Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 10-11 (10.1930)
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 133 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 10/11 Z I Ö N Seit« 133 könnte dieser gewaltige Auftrieb zionistischen Wollens entstanden sein, wenn nicht durch die Kraft seiner schicksalsgestaltenden, historischen Idee. Der Schriftsteller Joseph Roth sagt. einmal: „Viele Juden pflegen sich zu einer Nation zu bekennen, über' deren Bestand seit einigen Jahrzehnten kein Zweifel mehr besteht und über deren Berechtigung unmöglich ein Streit entstehen kann, weil schon der W i 11 c von einigen Millionen Menschen genügt, eine Nation zu bilden, selbst wenn sie früher nicht bestanden hat." Hiermit ist Sinn und Seele des Zionismus gezeichnet. Es ist kein Projekt, kein Unternehmen einer jüdischen Gemeinschaft zur Verbesserung eines Teiles ihrer politischen und wirtschaftlichen Situation, er ist konstituiert durch den bündigen Willen einer Anzahl von Menschen, eine Nation zu bilden, er ist ein Geschehen, das. weil historisch sinnvoll, von einer lebendigen Seele erfüllt ist, eine Bewegung, die mit der Kraft ihrer metaphysischen Idee Tausende erfaßt, ein historischer Verlauf, der schicksalsgestaltend ist. Ucber die Mission des Zionismus im Gallith ist oft gesprochen worden. Die Erweckung der Judenheit aus der Lethargie ihres assimilatorischen Starrkrampfs, ihre Umstellung von der klerikal dogmalischen zur nationalen und nationalreligiösen Front, die Erschließung nationaler geistiger Neuwerte — bei aller Pflege humanistischer Tradition — dies alles sind Schöpfungen, die durch ihren Unvergänglichkeitswert schon jetzt für sich zeugen. Aber Schöpfung gestallet sich nur durch „Bewegung", durch die Aktivität treibender Kräfte, nicht durch Stillstand. Und darum würden wir keinen Zionismus im heutigen Sinne mehr haben, wenn jetzt sein Ziel erreicht, wenn Zion erstiegen wäre. ,.Es finden ja doch nicht alle Juden Raum in Palästina" ist immer die resignierte Parole der abseits stehenden. ..ewigen Galuth.-Ju.den'", die dann ihren historischen Sichtvermerk erhält, wenn die Heimstätte im Jordanland erstanden ist. Aber heute noch gibt es eim-n Zionismus, jenen aufwärtsgerichteten Zukunftswihen einer ringenden jüdischen Gemeinschalt auf ein Ziel, das noch nicht, vielleicht noch lange nicht erobert ist. Und dieser Wille ist getragen von einer Idee, die von Raum und Zeit! gelöst, zum kategorischen Imperativ jedes einzelnen Juden wird, uns alle in einer historischen Schicksalsgemeinschaft erfaßt, aus der ein gutes jüdisches Gewissen für keinen einen Ausweg weist. — Bedeutet das nun einen Kampf um seiner selbst willen in Permanenz erklären? Wäre demnach nicht Zionismus nur eine ewige Fiktion zur Erzeugung jüdischen Bewegungsantriebes, die sich nach Erkenntnis ihrer selbst aufzugeben hätte? Es ist gut und ein glücklicher Umstand, daß ein höheres und unerlorschliches Walten, und nicht wir, die Weltgeschichte macht: sonst kämen wir wirklich in die Not, diese Frage beantworten zu müssen. Denn dieses tun, hieße schon ein Urteil sprechen über einen historischen Verlauf, dessen agierende Gestalten in unbestimmbarer Richtung wir selbst sind, wir müßten aus uns selbst hinaustreten können, während wir u ns belauschen. Aber gar wenn wir den Zionismus als einen bewußten Willen zur Selbsttäuschung zur Erzeugung mannigfacher schöpferischer Kräfte deuten wollten, — liegt es in unserer Hand, ob ihn das historische Schicksal dahin ausspielt? Und w enn wir andererseits im Zionismus den realen Erfüllungskampf einer nahen jüdischen Zukunft erblicken wollten, — wissen wir. ob er am Ende der Tage mehr sein wird, als ein Weg zu einer geschichtlichen Etappe? Indem wir auf die gewaltige Missjon hinweisen, die der Zionismus bereits erfüllt hat und die er noch weiter zu erfüllen hätte, registrieren wir nur bescheiden die Tatsache, daß wir schon jetzt dem historischen Geschehen einen Sinn abgelauscht haben und unter diesem Aspekt unseren gegenwärtig noch weiten Abstand vom' Ziele begreifen. Wir haben aber auch das ernste und überzeugte Wissen um die Erfüllbarkeit der zionistischen Ziele, weil deren Bürge der unerschütterliche Glaube an die Zukunft des jüdische« Volkes. — unser einziges wirkliches Dogma —. ist. Und darum würde es noch einen Zionismus geben, wenn auch kein einziger jüdischer Siedler mehT auf palästinensischem Boden wäre. Die reine Idee trägt ihren Bekenner aus der zeit- und raumbedingten Enge in die Freiheit ewigen Wirkens. Wie immer man zur augenblicklichen Situation der zionistischen Politik Stellung nehmen mag, unser Verhältnis zum Zionismus kann und muß davon unberührt sein. Wir erleben es in jeder politischen Bewegung, daß durch Ereignisse irgend welcher Art ein Wechsel der Führung und damit zugleich eine Aenderung des strategischen Kurses eintreten muß. Vielleicht soBte sich sogar in diesem Zeitpunkt der Misrachi die Frage vorlegen, ob er nicht jetzt gerade durch eine kulturideologische Stützung der erschütterten rein nationalen Kulisse im Zionismus einen starken Einfluß nehmen soll. Gleichviel — wir haben, jetzt nach 50 Jahren, keinen Grund zu verzweifeln, denn wir wissen aus unserer eigenen Geschichte, daß wir nicht immer auf dem kürzesten Weg in das Land unserer Väter gegangen sind:'^x s~i «in an? '3 cvc-Sb p« -pt.