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Zion · 1930-10-01 · 10-11 (10.1930) · p. Seite 138

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
10-11 (10.1930)
Date
1930-10-01
Page
Seite 138 (sequence 14)
Language
German
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Seit« 138 Z I O N Nr. 10/11 Freud und Leid des gesamten jüdischen Volkes und nicht zuletzt an der großen nationalen Gegenwartsaufgabe am Aufbau Palästinas für das jüdische Volk, der durch die Balfour-Deklaration ein großes propagandistisches Fundament erhalten hatte. Es ist klar: daß die eben geschilderte Entwicklung der jüdischen Situation zunächst nur von einzelnen Wenigen als notwendig vorausgesehen wurde. Aber so dürfte es wohl stets in der Geschichte gewesen sein; die Gesamtheit aller äußeren und inneren Umstände bereitet die Form vor. die dann einsichtige und kluge Menschen bilden. Man kann es sich heute kaum noch vorstellen, was dazu gehörte, als vor jetzt 10 Jahren in der Berliner Gemeinde Männer auf den Plan traten mit einem Programm, das von den ausgefahrenen Bahnen der bisher bestehenden Parteien, konservativ und liberal, erheblich abwich. Die Männer, die damals die jüdische Volkspartei gründeten, waren von der Erkenntnis getragen, daß nur die Besinnung auf das ureigenste Wesen des Judentums imstande war, die jüdischen Gemeinden aus ihrem lethargischen Zustand zu erwecken und sie wieder zu Trägern eines lebendigen Judentums zu machen. Es muß hierbei bemerkt werden, daß bis dahin leider auch die in den Gemeinden verbliebenen konservativen Elemente in Deutschland zum großen Teil die Arbeit der Gemeinde auf das Religiöse und Soziale beschränkt hatten und auch hier sich sehr oft in ihrer Ideologie von der Assimilation, nur durch die konservative Färbung unterschieden, während die neuerstandene Gruppe alles Jüdische, also auch die werktätige Mitarbeit am Aufbau Palästinas, in das Arbeitsprogramm einer jüdischen Gemeinde einschließen wollte. Die Kerntruppe dieser jungen Partei bildeten Zionistcn. zu ihnen aber gesellten sich von Anfang an auch solche Männer, die zwar nicht parteimäßig zionistisch gebunden waren, aber dennoch den großen Gedanken von Klal Israel und die Notwendigkeit der Wiedererweckung der alten jüdischen Tradition innerhalb der Gemeinden als unumgänglich notwendig erkannt hatten. Nach unseren obigen theoretischen Ausführungen ist es selbstverständlich, daß auch der deutsche Misrachi von Anfang an innerhalb dieser jüdischen Volkspartei freudig und eifrig mitgearbeitet hat. entspricht doch die Idee dieser Partei durchaus seiner Auffassung, die das Religiöse von dem Nationalen nicht trennt, sondern nur in der S y n t h e s e beider Faktoren das Wesen des Judentums begreift. Die neue Partei stand vor einer ungeheuren Aufgabe: im Anfang nur klein, hatte sie einen schweren Kampf gegen Unverstand und oft auch gegen bösen Willen zu führen. Schritt für Schritt mußte Boden erkämpft werden. Es kann jenen Männern nicht genug gedankt werden, die sich durch keine Schwierigkeit in ihrem Arbeitseifer erlahmen ließen, die immer wieder im Plenum der Repräsentantenversammlung und auch in kleineren Gremien den Gegnern ihre Weltanschauung entgegenstellten und so langsam durch die gewinnende Kraft ihrer Ueberzeugung schließlich die feste Mauer der Majorität zu brechen verstanden. Bei den letzten Wahlen im Jahre 1926 zeigten sich dtöe Früchte dieser encrgievollen Arbeit. Zum ersten Mal nach Verlauf von 70 Jahren gelang es, die liberale Majorität innerhalb der Berliner Jüdischen Gemeinde zu brechen, und seitdem hat die Jüdische Volkspartei maßgeblichen Einfluß auf die Entwicklung der jüdischen Gemeinde nehmen können. Noch nicht Majorität geworden, war doch ■ein Arbeiten gegen sie nicht mehr möglich. Es lag im Laufe der Entwicklung der Nachkriegszeit, daß die jüdischen Gemeinden Deutschlands bestrebt waren, in engerer Gemeinschaft miteinander zu arbeiten. Der Plan eines Reichsverbandes sämtlicher jüdischer Synagogengemeinden tauchte auf, scheiterte aber zunächst an dem Widersland verschiedener ausschlaggebender Gemeinden. Immerhin gelang es im Jahre 1921, den Preußischen Landesverband jüdischer Synagogengemeinden zustande zu bringen. Mannigfache Aufgaben harrten seiner. Die Not der Nachkriegszeit, das Abwandern der Juden vom Lande und den kleineren Gemeinden in größere Städte, hatte eine katastrophale Lage dieser kleinen Gemeinden zur Folge. Stützung leistungsschwacher Gemeinden, Zusammenfassung mehrerer Gemeinden unter ein Bezirksrabbinat. die Versorgung kleiner und Landgemeinden mit jüdischen Lehrern, die wichtigen Probleme der Stellung der Religionsgemeinden zum Staat, und die großen, immer dringender werdenden Aufgaben moderner sozialer Fürsorge sind nur einige wenige Punkte aus dem großen Arbeitsgebiet des Landesverbandes. So stehen wir am Beginn einer neuen Aera. Am 3t). November sollen die Juden Berlins und die preußischen Gemeinden entscheiden, wohin der künftige Weg geht. Vieles von dem, was die Jüdische Volkspartei sich vor 10 Jahren zum Ziel gesteckt hat, ist erreicht worden. Die jüdische Gemeinde Berlins ist unter einem zionistischen Präsidenten wieder eine führende Gemeinde Europas geworden, nach außen hin stark und gefestigt dastehend, nach innen lebendig und rege durch ein pulsierendes jüdisches Leben. Die Jüdische Volkspartei darf es sich zu ihrem Ruhme anrechnen, daß durch entscheidende Mitarbeit gerade ihrer Vertreter die religiösen Institutionen der Gemeinde allen reüglons^e-ctz'ichen Forderungen enisorechen. Sie hat wieder rabbinische Führer von Ruf und!

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