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Zion · 1930-08-01 · 8 (8.1930) · p. Seite 105

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
8 (8.1930)
Date
1930-08-01
Page
Seite 105 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 8 Z I 0 N Seite 105 Nach Fortfall der ersten und vierten Möglichkeit bleiben noch drei Stellungnahmen übrig. Die Entscheidung jedoch für Vorherrschaft der Umwelt wie auch für Synthese von Erb- und Umw'elt — zwei Formen der „Galuthbejahung" — lehnt das zionistische Denken in dieser Ausschließlichkeit ab, was einer näheren Begründung hier nicht bedarf. Die Entwicklung endlich für Alleinherrschaft der jüdischen Erbwelt ist praktisch gleichbedeutend mit Zionismus. Ob sich Zionismus notwendig mit reiner „Galuthverneinung" deckt, steht keineswegs im voraus fest. Es kommt darauf an, welches Ziel er eigentlich verfolgt, was er eigentlich mit Zion will. III. Nach 33 Jahren Kongreßzionismus sei also wiederum gefragt: was wollen wir in Zion? Um wirklich Klarheit zu gewinnen, ist vor allen Dingen streng die Unterscheidung durchzuführen, auf die unlängst Rabbi K u k und — mit ein bißchen anderen Worten — immer schon Arhad H a a m hinwies: zwischen messianischer Zeit (jemoth hamaschiach) und Landesbesiedlung (jischuw haarez). Die messianisehe Zeit als die der vollen Erlösung (geulah) bestimmt sich, soweit sie das jüdische Volk selbst angeht, hauptsächlich durch die Merkmale der Sammlung der Zerstreuten Israels in der alten Volksheimat, seiner gänzlichen staatlichen Selbständigkeit und Unabhängigkeit dort und der Wiedererrichtung eines zentralen Kultheiligtums an der Städte des einstigen Tempels. Die Landesbesiedlung dagegen bedeutet lediglich materielle und ideelle Stärkung der jüdischen Bevölkerung Palästinas, Förderung jüdischer Einwanderung, zivilisatorische Hebung des Landes — alles im Rahmen des Möglichen und Erlaubten. Während die messianisehe Erlösung Gegenstand religiös-nationalen Glaubens, Hoffens, Betens ist, aber unmittelbares und eigentliches Arbeitsziel, trotz der vielfachen „pseudomessianischen" Bewegungen, weder sein kann noch darf, bildet die Landesbesiedlung eine dauernde praktische Forderung an jede Generation, die stets, so gut oder schlecht es gerade ging, betätigt wurde i). Freilich besteht ein innerer Zusammenhang zwischen dieser Aufgabe und jener Hoffnung: die messianisehe Erlösung ihrem vollen Sinne nach ist das absolute Endideal der jüdischen wie überhaupt der allmenschlichen Geschichtsentw icklung 2), die Landesbesiedlung immer nur ein Durchgangsziel, eine Station auf dem Wege zur letzten Bestimmung. „Das Ende i) Vergl. für die Zeit bis ins 15. Jahrhundert J. L. Fischman n, Habonim harischonim, 1. Teil, Jerusalem 56S4. 2) Vergl. J. Klausner, Harajon hamesehichi bejisrael. 2. Aufl., Jerusalem 5687. darf man nicht drängen", die endgültige Erlösung der messianischen Zeit kann man nicht mit Händen machen, aber sie vorbereiten, ihr die Bahn ebnen darf und soll man — nicht am wenigsten durch Besiedlung des Landes auf der Grundlage der Gesetzesüberlieferung und mit der Blickrichtung auf die nationale und universale messianisehe Idee 1). Was will nun der Zionismus sein, messianisehe Bewegung oder Landesbesiedlung? Für den Misrachisten gibt es offenbar nur eine Antwort: Zionismus ist Besiedlung) des Landes, j i s c h u w h a a r e z, mit modernen Mitteln. Diese Feststellung läßt aber noch zwei verschiedenartige Deutungen zu, deren eine Jakob Klatzk i n, die andere Ach ad Haam mit besonderer Klarheit entwickelt hat. Klatzkins Auffassung beruht auf radikaler Galuthverneinung. Seit dem Einsturz der Ghettomauern ist die Diaspora rettungslos dem Untergang verfallen. Ihr Dasein entbehrt jedes Sinns und jeder Berechtigung. Um überhaupt weiterleben zu können, muß das jüdische Volk im strengsten Wortverstand „repatriiert", in seine Volksheimat zurückversetzt werden. Nur ein Teil der heutigen Weltjudenheit freilich vermag nach Erez-Israel auszuwandern, aber auf ihn gerade kommt es an, er allein bildet das ganze zukünftige Judenvolk. Die Diaspora muß solange künstlich erhalten bleiben, bis durch sie Palästina aufgebaut ist. Nachher wird und soll sie verschwinden. Jude sein heißt dann in Erez-Israel wohnen und Hebräisch sprechen. Das jüdische Volk lebt in . seinem alten. Stammland oder nirgends mehr. Zion soll hier also buchstäblich die „Heimstätte" des jüdischen Volkes werden, Landesbesiedlung bedeutet Seßhaftmachung des allein rettbaren und übrigbleibenden Restes der heutigen Judenheit in Palästina. Die andere Auffassung, die Lehre A c h a d H a a m s. begegnet immer noch fast allgemein den erstaunlichsten Verkennungen. Daher sei die Versicherung erlaubt: A c h a d Haam besaß genügend Verstand, um einzusehen, daß die Gründung eines Museums, einer Universität und einiger Schulen in Palästina nicht das ganze Ziel des Zionismus ist. In Wahrheit sucht A c h a d H a a m das Notwendige mit dem Möglichen zu vereinbaren. Er geht von der Tatsache aus. daß es eine große Weltjudenheit gibt, die, Ausnahmen abgerechnet, durchaus weiterleben will, aber immer mehr ihre Einheit und die Einzelinhalte ihrer Erbwelt, wie wi,r es nannten, verliert, andererseits auf keine natür- 1) Ueber Jischuw haarez in Beziehung zu geulah vergl. J. H o f f "m a n n, „Jüd. Wochenblatt'", Frankfurt a. M. 1912, Nr. 12.

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