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Zion · 1930-09-01 · 9 (9.1930) · p. Seite 120

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
9 (9.1930)
Date
1930-09-01
Page
Seite 120 (sequence 12)
Language
German
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Seite 120 Z 1 0 N Nr. 9 Palästina mehr geschaffen, als die gesamte zionistische Bewegung und das im Wesentlichen bevor Herzl den Zionismus schuf. Es bleibt eine historische Merkwürdigkeit, daß der Geist der großen nationalzionistischen Bewegung es nicht fei l ig bekommen hat, noch ähnliche Finanziers zu ähnlicher Tätigkeit zu veranlassen, wie Baron Rothschild sie seit ca. 50 Jahren ausübt. „Die Skepsis eines Mannes", der in schwerer seelischer Bedrängnis an der nationalen Front Wege sucht zu einem friedlichen Zusammenleben, muß natürlich auch mit Ueberlegenheit abgewiesen werden, denn sie paßt nicht in die Illusion, die man sich in Europa und Amerika zurechtbastelt. Denn die Annahme dieser Skepsis könnte Konsequenzen fordern und das wäre unbequem. Die Frauen könnten nun mal nicht auf die Bequemlichkeiten europäischer Kultur verzichten und für die Kinder sind ja keine richtigen Schulen zur Erziehung hier. Und bei Anführung dieser Entschuldigungsgründe merkt man garnicht, daß man alles, was man fürchtet, hier entbehren zu müssen, schaffen kann, wenn man hierherkommt. In der Geschichte vieler Völker und auch in unserer alten Geschichte findet man vielfach, daß in Zeiten höchster nationaler Not, Frauen entscheidend eingegriffen haben. Die heutigen jüdischen Frauen werden für sich den Ruhm davontragen, daß sie zum guten Teil ihrerseits die Verwirklichung des Zionismus verhindert haben. Es wäre auch für uns sehr angenehm, wenn wir Palästina so werten könnten, wie es in Berlin gelehrt wird. Wir, denen „Erez-Israel nur Wert unter Werten*' ist, sind aber leider nicht in der Lage, Vogel-Strauß-Politik zu treiben, da wir sie mitunter mit Blut bezahlen müssen. Es ist absolute Desillusionierung notwendig; die Zionisten im Auslande müssen sich mit der wahren Lage auseinandersetzen. Nicht wir hier in Palästina untergraben die Voraussetzungen der Bewegung und erschüttern ihr Werk, sondern diejenigen Zionisten, die ihren Zionismus mit Ablaßgeldern unter dem Titel K.K.L. und K.H. verkaufen u nd damit glauben, Absolutionen zu erhalten. Die „müde etwas blutarme Haltung", die Wolfsberg bei Magnes sieht, entspricht wiederum der des Helden bei Remarque. Sie entspringt wohl der verzweifelten Auffassung, daß man mehr oder weniger auf verlorenem Posten steht, weil kein Ersatz zu erwarten ist. Wie soll Magnes in die Mitte des Volkes hinabsteigen, wenn das Volk in Amerika oder Europa ist? „Aber das ist gewiß, aus einer Gesinnung wie der von —" Wolfsberg hätte Herzl nie den Judenstaat geschrieben, denn es besteht wohl kein Zweifel darüber, daß Herzl nach dem Kriege mit dem ersten Dampfer nach Erez-Israel gegangen und auch hier geblieben wäre. Wenn schon „die seelische Nahrung vom Skopus unser Werk nicht fortführen läßt", um wieviel weniger dann die Reden und Artikel, gehalten und geschrieben in Berlin oder London? Est ist für europäische Zionisten nicht so schwer, dem „Führer auf seinem dornenvollen Wege mit Vertrauen zu folgen", denn er führt ja nicht) nach Palästina und es besteht daher keine Gefahr zur Uebersiedlung, man stürzt sich absolut nicht in besondere Unkosten, weder finanziell, noch geistig oder gar körperlich. Wolfsberg weist allgemeine Ausdrücke von Ernst Simon ,Sls maßlos zurück. Aber sollte ein Passus „wir anderen wissen, daß wir Geschichtliches zu leisten haben" nicht mindestens ebenfalls unter diese Kategorie fallen? Was heißt das „die Festlegung auf eine qualifizierte Minorität bedeutet meistens ein gewaltsames Stoppen eines normal wachsenden Organismus?" Wer stoppt gewaltsam die Entwicklung, wenn nicht diejenigen Kreise, die nicht nach Palästina gehen, obwohl keine Regierung sie daran hindert? Und warum sollte es ein Vorwurf sein, die vorhandene jüdische Minorität zu qualifizieren, da man keine Aussicht einer Majorisierung sieht? Ist es nicht gerade ein Zeichen größten Verantwortungsgefühles, wenn man das will? Wolfsberg führt an, daß „die zionistische Politik ihre wiederholten feierlichen Erklärungen gegenüber den Arabern immer ernst gemeint hätte". Wer zweifelt daran? Aber wen unter den Arabern interessieren Erklärungen einer Körperschaft, die nicht im Lande ist? Was würden Wolfberg wohlmeinende Redensarten und Versprechungen in Bezug auf ihn interessieren, die irgendwelche Menschen, denen er mit absoluter nationaler Abwehr gegenübersteht, sagen wir in Turkestan, machen? Wenn er überhaupt derartige Aeußerungen zu Gehör bekommen würde, wären sie wohl mit einem geringschätzigen Achselzucken für erledigt gehalten, ganz gleich, ob sie ernst gemeint sind oder nicht. Ich unterschreibe den Passus „das Wesen der Religiosität ist nicht Deklamation, sondern Keuschheit, Zniuth, und so wollen wir, möglich unpathetisch, aber ernst, Zion bauen und in Freundschaft zu der Brudernation der Araber nie vergessen, was ein Mensch dem Mitmenschen, eine Nation der Schwesternation schuldet". Aber dieser Passus ist wohl bei Wolfsberg eben nichts anderes als Deklamation. Als unser Tempel zum zweiten Male zerstört wurde, ging Rabbi Jochanan ben Sakkai mit we-

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