Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 10-11 (10.1930)
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 147 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3133276-3139335-3139344--0406-3139917- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 10/11 Z 10 N Seit* 147 werden angegeben durch das Judentum, wie es sein soll. Es ist unlogisch, wenn wir vom Zionismus erwarten, daß er die Thoragrundlage des Judentums a priori anerkenne, da wir selber im Zionismus den Wc g sehen, der erst zu dieser Anerkennung f ii h r e n soll. Wir haben den Mut, der Tatsache ins Auge zu sehen, daß der historisch bedingte, hauptsächlich durch die Zerstörung der natürlichen soziologischen Grundlagen (nicht — wie Dr. Unna glaubt — durch „zu weitgehende Toleranz'"!) verursachte Niedergang des Judentums zu einem jüdischen Volk geführt hat. das nicht nur nicht: das „Volk der Thora"' ist, sondern in seiner Mehrheit, sogar das Bewußtsein verloren hat, es zu sein. Wir wissen, daß dieser Abfall nicht durch „moderne Theorien'' und überhaupt nicht nur subjektiv bedingt ist und daher auch nicht durch Belehrung rückgängig gemacht werden kann: der Abfall ist der ..atürliche Ausdruck der objektiven Talsache, daß das Leben, das der Jude führt, ihn zwangsläufig dem Judentum entfremdet, daß die jüdisch-religiöse Idee und Praxis, durch Galut. Ghetto und Assimilation verkrüppelt und erstarrt, dem heutigen Juden als etwas erscheint, das vielleicht in Sura und Pumbcdita aktuell und wichtig war. aber keine Beziehung zu Warschau, Berlin und New York hat. B e n J e h u il a. dessen. Ehrung Dr. Unna uns vorwirft, stellt mit seinem Verhallen dem Religionsgesetz gegenüber leider nichts Ungewöhnliches und Abnormes dar, er ist den W'cg gegangen, den Millionen Juden gehen. Daß aber dieser Mensch trotz seines bewußten Abfalls von der Thora nach Erez-Israel gegangen ist und sein Leben der Wiedererweckung des lebendigen Hebräisch gewidmet und damit einen der höchsten jüdischen Werte wiedergewinnen half, der objektiv engstcns mit der Thora zusammenhängt und für die moderne Erziehung zur Thora sogar unerläßlich ist. diese Tatsache beweist schlagend die eminente Bedeutung der jüdischen Nationa!- bewegung für die Regenerierung der jüdischen Religion. Oder kann heute noch die Tatsache geleugnet werden, daß das lebendige Hebräisch, das sich bereit.-, weit über die zionistischen Reihen auch bei der orthodoxen Jugend durchzusetzen beginnt, für den traditionell Erzogenen die waWru Vertiefung und Verinnerlichung der Beziehung zur Thora bewirkt? Eür den Thorafremden aber ist es überhaupt das Beste und Einzige, das eine solche Beziehung zu schaffen imstande ist. Und) sollten wir den Mann, der einer der stärksten Repräsentanten der hebräischen Sprachrenaissance und damit der Renaissance desJudentums schlechthin war, nicht auch objektiv zu würdigen versuchen? In viel gewaltigerer und erschütternderer Weise zeigt sich die objektiv judaisierende Wirkung des Zionismus am Phänomen des thorafremden Herz 1. der dem jüdischen Bewußtsein und der jüdischen Seele die seit Generationen stärksten Impulse gegeben hat. Sie zeigt sich an den zionistisch-sozialistischen Arbeitern, die den gamicht auf der Linie eines areligiösen und anationalen Sozialismus liegenden Weg nach Erez-Israel beschritten haben und unter denen Menschen sind, die heule in Rußland tarn »n»p h$ leiden und, sterben, obwohl sie den av nicht kennen oder nicht kennen wollen. Die Orthodoxie (und auch Dr. Unna) tut so. als ob das thorafremde oder thorafeindliche Judentum ein Erzeugnis des Zionismus sei. und verschließt die Augen der Tatsache gegenüber, daß der Massenabfall ein natürliches Produkt des Degenerations- und Assimilationsprozesses des Galut-Judentuins darstellt und daß der Zionismus, der selbstverständlich an d a s b e s t e h e n d e u n d n i c h t a n ein fiktives J u d e n t u in a n k n ü p f t, eine Wendung darstellt, die allein Aussichten bietet, diesen Prozeß rückgängig zu machen. Ich will hier nur auf die bemerkenswerten Ausführungen von Raw Kuk {/.. B. 'T n»«n nvu«) hinweisen, daß der moderne thora- und I radilionsl'remde Jude unter einem fast unwiderstehlichen geistigen Zwange steht und als "itaa OUK zu bei rächten ist. Besonders bemerkenswert ist der von Raw Kuk hervorgehobene Gesichtspunkt, daß man die Rückgängigmachung des modernen Abfalls vom Judentum, der nicht die Folge einer plötzlichen Sinnes- oder Lreberzeugungsänderung der Juden war, auch nicht in Gestalt eines pathetischen einmaligen nnm- Aktes erwarten darf. Sie kann sich vielmehr nur ganz nüchtern so abspielen, daß die Juden indas Judentum wieder hineinwachsen. Innere Ueberzeugung und laisächliche Erfahrung führen uns dazu, im Zionismus den — freilich dornenvollen und langen, aber auch einzigen — Weg zu dieser En;Wicklung zu sehen in, Sinne des großen Ausspruches Ilerzls: ..Zionismus ist Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins (udcnland." Dr. S i I l.r rs l c i n iu! ."• g.-geiiübcr E. Roscnblüih bei uil - und ich unl.'. W Dr. Uuiui gegenüber wiederholen —. daß wir nicht daran denken dürfen, unseren zionistischen Partnern gegenüber den Lehrmeister zu spielen, an den sie sich einfach anzupassen haben. Wir mußten erkennen, daß die Auflösung des Judentums durch das Galut dazu geführt hat, daß heute das bloße Bekenntnis zur Thora nicht mehr ohne weiteres die Bewahrung aller jüdischen Werte, ja nicht einmal aller jüdischen Heiligtümer, einschließt, und daß andererseits manche jüdischen Werte nicht allein von den Thoratreuen bewahrt werden. Wir dürfen uns durch unser Bekenntnis zur Thora nicht zu der