Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 9 (9.1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 125 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Z I O N Seite 125 wirkliehung" bedeutet — um eine Prägung des Grimme nahestehenden und darum auch dem Judentum freundwillig zugewandten Philosophen und religiösen Sozialisten Paul T i 11 i c h zu verwenden — ist mit Kerngedanken des Judentums geradezu identisch. „Gesinnung", die nicht Tat wird, ist wertlos; Religion, die nicht ins Soziale hineiingreü't. verdient den Namen nicht; zwischen Mensch und Gott darf es keinen Vermittler geben; das Ziel der Erziehung ist „die ihrer Eigen — und Mitverantwortung bewußte Persönlichkeit, die das Reich Gottes als Ziel aller Gemeinschalt in Ehrfurcht, Freude und Arbeit bejaht." (S. 53). Auch die Nationen haben nur einen sittlichen Wert, wenn sie „Religionsnationen" sind — und nun endlich folgt eine letzte, bewußte und bejahende Berufung auf das Judentum: wie es das Judentum war und ist und als welche es sich erhalten hat. (S. 58). Wir wissen nicht, inwieweit Grimme, der inzwischen den „Bund entschiedener Schulreformer" organisationsmäßig verlassen, noch zu sämtlichen pädagogischen Vorschlägen dieser früheren Programmschrift steht. Doch ist uns gewiß, daß seine Grundanschauungen sich nicht wesentlich gewandelt haben werden, und zu ihnen gehört die hier dargelegte und im Kern zutreffende Beziehung zum Judentum. Ludendorff früher. „Zur Unterstützung des Landes (des im Kriege besetzten Ostgebietes) ließen wir die Tätigkeit von auswärtigen Unterstützungskomitees zu; ich forderte nur, daß sie nicht einseitig bei der Hilfeleiistung an ihren Volksteil stehen bleiben, sondern andere gleichfalls bedenken. Die jüdischen Komitees, die über die meisten Mittel verfügten und sie auch aus Amerika bezogen, haben großzügig und nutzbringend gewirkt. Ihre Tätigkeit erwarb sich Anerkennung und bewies den starken Zusammenhang dieses Volkes. Die erste jüdische Volksküche, die in Kowno entstand trug meinen Namen. Der Feldrabbiner Rosenak hatte mich darum gebeten". (Erich Ludendorff, Meine Kriegserinnerungen" 1914—1918, 8 A, Berlin 1922). Von gesetzestreuer Jugend. Wer von Palästina aus mit sorgendem und teilnehmendem Herzen die Entwicklung der bewußt jüdischen und zionistischen Jugend in Deutschland beobachtet, wird sich auch auf der Urlaubsreise nicht mit den persönlich zu gewinnenden, natürlich allerwichtigsten Eindrücken allein begnügen,, sondern sie durch ein Studium der literarischen Selbstzeugnisse dieser Jugend zu ergänzen suchen. Das Material dazu liegt in drei Gruppen von Veröffentlichungen vor: den „Führer-Blättern des Esra", die nun schon im vierten Jahrgang erscheinen, der seit kurzem in Hamburg hektographiert herauskommenden Zeitschrift des Jugendbundes der deutschen Zeire Misrachi „Kol hanoar" und den von Rodges ausgehenden „Rundschreiben" des „Brith Chaluzim dathim". Von den Esrablättern ist besonders das vorletzte Heft (Nr. 4) hervorzuheben, das einen Rundbrief iiln zwölf Adressaten über das Problem des jungen Kaufmanns, seine Versuchungen in halachischer und ethischer Beziehung usw. bringt. Die Form der meisten Briefe ist zwar etwas kindlisch, die Lösungen sind weniger greifbar als die Fragen: aber daß überhaupt und daß so ernst gefragt wird, ist ein schönes Zeichen für diese Jugend. Auch die besten Führer freilich werden ihr aus dieser Problematik nicht helfen können, die keine ihrer individuellen Berufswahl ist, sondern eine des kapitalistischen Systems, das in alle Berufe eindringt und zu dessen Bekämpfung man sich wird entschließen müssen, wenn man nicht immer an Symptomen herumkurieren will. Diese Frage, also die des Sozialismus, bewegt die Jugend des Misrachi mit am stärksten und kommt auch, neben bündischen und palästinensischen Fragen, zum Teil im Zusammenhang mit diesen letzten, ernst in ihnen zum Ausdruck. Sie erfährt eine organisatorische Zuspitzung in dem Problem der Zugehörigket oder Nichtzugehörigkeit des „Hapoel Hamisrachi" zur „Allgemeinen Arbeiterorganisation" in Erez-Israel, eine Frage, die heut e die Jugend in Deutschland und zum Teil auch die in Palästina mit Recht wieder zu bewegen beginnt. Es gibt e i n Wort, das sowohl in den Esrablättern wie in „Kol hanoar" immer wieder auftaucht und ihnen in einem tiefen Sinne gemeinsam ist: das Wort „Rodges". Nr. 5 der Esrablätter berichten sehr wohlwollend über den „Brith Chaluzim dathim", als dessen Nachwuchsbewegung die Zeire Misrachi, der Esra und der Brith hanoar geschildert werden. In „Kol hanoar" beteiligen sich die Cawerim aus Rodges saclich und sachverständig nüchtern an der Diskussion „über das Alter des Eintritts in die Hachscharah". Und die „Rundschreiben" des Chaluzbundes selbst fügen zu diesem deutschen Zentrum noch die enge Verbindung mit dem gleichgerichteten palästinensischen hinzu: dem „Kibbuz Rodges" bei Petach Tikwa, dessen Mitglieder ja zum großen Teile aus unserem Rodges stammen und ständig mit ihm in Verbindung bleiben. Wer jetzt, wie der Schreiber dieser Zeilen,