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Zion · 1931-03-01 · 3 (3.1931) · p. Seite 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
3 (1931)
Issue
3 (3.1931)
Date
1931-03-01
Page
Seite 26 (sequence 8)
Language
German
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Seite 26 Z 1 0 N Nr. 3 eine geistige Bewegung ist — und unvereinbar mit ihren Grundlagen und Zielen erscheint mir der Ungeist einer ecclesia militans im allzuwahrsten Sinne des Wortes, der immer mehr um sich greift und schon Besitz ergriffen hat von denen, die wir zu unseren Besten, zu den wahren Vertretern der Idee des Misrachi rechneten. ' Es kann hier nicht auf Einzelheiten eingegangen werden und nicht auf Kleinigkeiten und Kleinlichkeiten des Tages — sie sind zur Genüge bekannt und fast jede Aeußerung bringt neuen Grund zur Klage und Anklage. Hier soll nur die Gesamtbilanz gezogen werden. Nach dem Terror innerhalb der Fraktion, der Chauvinismus und das Starke-Mann-Spiel in der großen Politik — nach jahrelangem Verhalten, dessen einzige Konsequenz nur allzuoft die Inkonsequenz war, die Unentwegtheit die Opposition um jeden Preis, und ein „non possumus" in dem Augenblick, der schärfste Konzentralion und Geschlossenheit der Gesamtbewegung forderte. Es ist richtig: die Krisis ist nicht nur eine politische und wirtschaftliche, auch ich sehe sie überall, und ich befinde mich diesmal in weitgehender Uebereinstimmung mit Ernst Simon. Auch den Gedankengängen und dem Ziel — nicht immer dem Weg — des Führers der deutschen Zeirim kann ich im großen und ganzen folgen. Der Misrachi steht am Scheideweg. Auch wir wünschen den Frieden, auch wir wollen einen starken Misrachi innerhalb des Gesamtzionismus. Und deshalb nehmen wir den Warnungsruf unseres Freundes Dr. Grünberg auf — er ergehl nur nach einer anderen Richtung. Und nvnn *b \wx ijnjS Max K o b e r. RellgiöseStrömungen im Zionismus Von Dr. Oskar Wolfs b erg. Vo r bemerk ung: Auf Wunsch der Redaktion des .,Zion4i bringe ich einen Vortrag zu Papier, den ich kürzlich in der Berliner Misrachigruppe gehalten habe. Ich bitte die Leser um Nachsicht — diese Skizze ist auf der Reise nach Erez-Israel auf der Dampferfahrt zwischen Triest und Brindisi niedergeschrieben und kann deshalb in jeder Hinsicht nur flüchtig sein. Dieser kurze Aufsatz will nicht von der Bewegung im Zionismus handeln, die programmatisch sich als religiös bezeichnet. Auch die liberal-religiöse Gruppe, die es im Zionismus gibt, ist nicht eigentlich Gegenstand der Betrachtung. Hier soll vielmehr vor Eintritt in die Erörterung des Themas selbst, die Vorfrage gestellt werden, ob es überhaupt Strömungen religiösen Charakters im Zionismus gibt, und darüber hinaus, ob dem Zionismus als solchem religiöse Kraft und Werte innewohnen, die des Zionismus schöpferische Kraft auch außerhalb seiner eigentlichen politischen Sphäre erweisen und damit die Wirksamkeit der Heterogenie der Zwecke auch hier dartun. Viele leugnen diese Kraft des Zionismus und stellen jegliche religiöse Bedeutung und Schöpferkraft bei ihm in Abrede. Mit besonderer Heftigkeit war stets der offizielle Liberalismus bestrebt, alle religiöse Wirksamkeit zu monopolisieren und den Zionismus als säkularisierende Bewegung und in religiöser Hinsicht sterile Bestrebung zu diffamieren. Selbst Hermann Cohen, der im Laufe seines an Leistung und auch an Wandlung (in jüdischer Hinsicht) reichen Lebens in seinen letzten Jahren im Religionsphilosophischen eine gewisse Annäherung an die Begriffswelt des jüdischen Nationalismus vollzog, lehnt in allen konkreten Fällen den Zionismus mit äußerster Heftigkeit ab. Der Anspruch des Zionismus, das jüdische Volk als Nation zu aktivieren und wieder zum Subjekt der Geschichte zu erheben, stieß auf den entschiedensten Widerstand bei allen Liberalen, die Cohens Konzeption des Messianismus sich zu eigen machten, ohne ihm dort zu folgen, wo er selbst dem klassischen Liberalismus (ungewollt) den Rücken gekehrt und sich sowohl der traditionellen wie der nationalen Anschauung nicht unbeträchtlich genähert hatte. (In Cohen hat die liberale Ideologie den Höhepunkt erreicht aber auch überschritten.) Auch die Orthodoxie lehnt die religiöse Bedeutung des Zionismus ab, — gemeint ist natürlich die kämpferische unabhängige Orthodoxie —, wie sie ja überhaupt jeder Erscheinung nichtorthodoxeu Charakters das Daseinsrecht abstreitet. Das hier zur Erörterung stehende Problem hat zwei Seiten. Die eine möchte ich als die subjektive bezeichnen. Wir erblicken im Zionismus religiöse Kräfte am Werke, unabhängig von der Ueberzeugung, die viele Träger des Zionismus in sich tragen, Männer und Gruppen, die sich vielfach als Wegbereiter der Säkularisierung fühlen. Wir lassen uns nicht das Recht rauben, den Sinn des Werdens anders zu deuten und zu vermuten, daß der Logos der Geschichte anderes beabsichtigt als die ephemeren Wortführer, die. für die Bewegung von hoher Bedeutung, das Paiästinawerk stark fördern, aber dennoch die übergreifende Tendenz einer geschichtlichen Evolution verkörpern. Wir sehen, daß wesentliche Züge religiösen Erlebens und Wirkens sich in den Herzen und Köpfen der opferbereiten Zionisten wiederfinden. Man kann mit Blumenfeld den Zionismus mit zu den verkappten Religionen zählen, um ein Wort eines modernen Autors zu zitieren. Die seltsame Situation ergibt sich, daß Menschen von religiösen Kräften oder Antrieben religiöser 'Innigkeit, Kraft und Dignität erfüllt sind, die sich nicht dem religiösen Kreis zugehörig fühlen und diese Kräfte einem Gegenstande widmen, der allgemein als nicht

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