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Zion · 1930-09-01 · 9 (9.1930) · p. Seite 114

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Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
9 (9.1930)
Date
1930-09-01
Page
Seite 114 (sequence 6)
Language
German
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Seite 114 Z I 0 N Nr. 9 von dem Interesse, den der Gedanke des interterritorialen Zusammenschlußes zur Sabbath-Heiligung gefunden hat. Wenn es aber möglich ist — was man vorläufig noch nicht beurteilen kann — durch eine Zentralstelle für die Erleichterung der m'cty na» zu wirken, so war der Kongreß in Berlin ein guter Auftakt. Hierzu trug im wesentlichen bei, daß es den Einberufern gelungen war, ihren Verband zu entpolitisieren. In den Kreisen der Aguda und in ihrem Organ wurde mit Stirnrunzeln bemerkt, daß Misrachisten hier eine Initiative entfaltet hatten auf einem Gebiet, das zum Tätigkeitsbereich der Aguda gehört, umd es wurde die Befürchtung laut, daß die Zusammenkunft zu misrachistischen Zwecken ausgenutzt werden würde. Wir brauchen nicht zu betonen, daß weder der Sabbathgedanke noch sonst jüdisch-religiöse Ideen zum Monopol der Agudah gehören und daß wir uns durch sie in keiner Weise übertreffen lassen in der Sorge um die Aufrechterhaltung und Entwicklung religiöser Werte. Aber der Gedanke, die Arbeit für den Sabbathgedanken zu propagandistischen Zwecken auszunutzen, ist Misrachisten und insbesondere den Einberufern der Versammlung nie gekommen, da ja gerade das uns von der Aguda trennt, daß wir die Pflege religiöser Werte hinausheben wollen aus dem Streit politischer Meinungen. Die Leitung der Agudas Jisroel hat auch offensichtlich die Befürchtungen übereifriger Politiker ihrer Organisation nicht geteilt und hat an der Kundgebung teilgenommen, die zu einer solchen des religiösen .,Klal'' geworden ist. Hat das Präsidium der Tagung nun mit Recht eingesehen, daß das Problem im wesentlichen ein wirtschaftliches ist und demzufolge die ökonomischen Fragen unterstrichen, so war es zu bedauern, daß Männer aus Industrie und Handel allzusehr zurücktraten hinler den Rabbinern, Es sind zwei Dinge, die heute das Sabbath-Halten erschweren: die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung nebst den behördlichen Vorschriften für Sonntagsruhe auf der einen Seite und die soziale Einstellung vieler jüdischer Arbeitgeber auf der anderen. Daraus ergibt sich, daß der jüdische Kaufmann die wesentliche Rolle in der Schomre-Schabbathbewegung zu spielen hat, daß sonst die ganze Arbeit ein Stoß ins Leere ist. Die Verdrängung der sabbathhaltenden (oft übrigens auch der nicht sabbathhaltenden) jüdischen Angestellten aus den in „Societes Anonymes" umgewandelten Firmen ist eine der ernstesten Seiten der Sabbathfrage. Wie wenige aber selbst von denen, die selbst den Sabbath halten, denken an die Zukunft ihrer Angestellten, oder gar daran, daß später Eintretenden die Obhut des Sabbath ermöglicht werden kann. Ist doch selbst die Führung vott1'Schdmre-Schabbath-Vereinen nicht frei von Männern, die in ihren Betrieben sabbathhaltende Angestellte nicht beschäftigen!;o nnr nryon h\ia nciyn , das sollte, wenn schon auf dem Sabbath- Kongreß Predigten gehalten werden mußten, nicht vergessen werden. Daß niemand seiner Pflicht dem Sabbath gegenüber genügt, wenn er nur selbst von der Arbeit ruht und nicht anderen die Möglichkeit gibt, im eigenen Betrieb und durch Ausnutzung seines Einflußes auf von ihm abhängige Betriebe (Lieferanten), als Angestellte das Gleiche zu tun. Der Sabbath-Kongreß war ein Beginn. Gleichgesinnte aus verschiedenen Lagern haben sich zusammengefunden, Projekte diskutiert. Möge die weitere Entwicklung Erfolge zeitigen! IV. Die Wiener Tagung des Waad Haroschi des Misrachi machte äußerlich einen recht guten Eindruck. Unsere Wiener Freunde hatten die Sitzung in ihren schönen Räumen gut vorbereitet und ihr in öffentlichen und internen Veranstaltungen einen guten Rahmen gegeben. Mit den Mitgliedern des Merkas waren alle Führer des Misrachi und Delegierte aus Erez-Isracl, den Vereinigten Staaten. Deutschland. Oesterreich, Holland, Belgien, der Tschechoslowakei. Polen. Ost- und Westgalizien. Litauen. Transsylvanien vertreten. In Raw Berlin und Lazarus Barth waren auch die dem Misrachi angehörenden Mitglieder der Zionistischen Executive anwesend und konnten über die allgemein-zionistischen Fragen Bericht erstatten. Schwierigkeiten aber boten die Aussprachen über die organisatorischen und finanzpolitischen Maßnahmen. Im Anschluß an die Kölner Besprechungen zwischen den deutschen, holländischen und belgischen Misrachisten hatte unsere deutsche Delegation detaillierte Pläne vorgelegt, die Vorschläge sowohl für die Finanzpolitik, wie für die Umgestaltung des Merkas enthielten. In der Permanenz-Kommission wurden diese Vorschläge vorgetragen und beraten, konnten sich aber leider nicht durchsetzen. Sowohl der Merkas selbst wie die amerikanischen und polnischen Mitglieder boten nicht die Hand zu Lösungsversuchen, die eine Abkehr von den bisherigen Methoden zur Bedingung hatten tirid die Hinweise auf die Mißerfolge der letzten Periode wurden nicht beachtet. Die ernsten Debatten in der Kommission und im Plenum zogen sich durch die drei Sitzungstage hin und dann durch eine weitere Nacht; wohl wurde nach einem Ausgleich der widerstrebenden Meinungen gesucht, es gelang indessen nicht, eine gemeinsame Linie zu finden, da die Majorität sich diese so vorstellte, daß über die starken prinzipiellen Bedenken der Minorität einfach hinweggegangen werden könne. Als endlich die Mehrheit beschloß, den bisherigen Merkas, bis zu der im Laufe der nächsten sechs

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