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Zion · 1930-10-01 · 10-11 (10.1930) · p. Seite 148

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Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
10-11 (10.1930)
Date
1930-10-01
Page
Seite 148 (sequence 24)
Language
German
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Seite 148 Z T O N Nr. 10/11 hochmütigen Einstellung verführen lassen, uns eo ipso als bessere Menschen und bessere Juden zu fühlen. Ich habe schon erwähnt, daß wir tief diu Tatsache empfinden, daß die Neuproklamierung der Einheit des jüdischen Volkes, die Neubelebung des Hebräischen und größte ccj m»DO für das Judentum von Menschen ausgegangen sind, die die Orthodoxie als Q'yris •tituliert. Wir glauben, daß heute weder wir noch die andern ein Volljudentum repräsentieren, und daß es eines Zusammengehens aller Richtungen, die ein jüdisches Bewußtsein und einen jüdischen Willen bewahrt haben, bedarf, srnyotr Q"no^ pnj'Oi ]3»av Was auch die subjektive Auffassung und Zielsetzung der einzelnen Teilnehmer am Werk sein mag. w'ir wissen, daß sie objektiv an der Wiederherstellung der Thora arbeiten. Wie aber will sich die Orthodoxie in ihrer Erziehungsarbeit mit der Tatsache auseinandersetzen, daß das thorahallen le Judentum der Neuzeit nicht die Kraft gehabt hat. avis sich heraus'die Tat Herzls. Ben Jehudas und der Chaluzim zu vollbringen? Will sie angesichts dieser Tatsache den heuligen Status des. Judentums und der Thora noch immer finden einzig echten und legitimen erklären, so würde sie den Bankrott der Thora anerkennen. Will sie letzteres nicht, so müßte sie den Bankrott des G a 1 u ( j u d e n t u m s erklären, d. h. zionistisch werden. Am allerwenigsten kann eine Jugendbewegung den von der Orthodoxie ergriffenen Ausweg beschreiten, der darin besteht, daß man in moralischer Saturiertheit und Selbstzufriedenheit dir Leistungen der anderen ignoriert und mißachtet. E. Rosenblüth erblickt in der Einstellung ad den Zionismus insofern eine Gefahr für die Zukunft des Judentums als die Möglichkeit des Scheiterns der zionistischen Bestrebungen besteht. Gewiß hat der Zionismus ein Ziel — die Wiederaufrichtung des jüdischen Volkstums in seinem nationalen Heim in Erez-Israel —, für dessen Erreichung wir keine Gewähr haben. Wie ich aber schon in meinem Artikel bctonl habe, verpflichtet die Erkenntnis von der Notwendigkeit eines Tuns zu diesem Tun. auch' wenn der Erfolg noch nicht hundertprozentig gesichert ist. Die einzige zulässige Fragestellung ist: Besteht nach menschlichem Ermessen die Möglichkeit eines Erfolges? Aber ganz abgesehen von diesem Gesichtspunkt bekenne ich mich zu einer -i: r .-.■.•.•.'>•. Unabhängig von der Frage, inwieweit uns ein Enderlolg beschieden sein wird, erwächst uns allein schon aus dem Ringen um diesen Erfolg ein gewaltiger Reichtum an geistigen und moralischen, religiösen und nationalen. K\iiien ::nd Inrri'.srn. die wir;r.:i keine) Vv/, missen wollen. Wie arm und kläglich wären wir heute ohne die zionistische Bewegung, deren Impulse, weit über die zionistischen Reihen hinaus, alles angeregt und befruchtet haben, was heute jüdisches Bewußtsein und jüdischen Willen hat! In diesem Sinne kann (natürlich in einer bewußten rhetorischen Pointierung) auf den Zionismus das bekannte' vom Sozialismus geprägte Wort angewandt werden: Die Bewegung ist alles, das Ziel ist nichts. In diesem Zusammenhange muß auch die organisatorische Leistung der zionistischen Bewegung gewertet werden, die im Kongreß (und neuerdings in der Ageuev) den gewiß noch unvollkommenen, aber doch bestimmt stärksten Ausdruck des Sn-is*» ^3-Gedankens geschaffen hat. den das Judentum heute hat. Es erübrigt sich noch, kurz auf die Frage der Einigung der Orthodoxie einzugehen, für die sich Dr. Unna und E. Strauß mit bewegten Worten einsetzen. Ich glaube gezeigt zu haben, daß die Gegensätze nicht zufälliger Natur und ganz' gewiß nicht das Produkt bloßer parteitaktischer Differenzen sind. Das Problem des Zionismus stellt jeden thoratreuen Juden vor eine Entscheidung, der nicht ausgewichen werden kann und von deren Ausfall Theorie und Praxis beeinflußt werden. Am allerwenigsten ist eine Jugendbewegung auf die, Dauer möglich, deren Charakteristikum das Sichnichlentscheidenwollen ist. Das Lamentieren über den Bruderkampf der Orthodoxie ist zwecklos. Ganz entschieden müssen wir die Forderung von E. Strauß ablehnen, mit Rücksicht auf die nichtorthodoxe Umwelt eine Komödie der Einheillichkeil und Eili gkeit der Orthodoxie zu spielen. Einigkeit ist. s c 1. ö n, aber Aufrichtigkeit und Klarheit tut not. Und das Notwendige kommt vor dem Schönen. Nachschrift. In diesem schweren Augenblick der Prüfung, den die zionistische Bewegung erlebt, haben wir uns mit besonderer Eindringlichkeit die Frage zu stellen: Was ist und was bedeutet uns der Zionismus? Ist er für uns nur ein jüdisches praktisches Werk oder stellt er unsere jüdische G e s i n n u n g und Ueberzeugung und unseren jüdischen Willen dar? Nur Mitläufer, die zum Zionismus auf Grund der ersten Anschauung gekommen sind, haben angesichts der neuen gewaltigen Schwierigkeiten, die sich der Verwirklichung des zionistischen Werkes entgegentürmen. Veranlassung kleinmütig zu werden und sich Gedanken über die Gefährdung des Judentums durch die Einstellung auf den Zionismus zu machen. Sehen wir aber im Zionismus gemäß der zweiten Anschauung d i e gegenwärtige Manifestation des Judentums schlechthin, so wissen wir. daß weder unsere Theorie noch

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