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Zion · 1931-01-01 · 1-2 (1.1931) · p. Seite 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
3 (1931)
Issue
1-2 (1.1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 13 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 1/2 Z I 0 N Seite 13 So stellt sich die Bilanz des palästinensischen Gesamtmisrachi recht ernsthaft dar. Er erscheint a!s eine finanziell ungeordnete, organisatorisch schlecht geleitete Bewegung, die politisch, dogmatisch und pädagogisch so wie vor allem wirtschaftlich, bewußt oder tatsächlich, aber jedenfalls eindeutig reaktionär ist. Bleibt sie. wie sie ist. so wird die nächste Generation zu einem erschreckend hohen Prozentsatz der jüdischen Tradition endgültig verloren sein. II. Dies ist die Diagnose. Sie glaubt die vorhandenen Talsachen zu kennen und unter möglichster Objektivität zu würdigen. Dabei muß klar sein, daß die wertende Bezeichnung als ..reaktionär" und die gestellte Prognose in bezug auf die palästinensische Jugend naturgemäß weit stärker als die Mitteilung der Tatsachen von subjektive n V'o r Aussetzungen ausgehen. Diese dürfen nun bei den folgenden Genesungsvorschlägen offen in den Vordergrund treten. Die Kritik des deutschen Misrachi an der Organisation, wie sie in Anträgen. Beschlüssen und Artikeln zum Ausdruck kam. läßt nur eine Seite des Problems genügend in den Vordergrand treten: die finanzielle und verwaltungslechnische. Ihre befriedigende Lösung ist freilich die Voraussetzung für alles andere, aber sie ist kein Ziel. D,.\s Ziel müßte vielmehr eine wirklich durchgreifende ,.Reform an Haupt und Gliedern'- sein. Deren Programm hätte sich auf die vier Punkte: Finanzen und O r g a n i s a t i o n, z i o n i s t i s e h c P o 1 i t i k, Sozialpolitik und K u 1 t u r p o 1 i I i k zu erstrecken. Die Frage der Finanzen und der Organisation ist nicht allein, aber zu einem wesentlichen Teile eine Menschenfrage. Es müssen eine genügende Anzahl von Anhängern des radikalen Sanierungsprogrammes bereit sein, in die Weltleitung des Misrachi einzutreten. Geeignete Menschen sind vorhanden: ich könnte sie namhaft machen. Ihr offen bekundeter Entschluß, die Leitung zu übernehmen, bedeutete zugleich eine wesentliche Chance, auf der nächsten Weltkonferenz die Mehrheit zu erringen. Ohne diese Bereitschaft bleibt aber auch die errungene Mehrheit praktisch völlig bedeutungslos. Zionistische Politik: der Misrachi muß sich mit aller Energie von dem revisionistischen Einfluß frei machen, der heute seine wesentlichsten Wortführer sowohl in Palästina wie in Polen bestimmt. Das Auftreten Rabbi Brods auf der Berliner Aktionskomiteesitzung gegen Weizmann, die Haltung zahlreicher Misrachidelegierter in London, die Sprache, die Raw Berlin und Farbstein führen, all dies und vieles andere machen heute die Partei zu einem Anhängsel der revisionistischen Politik. Dies mag bei der augenblicklichen Konstellation zunächst zu gewissen taktischen Erfolgen führen: es wird auf die Dauer einen weiteren politischen, moralischen und religiösen Rückgang der Organisation bedeuten. Sozialpolitisch muß sich ein Kern herausarbeiten, der entschlossen links steht. Die soziale Frage ist die Kernfrage unserer Zeit. Leberall und auch in Palästina. Niemand kann in ihr neutral bleiben. Wer es scheinbar ist. hat in Wirklichkeit für rechts optiert. Er hat damit, in unserem Falle, die Thora mit den Kräften einer untergehenden Welt verbunden statt mit denen der kommenden. Das kulturpolitische Problem liegt in der Richtung einer entschlossenen Entdogmatisierung des traditionellen Judentums. Die Denkanstöße Europas müssen offen und frei, nicht erst nach vorhergegangener Kastrierimg, die übrigens undurchführbar ist. aufgenommen werden. Dabei wird natürlich nicht nur ihr statischer Inhalt, sondern auch ihre dvnamische Kraft wirksam werden: ein toter Glaube an die Wahrheit des Judentums wird das auf sich nehmen können, wie einst Maimoivdes es auf sieh genommen hat. Ich bin mir wohl bewußt, daß diese Aeußerungen kein Programm, sondern nur programmatische Thesen geben. Diese aber sind deutlich und in ihrer Formulierung bewußt frei von der augurenhaften Kompliziertheit, mit der man, aus Furcht vor der Orthodoxie, diese Dinge sonst zu bereden pflegt. Rs hilft uns nichts: wir müssen endlich deutlich sein. Eine schwierigere Frage ist, ob sich eine aklionsfähige Gruppe um alle vier Punkte dieses Programms vereinigen läßt. Ich fürchte beinahe, daß die Beschränkung der deutschen Reformvorschläge auf den finanziell-technischen Punkt kein Zufall ist. sondern der Ausdruck dafür, daß nur darin Einigkeit herrscht. Wie dem ist, wird die Diskussion über diese Zeilen lehren. Palästinensische Presseschau. Für den Sabbath. Die letzten Monate haben aus verschiedenen Anlässen eine erneute Diskussion der Sabbathfrage gebracht. Den ersten Anstoß gab wohl B i a 1 i k, der in einer öffentlichen Rede, die von der Presse

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