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Zion · 1930-09-01 · 9 (9.1930) · p. Seite 112

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
9 (9.1930)
Date
1930-09-01
Page
Seite 112 (sequence 4)
Language
German
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Seite 112 Z I 0 N Nr. 9 unsrigen moralisch einwandsfreie Geschäftsgebahrung sein sollte, und daß die Häufung von Schulden auf Schulden ohne Aussicht auf deren Abtragung einer solchen Geschäftsführung nicht entspricht. Daß man auch auf dieser Tagung des Waad Haroschi, auf der die Folgen der bisherigen Wirtschaftsmethode so deutlich wurden, nicht die sittliche Kraft hatte, radikale Aenderungen durchzuführen, läßt uns daran verzweifeln, auf dem Wege friedlicher Entwicklung zur Gesundung zu kommen. Wir wollen kurz darlegen, was sich auf der Wiener Tagung abgespielt hat. Raw Berlin gab einen Bericht über die Lage der Organisation in Erez-Israel, der die von uns gehegten Befürchtungen noch weit übertraf. Er sagte klar und deutlich, daß es nicht weiter gehen könne, wie es bisher gegangen war, das alles, was wir bisher erreicht und geschaffen haben, durch das Versagen vieler Landsmannschaften in finanzieller Beziehung, in höchster Gefahr sei. Er erklärte, daß der Merkas sein Amt niederlege und es nicht wieder aufnehmen würde, wenn ihm nicht die Geldmittel zur Verfügung gestellt würden, die zur Abtragung von Schulden und - zur Weiterführung der Arbeiten notwendig seien. Raw Fischmann glaubte, den Bericht seines Kollegen abschwächen zu müssen und erklärte, daß seiner Auffassung nach die Lage nicht so schlecht ist, wie Raw Berlin sie geschildert hatte. Mosche Schapiro, der in Zürich erst als Vertreter des Poel-Hamisrachi in den Merkas gewählt worden war, gab eine Uebersicht über den Stand der Finanzen, aus der hervorging, daß eine Schuldenlast vorhanden ist, vier mal so groß als das jetzt vorgeschlagene Jahresbudget. Unter dem Eindruck dieser Berichte wurde eine Kommission aus 10 Personen eingesetzt, die sich mit allen Fragen, besonders aber mit der finanziellen bescliäftigen sollte. Es lag nur ein ausgearbeiteter Plan für eine finanzielle Reorganisation vor, der von der deutschen Landeszentrale eingereicht war. Er basierte darauf, daß die Führer der Länder sich persönlich haftbar verpflichten sollten, bestimmte, niedrig bemessene Beträge für einen Zeitraum von io Jahren aufzubringen. Auf Grund dieser. Verpflichtungen sollte eine Anleihe aufgenommen werden, mit der man versuchen sollte, die alten Schulden zu regulieren. Das neue Budget sollte von Amerika und einer Anzahl anderer Länder aufgebracht werden, die keinerlei Verpflichtungen in dem Anleiheplan übernehmen sollten. Dieser Plan mußte fallen gelassen werden, weil außer der deutschen Landsmannschaft, die sich] zur Aufbringung von 20 Prozent der Garantie und der Anleihe verpflichten wollte, die Führer anderer Länder keine persönlichen Verpflichtungen eingehen wollten. Anstatt nun, wie wir es erwartet hatten, zu versuchen, andere Pläne zur Sanierung der Finanzen zu besprechen, befaßte man sich nur noch mit einem Plan, der von Raw Berlin vorgelegt worden war und der sich ausschließlich mit der Verteilung der eingehenden Gelder befaßte. Dieser Plan, nach dem Gelder nicht mehr an den Merkas, sondern nur noch an die Misrachi Bank gezahlt werden sollten, die dann mit einer kleinen Kommission zusammen die Verteilung in der Weise vornehmen soll, daß ein bestimmter Teil zur Tilgung der Schulden benutzt wird, ein zweiter an den Poel Hamisrachi und der Rest an den Merkas zur Durchführung der laufenden Arbeiten gezahlt werden soll, wurde angenommen. Unserer festen Ueberzeugung nach wird dieser Plan eine Arbeit für die Zukunft absolut illusorisch mächen, er wird automalisch zur weiteren Vergrößerung der jetzt schon bestehenden Schulden führen, trotzdem das Budget in so engen Grenzen gehalten wurde, daß ohnehin schon konstruktive Arbeit in Erez-Israel gar nicht mehr zu machen ist. Es wurden dann lange Verhandlungen geführt über die Zusammensetzung des neuen Merkas. Auch hierfür lag von uns ein Plan vor, der mit der Vergangenheit nicht ganz brechen wollte, aber Verhältnisse geschaffen hätte, die mit dem alten System des über die Kräfte hinaus Wirtschaftens gebrochen hätten. Von Erez-Israel lag ein noch weitergehender Plan vor, daß ein neuer dreigliedriger Merkas gebildet werden sollte, neben dem, ohne Einfluß auf die laufenden Geschäfte, die Rabbanim Berlin und Fischmann als Vorsitzende der Organisation und des Waad Haroschi fungieren sollten. Aus diesem Plan ersieht man, wie weit auch in Erez-Israel das Vertrauen zu der bisherigen Führerschaft geschwunden ist. Der Waad Haroschi lehnte diese beiden Vorschläge ab. Auch andere, im Laufe der Debatten gemachten Kombinationen wurden verworfen und schließlich kam es so weit, daß der gesamte bisherige Merkas wieder in sein Amt eingesetzt und ihm sogar eine Vertrauenserklärung gegeben wurde. Unsere Vertreter, die Herren Dr. Arnold Barth und Alexander Adler, sahen sich, im Einverständnis mit der Landeszentrale des deutschen Misrachi und zugleich im Namen der holländischen Landsmannschaft, im letzten Stadium dieser Verhandlungen gezwungen, eine Erklärung dahingehend abzugeben, daß sie sich weiter an den Beratungen nicht beteiligen könnten, und auf einer in kürzester Zeit einzuberufenden Delegiertentagung ihrer Länder beantragen würden, Konsequenzen weitgehender Natur aus der Situation in der Weltorganisation zu ziehen. Unsere Vertreter lehnten es auch ab, einen Budgetanteil für uns zu übernehmen. Wir haben versucht, mit allen uns zü Gebote

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