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Zion · 1930-08-01 · 8 (8.1930) · p. Seite 97

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
8 (8.1930)
Date
1930-08-01
Page
Seite 97 (sequence 7)
Language
German
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Vs Z I 0 N Seite 97 erfolgreich für das religiöse Budget zur Besoldung von Rabbinern, Schochtim usw. sowie zur Befriedigung anderer religiöser Bedürfnisse in den Kolonien bemüht hat. Andererseits kann man der traditionellen Judenheit als ganzer nicht den Vorwurf ersparen, daß sie nicht von allem Anfange an von 'sich selbst und von der zionistischen Exekutive ein» Budget für diesen Zweck gefordert hat. das gleich zu Beginn des ländlichen Jischuw hätte bereit sein müssen. Wer das Leben der Kolonisten in irgendeinem neuen Siedlungspunkte im Lande kennt, der weiß., daß es ihnen trotz allen guten Willens absolut unmöglich ist. ihre religiösen Bedürfnisse aus eigener Kraft und ohne fremde Hilfe zu befriedigen. Diese neuen Ansiedler kommen ja meist auf einen vollkommen unbebauten Boden, den noch kein Strauch und kein grüner Rasen ziert, auf dem es weder Schatten noch Wasser gibt. Die Erlangung de'r ailernotwendigsten Bedürfnisse wie Brot und Wasser vollzieht sieb, nur unter den größten Schwierigkeiten. Man muß manchmal kilometerweit mit dem Kruge auf der Schulter um Wasser gehen oder einen ganzen Tag warten, bis ein Bäcker von irgendeinem anderen Orte her das Brot bringt. In den ersten Jahren deckt der Ertrag nicht die Ausgaben für den so lange vernachlässigten Boden. Del objektive Betrachter wird immer wieder über die große Hartnäckigkeit des neuen Siedlers in Erstaunen geraten, der ein so schweres Leben fühlrt und wahrhaft wie ein Lastesel ohne jedes Zeichen der Ermüdung und Schwäche arbeitet, gestützt durch einen starken Glauben und eine große Hoffnung auf kommende Tage, da der Boden in seinem geliebten Lande ihm Frucht tragen wird, und er ein Bauer sein kann, der seines Brotes sicher ist. Und wenn man noch dazu bedenkt, daß all diese Juden aus den Städten Europas oder Amerikas stammen und meistens in Gymnasien, Schulen oder Lehrhäusern ausgebildet worden sind, dann wundert man sich noch viel mehr und sagt wohl: Falsches Zeugnis hat man über uns abgelegt, daß wir ein Volk von Kaufleuten seien. Nein, Bauern waren unsere Väter in der Vorzeit! Jahre sind vergangen, und der Bauer sieht schon den Segen seiner Arbeit, aber noch steckt er tief in Schulden: an die zionistische Exekutive und an andere Institutionen; noch ist er ganz und: gar mit der wirtschaftlichen Arbeit beschäftigt und der Sorge um seine Ernährung hingegeben. An die religiösen, kulturellen und pädagogischen Notwendigkeiten kann er wirklich noch nicht denken. Leistete man ihm nicht für diese Dinge Hilfe von außen, dann könnte er bald gänzlich profan werden, ein wirklicher „Bauer". Und das haben wir nicht gewollt! Nun kann man sagen: in der Tat, Schochtim, Synagogen usw. sind eilige Dinge, die mar! sofort bereitstellen muß, aber ein Rabbiner, ein geistiger Führer? Er ist nicht weniger wichtig, und man soll seine Ernennung nicht hinauszögern. Wenn auch in der Diaspora eine jüdische Gemeinde von weniger als hundert Menschen noch keinen Rabbiner ernennt, so darf das nicht für Erez-Israel' mit seiner ganz anderen Lage maßgebend sein. Ein palästinensischer Siedlungspunkt, der jetzt noch weniger als hundert Kolonisten hat, besitzt in zwei Jahren, mit Gottes Hilfe, vielleicht die fünffache Menschenzahl, und in noch fünf Jahren möglicherweise die fünfmal fünffache. In der Diaspora wünscht man einem Rabbiner, er möge zu einer großen Gemeinde kommen: in Erez-Israel: seine Gemeinde möge groß werden. Wenn Du aber sagen willst: Nun, warum muß man sich dann so beeilen, so ist die Antwort: ganz klar: In der Diaspora hat jede jüdische Gemeinde ihre feste und von altersher wohlbegründete Tradition des religiösen Lebens, denn sie ist ja nicht erst gestern gegründet worden. Die Siedlungen in Erez-Israel aber werden heute geschaffen, entwickeln und stabilisieren sich jetzt, in unserer Zeit, unter völlig anderen und neuen Lebensbedingungen. Ihr Menschenmaterial stammt aus den verschiedensten Ländern und den verschiedensten Kreisen, die sich alle individuell voneinander unterscheiden, sowohl in ihren Ansichten wie in ihren Gebräuchen. Eine allgemeine Lebensform, die durch feste Tradition geprägt wäre, existiert kaum. Nur eins hält alle zusammen: der glühende Wunsch, unser Land aufzubauen. Alle beeinflussen sich gegenseitig. Es ist kaum vorauszusagen, welchen Charakter und welche Färbung das Leben infolge dieser vielfach gemischten Einflüsse und Meinungsverschiedenheiten annehmen wird, insbesondere im Religiösen und Traditionellen. Ohne geistigen Führer, der es versteht, das Leben von vorneherein in religiöse Bahnen zu lenken, kann es eine durchaus unerwünschte Form annehmen. Nun ist ja allerdings der Zionismus, d. h. also der Gedanke der Wiedergeburt des jüdischen Volkes gerade und nur in seinem alten und heiligen Lande, von seinen Wurzeln her ein religiös-nationales Ideal, (das vors der Religion und der Tradition in die Herzen aller Juden eingepflanzt wurde, seitdem wir zum Volke geworden sind. Aber die langen Jahrhunderte der Diaspora haben zwangsläufig dieses Ideal immer mehr zu einer Angelegenheit des bloßen Glaubens und der theoretischen Hoffnung gemacht. Eines starken Glaubens allerdings, dem aber doch die Fähigkeit abgeht, sich eine greifbare Wirklichkeitsform ziii geben. Die Wirklichkeit des täglichen Llebtens in der Diaspora war sehr weit von

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