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Zion · 1930-09-01 · 9 (9.1930) · p. Seite 115

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Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
9 (9.1930)
Date
1930-09-01
Page
Seite 115 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 9 Z I O N Seite 115 Monate stattfindenden Weltkonferenz weiter im Amt zu belassen, ließ die deutsche -Landesorganisation die Erklärung abgeben, daß sie auf einem Delegiertentag zu der durch die Ablehnung ihrer Reorganisations-Vorschläge geschaffenen Situation Stellung nehmen werde. Nach dem Bericht des Merkas sind die zahlreichen Institutionen des Misrachi in Erez-Israel auch im abgelaufenen Jahre durchgehalten worden, wobei man sich allerdings klar machen muß, daß die hierzu erforderlichen Opfer nicht von der Organisation, sondern von den Angestellten dieser Institutionen gebracht werden mußten. Die Kritik, als deren Sprecher Deutschland und Holland auftraten, richtete sich gegen die Akkumulierung der Institutionen, denen keine ausreichende Geldaufbringungs-Organisation zur Seite steht und den Mangel der Oekonomie bei der Verausgabung der Gelder. Dem Delegiertentag des deutschen Misrachi, der am Sonntag nach n"- in Berlin sich mit der Lage beschäftigen wird und dem als Vertreter des Merkas Mosche Schapiro beiwohnen wird, kommt dah'-r besondere Bedeutung zu. V. Die Sitzungen des zionistischen Aktions-Comites und des Administrative Committee der Jewish Agencv hatten sich mit politischen, budgetären und organisatorischen Fragen -zu befassen. Ueber die politische Situation referierte auf der zionistischen Tagung YVeizmann allgemein, andere Mitglieder der Executive über die von ihnen bearbeiteten Detaillfragen, während im Administrative Committee neben Weizmann noch Warburg über seine Unterredung mit Lord Paßfield berichtete. Noch immer ist die Angelegenheit der Einwanderungs-Zertifikate in der Schwebe, noch immer betont die englische Regierung bei jeder Gelegenheit — so wiederum auf der Völkerbunds-Tagung vor einer Woche — den provisorischen Charakter der Maßnahme, die dem Prestige der Mandatarmaeht nicht nur auf jüdischer, sondern auch auf „neutraler"' Seite schweren Schaden gebracht hat. Noch immer betont England, daß man erst auf Grund des" Berichtes von Hope-Simpson in der Lage sein werde mit einem konstruktiven Programm an die Oeffentliehkeit zu treten. Wenn aber schon die Mandatskommission an der Haltung der Mandatarmacht während der Unruhen und an dem Bericht der Shaw-Kommission scharfe Kritik geübt hat, wenn man die nichtssagenden und viel verschweigenden Erklärungen des englischen Kolonialamts liest (auch die Aeu Gerungen Paßfields zu Felix Warburg gehören in diesen Zusammenhang), wenn weiter der Bericht eines Mannes, der ein guter landwirtschaftlicher Sachverständiger sein soll, aber nicht mehr, als Grundlage für ein Programm der nationalen Heimstätte für das jüdische Volk gemacht werden soll, so ist es verständlich, daß diesem „Programm" kein Vertrauen entgegengebracht werden kann, wenn es etwa ohne vorherige Verständigung mit der Jewish Agency verfertigt werden sollte. Die große Sorge, mit der das A. C. der jx)- litischen Entwicklung entgegensah, wurde nicht, behoben, als Weizmann am Schluß der Generaldebatte, mehrfach provoziert durch den Radikalen Stricker, Redewendungen gebrauchte, die nicht nur auf radikaler Seite als resignierende Aufgabe letzter Ziele zionistischer Entwicklung gewertel: wurden. Gewiß ist der ..Judenstaat" — Staat im noch heutigen Sinn des Machtstaates — nie zionistisches Programm gewesen. Aber Inhalt aller zionistischen Politik ist gewesen und mußweiter sein, eine so groß wie mögliche Einwanderung produktiver jüdischer Elemente nach Erez-Israel zu organisieren und die kulturellen und ökonomischen Bedingungen zu schaffen, um dem im Lande entstehenden Gemeinwesen, ohne die Rechte der nichtjüdischen Bevölkerung zu schmälern, den Charakter einer nationalen Fleimstätte für das jüdische Volk zu schaffen. Als Weizmanns Aeußerungen. die an Wucht und Entschiedenheit hinter denen seiner letzten Reden, etwa der in Jena, zurückblieben, als eine Aenderung des Kurses seiner bisherigen Politik gewertet wurde, entstand eine Erregung, der zunächst der Misrachi Ausdruck gab. indem er sogar die Zurückziehung seiner Mitglieder aus der Koalitions-Exekutive ankündigte. Mit Ujnrccht stellt aber die Jüdische Rundschau den Konflikt so dar, als ob lediglich der Misrachi Erklärungen abgegeben hätte. Die politische Deklaration der Linken war kaum, die der „Allgemeinen" sicher nicht schwächer in der Darstellung der Ziele zionistischer Arbeit. Wenn also die Rundschau nicht zufrieden mit der Haltung des Misrachi ist, so sollte sie die Allgemeinen und die Linke mit ihrem Tadel nicht verschonen. Auf die Frage Rabbi Brods vom Misrachi nach der Stellung der Exekutive zur jüdischen Mehrheitsbildung wurde die bekannte Erklärung Sachers vor der Shaw-Kommission verlesen und erklärt, daß diese damals auf Veranlassung Weizmanns abgegebene Erklärung noch jetzt politische Richtlinie der Exekutive ist. In der Tat wird man dieser nicht den Vorwurf machen können, daß sie nicht stets das Maximum an Einwanderung verlangt hat. das das Land aufnehmen kann. Und gibt man dies zu, dann sollte die Zwecklosigkeit von Diskussionen über Mehrheibbildung, über Heim- Stätte und Staat erkannt werden. Was wir von

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