Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 3 (1931)
- Issue
- 1-2 (1.1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1/2 Z I 0 N Seite 3 erster Reihe aus G ründen des Prestige: der Misruehi dürfe, nachdem er sich in London einmal entschieden habe, seine Stellungnahme nicht ändern, weil das seinem Ansehen als politischer Partei schädlich wäre. Das Gegenargument, daß das Actions-Comite durch seine Resolution es uns durchaus in die Hand gegeben hätte, in ehrenvollster Weise unseren Beschluß abzuändern, wurde nicht anerkannt. Unser Hinweis aui das zionistische Verantwortungsbewußtsein, das es verbieten müsse, in einem so schweren Augenblick die Arbeit im Stich zu lassen, da bei unserem Ausscheiden aus der Exekutive automatisch der Einfluß der linken Parteien wesentlich gestärkt wäre, was auf die Gestaltung der Arbeit in Erez-Israel in unserem Sinne sicherlich ungünstig wirken müsse, fruchtete nichts — das vermeintliche Prestige der Partei wurde zum Idol erhoben, demgegenüber alle anderen Rücksichten fallen gelassen wurden. Für uns war außerordentlich schmerzlich, daß in Warschau ein Telegramm aus Erez-Israel einlief, in dem dieselben Männer, die sich vorher brieflich empört über den Austritt aus der Exekutive geäußert hatten, jetzt ihrer Meinung dahin Ausdruck gaben, daß nachdem der Austritt einmal vollzogen sei, eine Aenderung dieses Beschlusses nicht möglich wäre. Inwieweit dieser Umfall der palästinensischen Herren auf Beeinflussung von außerhalb zurückzuführen ist. können wir zurzeit nicht beurteilen. Unter diesen Umständen schien es uns. besonders da auch die Exekutive selbst der Ansicht war, daß die bisherige Koalition nicht mehr besteht, wenn nicht der Misrachi seine auf der Actions-Comite-Sitzung offiziell abgegebene Austrittserklärung aus der Exekutive zurückziehen würde, nicht möglich, Lazarus Barth zu veranlassen für seine Person in der Exekutive zu verbleiben, da er, nur gestützt auf den deutschen Misrachi, keine auf Autorität beruhende Stellung innerhalb der Exekutive haben würde. Die Situation, in der sich der Weltmisrachi jetzt befindet, ist klar. Er befindet sich mit den Revisionisten (die Radikalen arbeiten mit zweien ihrer Führer in der politischen Kommission an entscheidender und einflußreichster Stelle mit der Exekutive zusammen) in einer Opposition, die sich jeglicher Verantwortung entzieht und die ihn aus der Einflußnahme auf sämtliche Zweige zionistischer Betätigung ausschaltet. Menschen, die aus einer religiösen Ueberzeugung. aus kultureller Einstellung zum Misrachi gekommen sind, werden gezwungen politische Maßnahmen zu decken, die nichts, aber auch garnichts mit der misrachistischen Idee zu tun haben, sie werden vergewaltigt durch Fraktionsbeschlüsse, die es einzelnen Parteimachthabern durch besonders günstige Konstellationen ermöglichen, ihren politischen Willen einer Minderheit aufzuzwingen, die sich in politischen Fragen mit diesen Machthabern nicht identifizieren w i 11. Es gibt auch so etwas wie ein politisches Gewissen, dem Zwang anzutun gerade einer religiös und kulturell eingestellten Partei nicht zukommt. Es scheint uns symptomatisch zu sein, daß gerade die Organisation des Misrachi. die auf so vielen Gebieten, die ihr eigentliches Arbeitsfeld sein sollten (Durchsetzung von Ansiedlung religiöser Elemente in Erez- Israel, geistige Beeinflussung des Jischuw in religiöser Beziehung und der Golah in zionistischer etc.). sich schwächlich und zurückhaltend zeigt, dagegen aber auf einem Gebiet, das nicht zu ihren Sonderaufgaben gehört, so stark auf ihr Prestige bedacht ist und mit starker Geste auftritt. Auch hier wird es uns wieder einmal besonders klar, auf welch falschem Wege sich der Misrachi befindet, wie er seine wesentlichen Aufgaben vernachlässigt und unerledigt läßt und sein Hauptaugenmerk Dingen zuwendet, die mit seinem Programm nichts zu tun haben. Wir lehnen es ab, uns in Fragen, die mit dem Prinzip des Misrachi nicht verbunden sind, einer Majorität zu fügen, die, wenn es sich um politische Dinge handelt, oft von ganz anderen Voraussetzungen ausgeht und andere Motive für ihre Entschlüsse hat als wir. Wir wollen, daß zionistische Politik gern acht wird um ihrer selbst w i 11 e n, daß das zionistische Interesse, das mit dem misrachistischen in absoluter Uebereinstimmung steht, verfolgt wird und nicht das (oft noch dazu falsch verstandene) Prestige einer zionistischen Partei. Wir wollen mit großer Geschlossenheit auftreten können, wenn es um legitim misrachistische Forderungen geht, und verlangen deshalb, daß man eine Geschlossenheit nicht vortäuscht, wenn allgemein zionistische Fragen zur Debatte stehen, die nicht aus eindeutiger misrachistischer Grundanschauung einheitlich zu lösen sind. Man weiß in der zionistischen Organisation, daß wir in solchen Fragen nicht einheitlich denken und eine beachtliche Minorität nur gezwungenermaßen und mit innerem Widerstreben im Interesse des einheitlichen Auftretens nach außen mit stimmt. Daher kann man auch unsere innere Geschlossenheit und Einheitlichkeit anzweifeln, wenn es um unsere eigensten Dinge geht. Würde man dagegen sehen, daß jeder bei uns nach seiner Ueberzeugung stimmt,