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Zion · 1930-10-01 · 10-11 (10.1930) · p. Seite 130

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
10-11 (10.1930)
Date
1930-10-01
Page
Seite 130 (sequence 6)
Language
German
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Seite 130 Z I O N Nr 10/11 wird was vorgeschlagen? . Daß man den Arabern, die bisher nocli kein Land haben, Land und Geld zur Verfügung stellt, damit sie — das Land dann in derselben extensiven, unwirtschaftlichen Weise bebauen sollen, wie ihre bisher schon ansässigen Brüder, deren Methoden als rückständig bezeichnet weiden. Denen man für die Familie 60 Pfund Sterling zur Verfügung stellen will, damit sie neben einer Kuh sich einen mit Nägeln versehenen Handpilug und eine Egge kaufen können, womit sie, wie ein anderer landwirtschaftlicher Sachverständiger sagt, ein von der Sonne ausgedörrtes Feld aufritzen und ihm, etwas armseliges Futter für Ziegen entlocken können, während daneben in jüdischen Siedlungen Orangengärten blühen und Milchfarmen stehen. Die Verwaltung soll es, lesen wir, als ihr Ziel ansehen, daß Palästina sich selbst erhält, „seif supporting'" wird. Nun, die Jewish Agency hat in einem kurzen Heft „Palestine and the British Taxpayer" nachgewiesen, daß dies bereits der Fal'J ist. Daß es darüber hinaus das einzige Land ist, das türkische Schuld bereits zurückgezahlt, Aufwendungen aus Kriegszeiten vergütet hat und das überdies noch einen Teil der Ausgaben für Transjordanien trägt. Bisher also war es ,,self supportiing'". Jetzt sollen für eine armselige Ansiedlung 2 000 000 Pfund Sterling ausgegeben werden. Von wem, das weiß man noch nicht. Hope Simpson durfte die Frage offen lassen, das White Paper hätte sich darüber äußern müssen. Daß es dies unterlassen hat, hat seine Gründe. Und vom geldlichen Standpunkt hat die Sache noch eine zweite Seite. Bisher waren die Finanzen des Landes in Ordnung, weil in dies allen Juden geheiligte Erez-Israel, weil vor allem auch durch die Jewish Agency Gelder von außen her in einem Ausmaß flössen, der der Wirtschaft des Landes seinen Stempel aufdrückt. Glaubt man. daß diese Summen in gleichern Umfang weiter kommen werden, wenn jüdische Einwanderung gedrosselt, jüdische Arbeit behindert wird? Nüchterne englische Kritiker des Regierungsplanes haben ihren gelinden Zweifel daran ausgesprochen. Der finanzielle Aspekt hat auch auf die englische Presse in einem Maße Eindruck gemacht, der erheiternd wäre, wenn die Sache nicht zu ernst wäre. Die Times z. B. sind entsetzt über die Feststellung des Sachverständigen, daß sich unter britischer Verwaltung die Lage des Fellachen nicht über den Zustand hinaus gehoben hat, in dem sie in türkischer Zeit war. Eine Feststellung, die für englisches Gefühl beleidigend ist. Natürlich muß da sofort eingeschritten werden. AIxt mit der Einschränkung: der englische Steuerzahler darf für diese Kulturarbeit nichts zahlen! Durchgreifen will die Regierung, wie wir gesehen haben. Die ,,Landlosen" sollen Boden bekommen. Ein Plan, der — zitieren wir wieder einen englischen Beurteiler — einen Bauern in Großbritannien gelb vor Neid machen muß. Zum eisten Mal scheint man auf die Tai such? gestoßen zu sein, daß es einen Teil der Bevölkerung gibt, der kein eigenes Land hat. Araber siedeln auch in Marokko und Algier, oder sprechen wir von Ländern, die England unter seine Verwaltung genommen hal. in Transjordanien, in Mesopotamien, im Irak. Hai man Hope Simpson dort nach Landlosen Umschau hallen lassen? Mit Erez-Israel i'üngt man an, vermutlich, weil es das kleinste der Länder ist. Wie lange es dauern wird, bis die Ansiedlung der Landlosen durchgeführt ist, ist schwer zu sagen. Mathematisch ist das Problem nicht zu lösen. Denn die jetzt auf einige dreißigtausend Familien angenommene Ziffer ist ja nicht konstant. Sie vermehrt sich nicht nur durch den natürlichen Bevölkerungszuwachs. Wie hoch man immer die Fruchtbarkeit der Araber annehmen mag. so groß ist sie ja nicht, daß sie sich, wie in den Beisan-Ländcrn. im Verlauf weniger Jahre vervielfacht. Hier muß eine andere Vermehrung hinzukommen, die man auch als eine .,natürliche" bezeichnen kann. Daß sich in eine Gegend, in der Ländereien verleilt werden, über unbewachte Grenzen, wie die des Jordan, neue ..landlose" Familien hinüberziehen, ist auch „natürlich". Das wird auch weiter der Fall sein. Und da wird die Ausiedlungskommissi'on sitzen, die in dem kleinen Ländchen Land auf Land verleilt, mit Geld, das sie nicht hat, Land, das sie suchen wird. Bisher, wenn Land verteilt wurde, im Beisan. haben die ehemals Landlosen damit eine ganz hübsche und profitliche Spekulation getrieben und es den Juden angeboten. Dem will man jetzt einen Riegel vorschieben, der Bodenverkehr soll unter scharfe Rvgierungskontrolle kommen. Und all das soll nicht nur den Zweek haben, die Landlosen anzusiedeln, sondern die Maßnahmen sollen auch dazu dienen, wie emphatisch erklärt wird, die Beziehungen zwischen Arabern und Juden zu verbessern. Wieso? Geht man davon aus, dal? die Wurzeln der Feindseligkeit im Neid liegen, glaubt man denn, daß Ansiedlung, die Jahrzehnte dauern wird, in einem Stil, der den Angesiedellen ein knappes und kärgliches Existenzminimum geben wird, den Neid beseitigen wird auf ein Kolonisationswerk, wie es unsere begeisterten nationalen Siedler mit der äußersten Aufopferung und Unterstützung ihrer Brüder in der ganzen Welt errichtet haben, in dem Gefühl, auf einem Vorposten der

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