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Zion · 1930-08-01 · 8 (8.1930) · p. Seite 107

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
8 (8.1930)
Date
1930-08-01
Page
Seite 107 (sequence 17)
Language
German
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Nr. 8 Z I 0 N Srite 1Ö7 gemeinen fordert diese Art Zionismus tatsächlich von jedem ihrer Anhänger, die totgeweihte Diaspora, die feindselige Fremde, wo lediglich Schein- und Schattenjudentum existieren kann, zu verlassen, sobald irgend die Möglichkeit dazu besteht und in die allein Judesein gestattende Heimat zu ziehen. Anders liegt jedoch die Sache, wenn bei der zweiten Grundauffassung des Zionismus Zion aulgebaut werden soll als das — gleichgültig, ob eine halbe oder drei Millionen Juden zählende — nationale Zentrum des ganzen jüdischen Volkes, wobei die Diaspora im Sinne des Umkreises notwendig mitgedacht, mitbejaht wird. Dann ist ja gerade die Stärkung der Diaspora eine Hauptfunktion des ..Zentrums'", die aber nicht so gedacht werden darf, als ergösse sich von Zion her ein Gnadenstrom über die lediglich ergeben empfangende Diaspora, sondern einzig im Zusammenhang mit deren eifrigster, tätigster Eigenarbeit und Mitwirkung. Die Diaspora muß nach wie vor alles tun. was irgend in ihren Kräften steht, um ihre jüdische Erbwelt zu erhalten und zu pflegen, nur daß sie jetzt von Erez-Israel her Anregungen erhält und ihre Anstrengungen geistige und moralische Förderung erfahren. Dieser an Achad FI a a m orientierte Zionismus fordert also nicht wie die andere Auffassung, abgesehen von einer gewissen Uebergangszeit, ausschließlich Palästinaarbeit und eigene Uebersiedlung nach Erez-Israel, sondern er koordiniert oder genauer verflicht ineinander die Arbeit für Zion und für die Diaspora. Praktischer Zionismus bedeutet jetzt Pflege des die Erhaltung, Belebung. Höherentwicklung des Diasporajudentums und der jüdischen Erbweltselemente aller Art in sich begreifenden Zionsgedankens nach seinem vollen Inhalt und Umfang, finanzielle, geistige und jede sonst erforderliche Mitarbeit an seiner Verwirklichung, d. h. der Besiedlung Erez-Israels, Förderung der Hachscharah und Alijah der körperlich und seelisch Geeigneten und Willigen, persönliche innere Verbindung mit dem neuen Leben und Schaffen im nationalen Zentrum. Für den M i s - rachisten gilt es, dies alles mit dem Bewußtsein besonderer Verpflichtung im Geiste des geschichtlichen, religiös-nationalen Judentums zu tun, Sorge zu tragen, daß in Erez und Chuz laarez das religiös-nationale Element, gestärkt werde, — durch Leben und Leistung die Echtheit des eigenen Ringes zu erweisen. Aber persönliche Dauerniederlassung in Erez-Israel kann nicht zu den allgemeingültige n. allgemeinverbindlichen Forderungen eines Zionismus gehören, dessen Wesen die K o r r e 1 a l i o n zwischen Mittelpunkt und Umkreis, zwischen Zion und Diaspora ausmacht. V. Die Ausführungen Rabbi B i n j a m i n s im ganzen wollen und werden hoffentlich auch das inisrachistisehe Gewissen aufrütteln. Ohne Zweifel, der Misrachi hat bisher seinen eigenen Weinberg schlecht gehütet. Er hat sich viel zu wenig um die Klärung seiner theoretischen Grundlagen bemüht, viel zu wenig Sorgfalt auf Entwicklung einer hochstehenden Literatur und Presse verwandt, viel zu wenig für seine finanzielle Kräftigung, organisatorische Festigung und Erweiterung getan, viel zu wenig um Hachscharah sich gekümmert, viel zu wenig die Alijah aus seiner Mitte gefördert, überhaupt viel zu wenig in der Diaspora und besonders in Erez-Israel geleistet. Daß Rabbi B i n j a m i n auf vereinzelte Sünden solcher Art eindringlich, vielleicht ein bischen übertrieben sogar, hinwies, verpflichtet uns nicht minder zu Dank und Aberkennung als die praktischen Vorschläge, die er in seiner soeben neu erschienenen dritten Veröffentlichung i) macht. Allein, was das von ihm selbst als Kern seiner „Frage" Bezeichnete, was seine — wie gezeigt wurde — allgemein zionistisch bedeutungsvolle Grundfrage betrifft, müssen wir sagen: sie ist falsch gestellt, insofern sie die Dinge etwas zu einfach, zu primitiv nimmt. So wenig wir unsere Probleme übermäßig komplizieren dürfen, so wenig dürfen wir sie allzu sehr vereinfältigen. | Professor Dr. Ed. Baneth Hr?, | Von Oskar Wolisberg. Wir hatten Professor Baneth zu seinem 75. Geburtstag, der am 15. Aw begangen werden sollte, eine offizielle Ehrung seitens des Misrachi zugedacht. Gerade wollte ich mit dem Entwurf einer hebräischen Adresse beginnen, da kam die Kunde von seinem Heimgang. Am 13. Aw verließ er uns, am 14. haben wir ihn zur Rulle gebettet. Der große erste Trostsabbath konnte diesen unseren frischen Schmerz nicht lindern, wehmütig beginnen wir den icrta ratr. Noch oder wieder erfüllten uns Trauerklänge, die bereits mit 2»2 'a ihren Abschluß hätten finden müssen. Diese Zeilen, die ich zum Gedächtnis des teueren Heimgegangenen schreibe, können keine umfassende Würdigung geben. Das gelehrte Werk werden andere anderwärts feiern: hier ist nicht der Ort. und ich bin nicht der Mann dazu. Und doch läßt es sich nicht einen Moment hinwegdenken aus seinem Leben und nicht herauslösen aus seiner Persönlichkeit. Die Gelehrsamkeit und die Produktion ist konstitutiv für seine Gestalt, sie gibt seinem Leben den Hauptinhalt. Auch w a s er schuf, ist von Bedeutung für das Eindringen in sein Wesen. Seine größeren Arbeiten, die allgemein bekannt sind, erweisen seine Bedeutung als Talmudist und Halachist und seine wissenschaltliche Erudition. So kommt die glückliche Verbindung der talmudischen (ic k hrsamkeit und historischen Schulung in seiner Arbeit ..Ueber den Ursprung der Saddokäer und Boethosäer", mit philosophischem Können in der ...Mischna Abot mit Maimunis arabischem Kommentar", mit mathematischem und astronomischem Wissen in der Arbeit über den Rambam als Chronologen und Astronomen, sowie die Abhandlungen über den Kalender überhaupt zum Ausdruck, so ist sein Kommentar und seine Uebersetzung von Seder Moed eine Leistung staunenswerten Fleißes und beachtlicher Vielseitigkeit. Hier und in den Arbeiten, wo er ethischen Motiven im Talmud nachspürt, ist der alte Talmid Chacham wohl am Werk, doch vertraut er sich der wissenschaftlichen Methodik und der modernen Problemstellung an. stellerische Arbeit Gestalt annimmt. Verwandt, aber In hebräischen Abhandlungen z. B. in Wohlgemuths ,.Jeschurun'" stehen eine Reihe Abhandlungen unter dem Titel ir6»w er -">v; er -ryt 3nn»n nap7 rvisj in denen seine rein rabbinisciie schriit- 1) Hahed, 5690. Heft 10.

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