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Zion · 1931-01-01 · 1-2 (1.1931) · p. Seite 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
3 (1931)
Issue
1-2 (1.1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 12 (sequence 14)
Language
German
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Seite 12 Z I 0 N Nr. 1/2 tionen hantierende Vorgehen des Hapoel Hamisrachi zu dessen Gunsten entschieden, wobei fraglieh bleibt, ob dieser Sieg nicht ein Pyrrhussieg genannt werden muß. Die Chawerim bleiben zwar auf »dein Boden, den sie einst eigenmächtig besetzt haben und auf dem sie dann durch den letzten Kongreß bestätigt wurden: ob sie sich dort aber noch die vermutlich sehr lange Warte- und Leidenszeit bis zur endgülligen Ansiedlung hin werden halten können oder, wie schon bisher, einzeln immer mehr abbröckeln, bleibt abzuwarten. Der einzige Lichtpunkt ist. wenigstens relativ gesehen, der Kibbuz Rodges oder, wie man nach seinen neuesten Entschließungen sagen muß, die K w u z a R o d g e s. Nach langen und ernsten Debatten, in denen auch die zur/eil noch in Ausbildung befindlichen Chawerim ihre Ansicht kundgeben konnten, ist die Frage der Form des vorläufigen Zusammenlebens nun im Sinne der Kwuza entschieden worden, ohne daß damit schon eine endgültige Festlegung für die spätere Kolonisation erfolgt ist. Die Gründe, die zu diesem Beschluß geführt haben, werden vielleicht nächstens einmal gesondert dargelegt werden: in dieser allgemeinen Uebersicht sei es genug mit der Feststellung, daß nun eine neue Periode im Leben der Siedlung beginnen wird, die zwar das tief bedauerliche Ausscheiden einiger wertvoller Mitglieder aus ihrem engeren Verbände — nicht aus ihrer Gesamtarbeil — zur Folge haben wird, aber doch wohl als positiver Abschluß einer langen Schwankungszeit begrüßt werden darf. Als weitere erfreuliche Tatsache darf vermerkt sein, daß die Arbeitslage der Chawerim von Rodges vergleichsweise ausgezeichnet ist: sie sind, wohl zum Teil infolge ihrer guten fachlichen Ausbildung, .von der zurzeit in Pethaeh- Tikwa herrschenden jüdischen Arbeitslosigkeit prozentual weit weniger betrolien. als andere Gruppen und Einzelne. Einige Zeit lang durfte man hoffen, daß von diesem sich gesund entwickelnden Punkte ein Genesungsprozeß ausgehen würde, der zunächst den Hapoel Hamisrachi und dann vielleicht die ganze palästinensische Landesorganisation ergreifen könnte. Nach der letzten Landeskonferenz des palästinensischen Hapoel Hamisrachi, muß aber die Hoffnung als vorläufig abgetan gelten. Zwar hätte sich dort eine Mehrheit bereitgefunden, die etwa im Sinne der deutschen und palästinensischen Opposition zu arbeiten gewillt wäre, wenn sich auch Menschen bereitgefunden hätten, um die Leitung zu übernehmen. David Intriligator, der eine Zeitlang im Jerusalemer Büro gearbeitet hat, ist in den Kibbuz Rodges zurückgekehrt und hatte seine Kandidatur nicht gestellt. So wurde die alte Leitung wieder gewählt, von der. selbst bei bestem Wollen, eine grundlegende Besserung kaum erhofft werden kann. Schon deshalb nicht, weil ihr kaum Geldmittel zur Verfügung stehen, ein Umstand, der auch die Führer der Opposition wesentlich dazu bewog, die Uebernahme der Leitung abzulehnen. Diese gleiche Geldkalamität hat auch dazu geführt, daß. trotz rebellischer Stimmung im Hapoel Hamisrachi. wiederum zu den Wahlen zur .,Assefath Haniwcharim'' eine gemeinsame Liste mit dem allgemeinen Misrachi aufgestellt wurde. Bei ihrer Zusammensetzung konnte freiheh eine verhältnismäßig sehr starke Vertretung d'.'s Hapoel Hamisrachi und der Opposition erreicht werden: so kandidierten beispielsweise Prof. A. F r a e n k e 1 und H e r m a n n S t r u c k an aussichtsreichen Stellen. Um so weniger befriedigend war das veröffentlichte Aktionsprogramm, dessen scharfe nationale und „wirtschaftliche" Formulierungen es gewiß manchem Anhänger einer traditionellen, wenn auch weder eng dogmatischen noch unduldsamen Kulturpolitik schwer oder unmöglich gemacht haben dürfte, für diese Liste zu stimmen, zu deren Durchsetzung übrigens keinerlei sichtbare Wahlpropaganda getrieben wurde. Die Kulturarbeit gilt seit langein als der wesentliche und vielleicht einzige wirkliche Aktivposten des Misrachi in Palästina. Es soll hier in keine Kritik des Schulwerks eingetreten werden, dessen Leitung jedenfalls eine fest umgrenzte dogmatische Sicherung für ihre Hauptaufgabe ansieht, neben der manche andere, wie z. B. die Heranziehung europäischer und modern gebildeter Menschen, im Konfliktsfalle zurücktreten müssen. Die. trotzdem oder gerade deshalb, rein schuhnäßig erzielten Erfolge, können aber später nicht ausgenützt werden, weil es an einer lebendig weiterführenden Jugend- und Chaluzbewegung fehlt. Es scheint beinahe sicher, daß alle Versuche dazu bei der heutigen Situation strukturnotwendig scheitern müssen. Auch ein neuer Versuch, der unlängst in Jerusalem unter den Auspizien von Raw Kuk. Prof. Fraenkel, Raw Assal, Rabbi Benjamin u. a. unternommen wurde, um der traditionellen Kulturtätigkeit (Presse, Verlagswesen, Jugendliteratur usw.) einen neuen Anstoß zu geben, dürfte, selbst wenn er nicht im Theoretischen stecken bleiben sollte, nur sehr indirekte Wirkungen für die Entscheidung der nächsten Generation haben.

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