Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 10-11 (10.1930)
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 145 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 10/11 ZION Seite 145 die Tradition uns liefert, ohne zu bedenken, daß v-vm Sniotra nm nnc, besonders aber, wenn er glaubt, sich mit einem Achselzucken über „bestimmte moderne Theorien" hinwegsetzen zu können. Keinerlei Bekenntnis und kein Stehen auf einer „metaphysisch begründeten Basis'" berechtigt den Menschen zum hochmütigen Gefühl, er sei der Verpflichtung enthoben, sich mit denjenigen Dingen auseinanderzusetzen, die die besten seiner Zeitgenossen bewegen. Oder soll etwa thoratreues Judentum identisch sein mit geistiger Verarmung und moralischer Schwäche, indem man gewisse Probleme, die nun einmal existieren, nicht mehr sieht, oder deren Inangriffnahme scheut? Zu diesen Problemen gehört auch die von mir aufgeworfene und von Dr. Unna und E. Rosenblüth ignorierte Frage nach der Echtheit des ..Jüdischen", das sich als Produkt von Galut, Ghetto und Assimilation ergeben hat. die Frage, ob man mit einfachem. Akzeptieren der jüdischen religiösen Idee und Praxis, wie sie heute vorliegen, tm> sein kann, endlich die Frage, wie man sich in der Erziehungsarbeit mit dem sich heute aufdrängenden Problem des stellenweise Unzulänglichen in der Halacha und des unwirklich-schattenhaft erscheinenden Charakters der Thora auseinandersetzt. Will man nicht r den Bankrott der Thora erklären und auch nicht die geistige Flucht aus der Wirklichkeit antreten, so hat man eben den jungen jüdischen Menschen dahingehend aufzuklären, daß die historisch-soziologischen Katastrophen Galut, Ghetto und Assimilation und der nationale Zusammenbruch auch die jüdische Religion, die Thora, im innersten Kern treffen und ihr Instrument, die Halacha. funktionsunfähig machen. Was wir heute an Thora haben, ist sraztrmir. in der sich ja auch alles dasjenige umgewandelt hat. was ehemals na hyzsr min war. Die Halacha ist damit zu einem starren abgeschlossenen Komplex geworden: damit ist nicht nur ihre praktische Durchführbarkeit in Frage gestellt, sondern auch jede theoretische Beziehung ihrerseits zu den Fragen der Wirklichkeit schwindet immer mehr und mehr. Das Judentum kann aber nicht ohne die lebendige, nie abgeschlossene und nie abschliclibare B"y:tnn2) existieren, die das Instrument darstellt, das zu allen Zeiten die heterogensten Elemente im Judentum zum Ausgleich miteinander bringt er. a'pS« n:i oki iSk und allein die ewige Wechselwirkung zwischen Leben, Lehre und Gesetz garantiert. Diese Cyatrin kann aber nicht ein 2) Die verschiedenen Koditizierungcn ^itra ,-!io ,a"2!3n mo'rn waren nie mo'nn im eigentlichen Sinne, sondern nur Etappen oder — besser gesagt — Querschnitte durch den jeweiligen Stand dercysifin. künstliches, in Schulen und Lehrhäusern gezüchtetes Produkt sein und kann überhaupt kaum bewußt gefördert werden, da sie sonst zu einer religiösen Reformbewegung ausarten könnte. Sie kann sich nur nach eigenen ihr immanenten Gesetzen aus dem pulsierenden Leben einer Gemeinschaft, die ihr materielles und geistiges Dasein zur freien Entfaltung bringt, dauernd selbst erneuern. Deshalb waren Chorban und Galut Katastrophen für die B"j;3ttnn sie konnte im Ghetto noch ein verkümmertes Dasein weiterführen, um dann mit Emanzipation und Assimilation ais soiehe gänzlich zugrunde zu gehen. Die s y:trw kann weder durch persönliche Anstrengungen noch so vieler Individuen noch durch Beschlüsse irgendeines Konzils von 120 Rabanim reinstituiert werden. Nur eine freie, selbständige jüdische Gemeinschaft, die ihr eigenes Leben aus sich heraus gestaltet, bietet eine Möglichkeit, die Okacin — wenn auch in einer langwierigen Entwicklung — zu regenerieren und die heute unlösbare Problematik des Thorajudentums einer Lösimg entgegenzuführen. Hier scheint mir d er tiefst e u n d e n t s c h e i d e n d e G rund zu liege n. der thoratr e u e Juden zur Einstellung auf Volkstum, Land und Sprache d. h. zum Zion'is m u s, f ü h r t. Die Ausschaltung der s'^rcin und die Erstarrung des Judentums zu einer reinen 2";ww hat zur Folge eine Klerikalisierung. deren Gefahren E. Rosenblüth irriger Weise nicht mehr für bedeutend hält. Um auch meinerseits wieder ein historisches Analogon heranzuziehen, möchte ich sagen, daß seit Untergang der sadduziüschen Hierokratie kein so entschlossener und zielbewußter Versuch gemacht worden ist. das Judentum unter geistliche Oberaulsicht zu stellen, wie gegenwärtig durch den Block der westjüdischen separatistischen Orthodoxie und des ostjüdischen Zadikismus. E. Rosenblüth kennt nur ein Ideal: Daß Juden ..die Forderungen der Thora die an s i e, wo sie auch seien, gestellt werden, so gut wie möglich, erfüllen. Ich will hier nicht untersuchen, inwieweit sich diese Haltung von derjenigen des mcj;«o >n2in nc trns unterscheidet. Flier soll nur untersucht werden, ob .Forderungen der Thora" unter den obwaltenden Verhältnissen überhaupt noch bis zu uns dringen und wie ..gut" es möglich ist. sie zu erfüllen. Präziser ausgedrückt: hat die Halacha die Gestalt des mr unter der sie sich uns gegenwärtig präsentiert, auf Grund einer ihr adäquaten, auf ihren immanenten Gesetzen beruhenden Entwicklung angenommen oder stellt vielmehr der nicht m-:r? natr der Halacha dar. d. h. ein zufälliges Bruchstück, ' das die verschiedenen über das jüdische Volk und das jüdische Gesetz