez- Israel wurden namens des linken Flügels der Versammlung die Forderung aufgestellt, die Befriedigung der religiösen Bedürfnisse aus dem Arbeitsprogramm der Knesseth Israel auszuschalten. Die Vertreter des Misrachi forderten, daß der Waad Leumi Vorkehrungen gegen jede Verletzung des religiösen Empfindens treffen müsse. In der sich hieran anknüpfenden Debatte fielen von dem extremen Linken Poale Zion E r e m die eine allgemeine Entrüstung hervorrufenden Worte: „Meine Religion besteht darin, die Religion zu bekämpfen, darum bewundere ich Moskau". Nach diesen Worten entstand ein stürmisches Durcheinander. Rufe wurden laut: „Gehen Sie doch nach Moskau!" und nur mit Mühe konnte die Ordnung wieder hergestellt werden. Raw Kook veröffentlichte in der palästinensischen Presse eine Erklärung, in der er gegen diesen Vorfall auf das schärfste protestiert und die Forderung erhebt, der Waad Leumi möge durch besondere Bestimmungen dafür sorgen, daß in Zukunft solche kämpferischen Entgleisungen unterbleiben. Es sei notwendig, mit vereinten Kräften die zurzeit herrschende Krise in Erez-Israel zu

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