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Zion · 1931-03-01 · 3 (3.1931) · p. Seite 27

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Journal
Zion
Volume
3 (1931)
Issue
3 (3.1931)
Date
1931-03-01
Page
Seite 27 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 3 Z I 0 N Seite 27 adäquat empfunden wird. Diese Paradoxie bildet das Gegenstück zu jener anderen, die uns Träger der Religion zeigt, welche des religiösen Motors in der Seele ermangeln. In diesem Fall ist das Objekt gewählt, aber nicht von den spezifischen Kräften gelenkt. Mir scheint die Hoffnung nicht zu kühn, daß die großen seelischen Potenzen, die nicht wenigen Zionisten eigen, sie entweder dem eigensten Gebiete der jüdischen Religion nahebringen oder das Arbeitsgebiet des Zionismus in eine Sphäre religiöser Weihe erheben werden. Dann wird der Zionismus dort angelangt sein, wo viele ihn sehen möchten. Die Wahrnehmung solcher Religiosität ohne Religion s. str. und die Ergriffenheit durch diese seelische Vitalität hat viele schlichte, fromme Juden, besonders zu Beginn der zionistischen Arbeit, der Bewegung nahegebracht und uns in ihr festgehalten. Wenn auch heute die traditionstreu eingestellten Zionisten anderes anstreben und anders des Volkes Sendung bewerten als die DnD -Zionisten, so ist doch durch die Dynamik der Bewegung soviel Gleichtakt zwischen beiden Gruppen erzeugt, daß wir einen langen gemeinsamen Weg vor uns sehen, selbst wenn später die Wege sich trennen müßten, obgleich vielleicht die gemeinsame Wanderung diese Spaltung unmöglich machen könnte, wenn unsere Ueberlieferung sich wieder durchsetzt. Religiöse Kräfte im Politischen und Adlung der politischen Sphäre •— das hat der Zionismus als existent dargetan und dadurch mehr für den Sieg des Religiösen getan als der Liberalismus. Aber auch der objektiven Seite muß gedacht werden. Hier erweist sich, wie bedeutsam religionsphilosophisch und in jeder jüdischen Ideologie der Messianismus ist. Der Zionismus kann da gleichsam als politische Seite des Messianismus gelten (siehe hierzu Dubnow, Weltgeschichte des jüdischen Volkes, X.). Die orthodoxe Auflassung kommt am besten durch den Begriff D»avn nnnx — ein grenzhistorischer Begriff — zum Ausdruck. Er entbehrt durchaus nicht der politischen Note, auch mit Rücksicht auf das Schicksal der jüdischen Nation. Hier ergibt sich eine grundsätzliche Nähe zum Zionismus, die dem Liberalismus fehlt, weil dieser nur die Sendung des Judentums für die Menschheit unter Ausschaltung seiner eigenen Ziele und Schicksale erkennt. Gesehen vom Ende der Zeilen her hat sich der Zionismus das politische Moment des Messianismus zu eigen gemacht. Es kommt hier nicht auf empirische Verwirklichungen und Phänomene an. Zur Wesensgeschichte des Zionismus gehört ohne Frage A c h a d Haams Auffassung, die man nicht bis in die aktuellen Dinge hinein sich zu eigen machen muß, um das Recht zur Teilnahme an wesentlichen Punkten seines Gedankensystems zu erwerben. Daß die Sammlung vieler Juden in Erez-Israel nur Stufe zu höheren Stufen sein soll, daß das Heil Israels nicht von den Diplomaten, sondern von den Propheten kommen werde, bringt das Werk auch objektiv in das Bereich religiös-getränkten Wirkens. Die geringe Bedeutung der liberalreligiösen Gruppe im Zionismus, die im Vortrag ausführlich behandelt wurde, soll heute nicht in extenso behandelt werden, ebensowenig wie die Rolle des Misrachi und des Hapoel-Misrachi, die als legidme Auswirkung des authochtonen jüdLchreligi 'sen Geistes (von den traurigen Verirruugen von Teilen der Organisation in letzter Zeit soll heute nicht die Rede sein) erkannt werden. Wohl aber muß ausdrücklich gesagt werden, daß die zionistische Arbeiterbewegung einen gewaltigen Beitrag zur Erhebung des Werkes in die Höhe der Religion leistet durch Hingebung der Menschen, durch Einbeziehung der sozialen Postulate in das nationale Renaissancewelk. Auch hier wird objektivmancher Baustein zur religiösen Verwirklichung beigetragen, und werden subjektiv die Herzen für die Welt des Religiösen vorbereitet. Im Brith-Schalom i>t die religiöse Tendenz nicht zu verkennen, aber er geht an der Problematik vorbei, die die Politik aufgibt und die mit dem stark individualistisch gefärbten religiösen Charakter der Bewegung nicht in Einklang zu bringen ist. So sehen wir. daß im Zionismus religiöse Kräfte in seinen verschiedenen Richtungen in die Erscheinung treten, ja sogar, daß der Zionismus als solcher als religiöse Bewegung zu werten ist. Chinuch Habajith in Gehringshof, Am Sonntag, dem 15. März, fand die offizielle Einweihungsfeier des jüdischen Lehrgutes Gehringshof statt. An der Feierlichkeit nahmen außer etwa 35 Chawerim des Brith Chaluzim Datiim ungefähr 50 Freunde des Lehrgutes aus Fulda. Frankfurt und Köln teil. In Vertretung des Regienmgspräsidenlen von Kassel wohnte der Landrat des Kreises Fulda, Freiherr von Gagern. der Feier bei. Im Auftrage des Kuratoriums des Lehrgutes leitete Herr Alexander Adler den Festakt. In seiner die Gäste begrüßenden Ansprache wies er auf den hohen Wert hin. den das jüdische Gesetz der körperlichen Arbeil beimißt. Durch die Verbindung von Thora, Awodah und Erez-Israel würden die hier ausgebildeten Chaluzim ein Wesentliches mit beitragen können zu der Regeneration des jüdischen Volkes, an der Wiederbelebung jüdischen Geistes. Gehringshof soll eine Pflanzstätte echten Judentunis werden, in seinem Geiste wünschen wir hier Pioniere der Arbeit zu erziehen. Der Herr Landrat von Gagern drückte die besten Wünsche des Regierungspräsidenten für das Gut aus. Die Re-

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