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Zion · 1930-10-01 · 10-11 (10.1930) · p. Seite 129

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
10-11 (10.1930)
Date
1930-10-01
Page
Seite 129 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 10/11 Z T O N RHt* 129 Man sieht also die große politische Konzeption der Balt'our-Deklarution. Das jüdische Volk, zerstreut in der ganzen Welt, wurde angesprochen, ihm wurde Hille bei der Errichtung seines Nationalheims zugesichert, es sollte durch eigene politische Vertretung der Mandatarmacht beratend, hellend und Anteil nehmend zur Seite stehen und die Bedingungen des Landes sollten so gestaltet werden, wie sie am günstigsten für die Errichtung des Jewish National Home wären. In nicht weniger als sechs Regierungserklärungen vor dem Lande, dem Völkerbund, der Lubour Party, wurde s_'it den Unruhen vom vorigen fahre der unerschütterliche Wille zur Durchführung des Mandates zugesichert. Wie im einzelnen diese Durchführung geschehen solle, sagt jetzt das neue Weißbuch: Suspendierung jüdischer Einwanderung, Restriktion weiterer Bodenkäufe durch Juden. Einschränkung der Rechte unserer Immigrationsämter. Einsetzung eines Legislative Council für Palästina, unter dessen 22 Mitgliedern vermutlich 3 (in Worten: drei) von den Juden zu zählen sein würden. Dieses Dokument hat eine Vorgeschichte. Sclv. n während des Krieges zeigte die Militärverwaltung eine antizionistische und teilweise sogar antisemitische Haltung. Man behandelte die Zionist-Com- ■mission mit offener Ironie und glaubte wohl auch, damit allein schon durchzukommen, glaubte, daß wir nicht imstande sein würden, das Heim aufzubauen. Die uns feindselige Tradition der Beamtenschaft wurde fortgesetzt, nachdem die militärische durch eine Zivilverwaltung ersetzt worden war. Es kam zur Abtrennung Transjordaniens, das zwar von dem gleichen Oberkommissar wie Oisjordanien verwaltet wurde, wo aber nicht nur die. Baliour-Deklaration keine Gültigkeil mehr hüben sollte, sondern wo auch trotz aller Proteste und aller Debatten im Völkerbund jede jüdische Einwanderung unterbunden wurde. Es kam zu dem Weißbuch von 1922. zu dem Legislative Council (das damals von den Arabern abgelehnt wurde), einer immer weiter getriebenen Einschränkung der Einwanderung, einer immer geringer werdenden Beschäftigung jüdischer Arbeiter und Beamten in öffentlichen Behörden und Betrieben und zu einer für uns sehr nachteiligen Stellungnahme in der Behandlung der Pächter und anderer Gruppen, die Ansprüche aus Ersitzung auf die von uns gekauften Böden machten. Die von bekannten Agitatoren hervorgerufenen Ueberfälle wurden sehr milde geahndet, der reichlich kompromitierte Hadsch Emin el Husseini wurde als Großmufti bestätigt. . Die offensichtlich parteiische Einstellung der Beamtenschaft erweckte in dem Mob die Ueberzeugung, d-.ift die Beamten mit ihnen sympatisierten. Unter Aufreizung des religiösen Fanatismus wurden die Unruhen von 1929 angezettelt. Die Shaw-Commisslon stellte zwar fest, daß die Ereignisse von Anfang an ein zügelloser Ueberfall (wanton attak) von Arabern auf Juden gewesen war: aber obwohl sie die zum mindesten höchst zweifelhafte Rolle des Mufti und der Effendis zugab, die in einer mehr als unsozialen Weise ihre eigenen Volksgenossen ausgesogen halten, wurde erstaunlicher Weise angedeutet, daß die jüdische Einwanderung und Kolonisalionsarbeit Schuld an der Entstehung der Aufstände gehabt habe. Diese Gelegenheit benutzte die Regierung zu zwei Maßnahmen: zur Suspension der Einwanderung und zur Entsendung eines landwirtschaftlichen Sachverständigen, der die Fragen der Einwanderung, Ansiedlung und Entwicklung prüfen sollte. Auf Grund dieser Dokumente und in Anschluß an den Bericht von Hope Simpson wurde das neue Statement of Policy erlassen. * Das neue Weißbuch ist, wie man sieht, nur eine Phase einer Entwicklung. Sie mußte kommen, wenn man den Sinn der Baltour-Deklaration, der ..Magna Charta Palästinas" vergißt. Der Zionismus hatte die Welt erkennen gelehrt, daß die Juden ein Volk und die Judenfrage ein internationales Problem ist, und über das Schicksal dieses Problems, um das Millionen von Juden ringen und für dessen Lösung sie unerhörte Opfer bringen, soll ein landwirtschaftlicher Sachverständiger entscheiden, der zwei Monate in einem ihm fremden Lande verbringt. Hat man je so mit dem nationalen Willen eines schöpferischen Volkes, hat man je so mit einer internationalen Verpflichtung Schindluder getrieben? Der Bericht des Sachverständigen — ein Rechenexempel. (Ein anfechtbares, wie wir sehen weiden.) Es sieht so aus: Das Land hat einen L'mfang von x. darin wohnen y Araber, von d^ne.\ jeder z an Bodenfläche gebraucht. Wir brauchen also, um sie alle seßhaft zu machen, an Fläche yz. Da aber in unserem Fall yz kleiner als x ist. so geht das Exempel nicht auf. Also — muß die jüdische Einwanderung eingestellt werden. Die Bodenfläche Palästinas ist zu klein. Hat man vielleicht d e s h a 1 b Transjordanien abgetrennt 'und die verfügbare Fläche damals auf weniger als die Hälfte reduziert? Die Abtrennung dieses Gebiets war ja auch schon eine der Ausführungsbestimmungen der Deklaration. Aber die Ansiedlungsflächc. sagt der Bericht, ist nicht absolut zu klein. Zu klein ist sie nur bei den gegenwärtigen landwirtschaftlichen Methoden der Araber. Wir arbeiten viel intensiver. Wir kommen mit weit weniger Boden aus. Wir könntnc auf g'eichcm Areal, viel mehr Mens ■' - ansiedeln. Da dies aber die Araber nicht

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