Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 9 (9.1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 113 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Z I 0 N Stite 113 stehenden Mitteln eine Neuorientierung herbeizuführen. Wir haben auseinandergesetzt, daß wir uns in einem magischen Zirkel befinden, unsere Propaganda wirkt nicht mehr, weil wir nicht genügend geistige Werte schaffen, wir können keine geistige Wirkung ausüben, weil unser moralischer Kredit gelitten hat, unser moralisches Ansehen geht mit unserer unsachlichen Wirtschaftsführung in Erez- Israel dauernd zurück, unsere Wirtschaftslage kann nicht gesunden, wenn nicht mit neuen Männern eine neue Methode der Arbeit in den Merkas einzieht. Zu der neuen Methode, zu neuen Männern hat sich der Waad Haroschi nicht aufschwingen können, mit den bisherigen kommen wir nicht zu neuer Propagandamöglichkeit — und da schließt sich der Kreis: ohne neue Führer und ein neues System keine Gesundung der Finanzen, ohne diese kein moralisches Gewicht, ohne ein solches keine geistige Wirkung, ohne geistige Wirkung keine Propagandawirkung. Dafür will und kann der deutsche M i s r a c h i die Verantwortung nicht t r a g e n. denn er hat Wege gesucht und gewiesen, wie man aus der Sackgasse, in der wir uns belinden, herauskommen kann. Man hat unsere Vorschläge nicht akzeptiert, dazu hatte man das gute Recht, aber man hatte die Pflicht, dann andere Wege zu suchen, andere Vorschläge zu machen, um den als unhaltbar erkannten Zustand zu überwinden. Ein Delegiertentag des deutschen Misrachi ist einberufen. Er hat die Aufgabe, als das der Landeszentralc übergeordnete Organ sich zu erklären, ob er der Haltung der Führer des deutschen Misrachi zustimmt und soll ihnen Direktiven für die Zukunft geben. Er muß zu der jetzt geschaffenen Lage Stellung nehmen und, falls er die Haltung der bisherigen Führerschaft billigt. Beschlüsse darüber fassen, in welcher W^cise sich die offene Opposition, in die wir dann der Organisation und dem Merkas gegenüber treten, auswirken soll. Das Ziel unserer Opposition ist die Reinerhaltung der misrachistischen Idee und Durchführung ihrer praktischen Aufgaben. Mit seiner ganzen Kraft muß sich der deutsche Misrachi hierfür einsetzen. Wir sind nur ein kleiner Teil der misrachistischen Gesamtbewegung, aber in allen Ländern befinden sich verantwortungsbewußte Männer, die so wie wir denken, sie gilt es zusammenzuschließen. Eine ausgedehnte Pressepropaganda muß die Misrachisten autklären r. nd sie vor die Entscheidung stellen. Wir müssen von uns aus Arbeit in Erez-Israel leisten, die als Muster und Beispiel dastehen soll und zeigen wird, was Misrachisten schaffen können. An die Jugend müssen wir herantreten, um ihr das Ideal zu geben, das sie benötigt. Arbeit auf allen Gebieten ist zu leisten. Wir hoffen, daß der deutsche Misrachi sich der Mission, die er zu übernehmen gewürdigt ist, gewachsen zeigt. Die Tagungen des Monats. i. Der abgelaufene Monat hat eine besonders große Zahl von Konferenzen gesehen, die unser Interesse in Anspruch nehmen. Tagungen, verschieden in ihrer Problemstellung, in der Art der Behandlung der Themen, dem Verhältnis der Delegierten zu den zu behandelnden Fragen, aber IL ähnlich einander darin, daß sie bestenfalls Teillösungen gebracht haben und alle, die es ernst meinen, in einer Unruhe um die zukünftige Entwicklung entlassen haben, eine Unruhe allerdings, die vielleicht förderlicher ist, als wenn man in satter Zufriedenheit geschieden wäre. Die Ungunst der Zeiten drückt schwer auf den Einzelnen und verlockt zu unheiligem Egoismus. ..Das Hemd ist mir näher als der Rock?* ..Charity begins at hörne" und andere Zitate (die ja eigenes Nachdenken ersparen) bekommt der zur Belehrung zu hören, der auch heute noch zu sozialer Tat aufruft. Eine Philosophie des asozialen Gedankens. — Der Pflicht der Wohltätigkeit kann man genügen, wenn man von reinem Ueberfluß gibt. Der soziale Gedanke, den das Judentum lehrt, ist das -ja? -pn« »m, daß der Bruder den gleichen Anspruch an das Leben hat wie Du und Du die Verpflichtung hast, ihn ihm zu gewähren. Gerade die Ungunst der Zeiten zwingt also dem einzelnen doppelte Pflicht dem anderen gegenüber auf. Doppelte: neben dem Geben auch zu werben. Nur wenn der Kreis der Gebenden vervielfacht wird, können die Institutionen hinübergerettet werden in bessere Zeiten. Diese Mahnung muß in all ihrer Banalität vorausgestellt werden, ob sie in den Zusammenhang paßt oder nicht, in einer Zeit, die eine Zeit der großen Not ist nicht nur für den einzelnen, sondern in viel größerem Maß noch für die Gesamtheit, 'sy Vrv — einzelne Bedürftige wird es immer geben, aber '3;' im die Gesamtheit darf nicht verarmen. III. Ein erster Versuch war der Kongreß der neuen noir Weltorganisaton in Berlin, der nach verschiedenen Richtungen bemerkenswert war. Er mußte als ein erstes Hinaustreten in die Oeffentlichkeit zunächst als eine Demonstration wirken, und dürfte dies mit gutem Erfolg getan haben. Eine große Anzahl von Delegierten der verschiedensten Länder füllte den großen Saal und gab Zeugnis