Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 3 (1931)
- Issue
- 1-2 (1.1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3133276-3139326-3139327--0436-3139930- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 4 Z I 0 N Nr. 1/2 wenn es um das Allgemeine geht, dann wird man unseren gemeinsam gefaßten Beschlüssen weit höheren Wert beilegen müssen, denn dann ist es klar, daß eine geschlossene Meinung einer einheitlich denkenden Partei hinter .der Meinungsäußerung steht. Deshalb fort mit der Prestigepolitik, die einer religiös orientierten Partei unwürdig ist, fort mit einem unmoralisch gewordenen Fraktionszwang, der einen Gewissenszwang herbeiführt und der dadurch jetzt ad absurdum geführt ist, daß die Majoritätsbildung bereits durchgeführt wird, bevor die Beschließenden das Für und das Wider über den Gegenstand der Beratung kennen gelernt haben. Der Widerstand, den der deutsche Misrachi diesen Verhältnissen in unserer Organisation entgegensetzt, wird nicht dadurch aufgehoben, daß wir nicht auf dem Wiedereintritt von Lazarus Barth in die Exekutive weiter bestehen. Unser Kampf gegen die unverantwortliche Politik der Fraktion geht weiter und auf der Weltkonferenz des Misrachi, die neuesten Nachrichten zufolge acht Tage vor Zusammentritt des Kongresses stattfinden soll, werden wir Gelegenheit haben, auch auf diese Dinge einzugehen und unsere Reorganisationsforderungen werden sich auch hierauf mitbeziehen. A. A. Der Brief des englischen Premier- Ministers an Professor Weizmann. I. Das lange und mit außerordentlicher Spannung erwartete Dokument der englischen Regierung liegt nun vor. In einem Brief des Prime-Ministers an den Präsidenten der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency wird „eine autentische Interpretation" wesentlicher Teile des Weißbuches von 193c» gegeben, während über eine Reihe von großen Fragen der Palästinapolitik, die zum Teil, aber nicht durchgehends im Weißbuch behandelt waren, noch weitere Verhandlungen zwischen der Regierung und der Jewish Agency geführt werden. Wenn auch ein Gesamturteil erst nach Abschluß der gesamten Besprechungen wird abgegeben werden können, so sind doch die bisherigen Ergebnisse bereits wichtig genug, um gewürdigt werden zu müssen. Die ungeheure Erregung, die das jüdische Volk beim Erscheinen des Paßfieldschen Weißbuches ergriffen hatte, war dadurch ausgelöst worden, daß in dieser offiziellen politischen Erklärung der Silin und Inhalt des Mandats verkannt, daß der Wert unserer bisherigen Leistungen in unerträglicher Weise herabgesetzt, das Prinzip der jüdischen Arbeit in den nationalen Siedlungen diffamiert worden war, ferner dadurch, daß die Regierung die Angaben Flope Simpsons über die Bodenverhältnisse ohne weiteres als einwandfrei unterstellt und daraus wiederum gefolgert hatte, daß ein Bodenmangel bestehe und infolgedessen die Gesetzgebung über Bodenkauf. Einwanderung und Arbeit so zu gestalten sei, daß die Fortführung unseres Werkes praktisch auf die Ausnutzung der bereits im Besitz des Nationalfonds befindlichen Landreserven beschränkt gewesen wäre. Zu so weitgehenden Entschließungen war das Weißbuch nicht nur auf Grund der höchst angreifbaren und erheblich unter den früheren Berechnungen liegenden Ziffern Hope Simpsons gelangt, sondern auch dadurch, daß als weiterer Faktor eine Verpflichtung der Regierung statuiert wurde, ausgerechnet in dem kleinen- Palästina die „landlosen Araber" mit ausreichendem eigenem Grundbesitz zu versorgen. Die scharfe Kritik an dem „Statement of Policy". deren Begründung in einem ausführlichen Memorandum der Jewish Agency an den Völkerbund die Mitglieder der Permanenten Mandatskommission sich zu eigen machten, führte zu einer Einladung der englischen Regierung an die Jewish Agency zu Besprechungen, um die Mißverständnisse hinwegzuräumen, die über den Inhalt des Weißbuches entstanden seien, und am gleichen Tage im November, an dem unsere Besprechung mit einer zu diesem Zwecke unter dem Vorsitz des Außenministers zusammengesetzten Kommission von Kabinettsministern eröffnet wurden, zeigte eine große Debatte im House of Commons, daß unsere Kritik von Mitgliedern aller Parteien des Hauses geteilt wurde. Jetzt liegt in dem Brief MacDonalds an den Präsidenten der Jewish Agency die Erklärung vor. die als autentische Interpretation des Weißbuches dem High Commissioner und dem Völkerbund übermittelt wird. „An dem offiziellen Charakter des Briefes ist also kein Zweifel" (Antwort des Prime- Ministers an den Abgeordneten Hopkin in der Unterhaussitzung vom 12. Januar). In der Tat liegt das Wesen einer autentischen Interpretation („authoritative Interpretation" §1 des Briefes) darin, daß sie und nicht die Formulierungen des kommentierten Dokuments (vom Prime-Minister im Unterhaus mißverständlich als „dominating document" bezeichnet) maßgebend sind. II. Wenn wir nun in diesem Lichte den Brief MacDonalds lesen, so sehen wir, daß, so weit das Weißbuch bisher darin „autentisch interpretiert"