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Zion · 1930-09-01 · 9 (9.1930) · p. Seite 126

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
9 (9.1930)
Date
1930-09-01
Page
Seite 126 (sequence 18)
Language
German
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Seilte 126 Z I 0 N Nr. 9 wieder in Rodges war, nachdem er um seine ersten Anfänge und um seinen langen schweren Weg weiß, versteht diese Mittelpunktsstellung der kleinen Siedlung. Als wir damals an die Gründung herangingen, konnten wir beinahe an den Fingern einer Hand die sowohl körperlich wie geistig-religiös wirklich geeigneten Kandidaten für das gesetzestreue Lehrgut abzählen. Jetzt umfaßt die Siedlung mit ihren beiden Filialen in Fulda und Burghaun manchmal nicht weniger als fünfzig Chawerim und für das Frühjahr wird die Anmeldungsziffer aus Deutschland von Kennern des Menschenmaterials auf etwa hundert geschätzt. Gewiß spielt hier auch die schwere Wirtschaftslage eine Rolle, die andere Berufe wohl weniger verlockend als früher erscheinen läßt und die auch die Sabbathhaltung noch mehr erschwert. Aber auch das ist ein Verdienst von Rodges, daß es in dieser schweren Zeit einen, freilich auch schweren, aber fruchtbaren und produktiven Ausweg zeigt. Möge sich das deutsche Judentum diese Chance erhalten, die es sich selbst einmal geschaffen hat. st a 11 neuen, noch unerprobten und viel kostspieligeren Experimenten, die in ähnlicher Richtung liegen, sich zuzuwenden! Zum Schluß sei ein Zeugnis über Rodges zitiert, das in Nr. 3 des „Kol hanoar" steht und vom einem Nichtrodgeser Chawer (Schlomo Frank) stammt. Es lautet: „Warum lieben wir alle Euer Rodges sosehr? Wir bewundern einfach den Mut, der in Euch steckt. Ihr nehmt Euch völlig unbekannte Menschen, die ihrem Alter nach noch ein zu Hause haben oder zumindest eins brauchten und stellt sie auf die Probe; beschleunigt eine Entwicklung, die nach Elternmeinung etwa drei Jahre dauert, indem Ihr diese Menschen absolut auf eins konzentriert, aufs Ziel, aufs Hinübergehen. Darum ist die Hachschara Rodges die schwerste und gewagteste. Sie stellt der Entwicklung bedürfende Menschen vor einen Zustand, der eben eigentlich erst das Ende einer Entwicklung sein sollte. Daß sie in ihrer schweren Feldarbeit nicht wankend werden, gleicht ihr Niveau aus, das ihnen geistig gegeben wird, durch den Schabbath, den Ihr erlebt (wer erzählt nicht von dem Schabbath in Rodges), durch Lernen und — schließlich auch durch Begeisterung". E. S. Sarah Kohn, Tel-Aviv, über soziale Arbeit unter den Jemeniten. „... Die soziale Lage der Jemeniten, besonders der kürzlich eingewanderten, zwingt die Eltern, ihre Kinder unbeaufsichtigt auf die Straße zu schicken, während sie selbst bei der Arbeit sind. Für die Söhne wird eher noch das zum Schulbesuch nötige Geld aufgebracht, die kleinen Mädchen aber bleiben ganz ohne Unterricht und Erziehung. Selbst wenn man es aber durchsetzen könnte, alle Kinder in eine Schule zu schicken, wäre auch das nur halbe Arbeit. Man müßte vielmehr einen Hort, zunächst nur für Mädchen im Alter von 6—9 Jahren gründen, der die Arbeit zu leisten hätte, in die sich sonst: die ersten Schulklassen und das Elternhaus teilen. Doch dürfte er die Schule nicht ersetzen, also keinen systematischen Unterricht geben, sondern die Kinder gerade einer Schule zuleiten. Ihm bliebe die Aufgabe, den Mädchen, die soiist außer der Schulzeit verwahrlost auf der Straße liegen würden, ein Heim zu geben und, soweit es ihm möglich ist, die Mutter zu ersetzen. Die elementarsten Schulfächer, wie Lesen, Schreiben und Rechnen könnten eventuell als Erleichterung des späteren Schulbesuches eingeführt werden. Man sollte annehmen, daß ein solcher Plan die Unterstützung der Stadt: Tel-Aviv finden würde, die einen geeigneten Platz und eine Baracke zur Verfügung stellen müßte. Nimmt man noch an, daß das Wasser umsonst: von der Stadt geliefert wird und daß technische und ärztliche Hilfe unentgeltlich zur Verfügung steht, so könnte die Gesamteinrichtung mit einfachem Inventar, etwas Spielzeug und Wäsche, einer primitiven Kücheneinrichtung und dem für einen kleinen, von den Kindern selbst zu bearbeitenden Gemüsegarten notwendigen Ausgaben mit 50 Pfund St. zu bewältigen sein. Dazu würden dann allerdings noch monatliche Ausgaben treten. Doch ist anzunehmen, daß diese durch Subventionen, Mitgliedsbeiträge und kleine Beihilfen der Eltern einzubringen sind, wenn die Sache erst einmal steht. Die besondere Wichtigkeit der Angelegenheit würde auch darin liegen, daß gerade für die orientalischen Juden, denen der Uebergang zur europäischen Zivilisation oft ihr ganzes traditionelles Judentum kostet, eine zielbewußte Ueberleitung unter religiöser Aufsicht und Führung lebenswichtig ist und vielleicht zu den Hauptaufgaben des Misrachi gehört..." Verantwortlich für die Redaktion: Alexander Adler, Berlin N 24, Monbijouplatz 10. — Verlag des „ZION": Alexander Adler, Berlin N 24, Monbijouplatz 10. — Druck: Itzkowski & Co., Berlin N 24, Auguststr. 69.

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