Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 8 (8.1930)
- Date
- 1930-08-01
- Page
- Seite 96 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 96 Z I 0 N Nr. 8 praktische Mitarbeit und durch das Beispiel selbstloser Hingabe als äußere Kennzeichen dieser Tätigkeit: Und endlich Schaffung und Förderung einer misrachistisch gesinnten Arbeiterschaft und Organisierung einer eigenen Jugend und deren Erziehung zur Chaluziuth als drittem Aufgabenkreis, dessen Arbeitsfeld gleichmäßig verteilt werden muß auf Erez-Israel und die Golah. Anstatt alle diese unumgänglich notwendigen Arbeitsgebiete durch für die einzelnen Zweige geeigneten Kräfte systematisch zu bearbeiten, und zwar im Einklang mit den Geldmitteln, die zur Verfügung stehen, zog man einzelne Dinge, wie z. B. das Schulwerk und die Anstellung von Rabbanim und Schochtim in den Vordergrund, legte die ganze zur Verfügung stehende Arbeitskraft hier fest und engagierte sich mit Geldmitteln, die aufzubringen dem bestehenden Apparat unmöglich war. Es entstand eine Schuldenlast, die heute die gesamte Arbeit des Merkas fast unmöglich macht, da sie einerseits die leitenden Männer nicht zü ruhiger geistiger Arbeit kommen läßt, andererseits das moralische Ansehen unserer Bewegung, besonders in Erez-Israel außerordentlich herabdrückt. Wirkungsmöglichkeit auf das religiöse Weltjudentum wurde durch diese Zustände vermindert, da unserer Organisation die Resonnanz fehlte, die durch größere Erfolge bei der Bildung der geistigen Struktur des palästinensischen Judentums verstärkt worden wäre. Vor vier Jahren schon, auf der Antwerpener Weltkonferenz legten wir der Organisation diese grundlegenden Fehler in unserer Arbeit offen klar, forderten Abhilfe, die aber nicht gegeben wurde. Als dann vor zwei Jahren auf der Danziger Konferenz versucht wurde, in Einzeldingen Abhilfe zu schaffen, war der krankhafte Zustand schon so weit vorgeschrieben, daß nur eine vorübergehende Besserung in kleinem Umfange eintreten konnte. Heute sind die Verhältnisse bereits so zugespitzt, daß man sich nur von einer Radikalkur Aenderung versprechen kann. Eine Lösung, die moralisch, politisch und organisatorisch befriedigt, muß gefunden werden, die eine radikale Aenderung im Aufbau der Weltorganisation wie auch im Aufbau des Merkas mit sich bringt. Diese .iber kann nur ausgehen von der zu diesem Zweck einzuberufenden Weltkonferenz auf Grund von neu 211 Wahlen, denn die Neuordnung der Dinge muß getragen werden von dem Willen der gesamten Landesorganisationen. Der alte Merkas war seiner Aufgabe, führend in der Bewegung zu sein, nicht gewachsen, das System, nach dem er arbeitete, war falsch — er verlor das Vertrauen weiter Kreise der Organisation. Der neue Merkas muß getragen sein vom Vertrauen der gesamten misrachistischen Welt. Die Gesamtheit muß wieder Träger der Verantwortung für die Arbeit sein. Will der jetzige Merkas, will die Organisation eine Kursänderung auf der ganzen Linie eine Radikalkur, die ein für alle Male mit dem alten System bricht, da es sich nicht bewährt hat? Die Einberufung des Waad Haroschi anstatt der Weltkonferenz deutet nicht gerade darauf hin, daß der ganze Ernst der heutigen Situation an den entscheidenden Stellen empfunden wurde. Trotzdem sind wir bereit, die Sitzung des Waad Haroschi und ihre Ergebnisse abzuwarten. Werden auf dieser Sitzung keine entscheidenden Schritte, die eine Neuorientierung des Misrachi in seiner Gesamtheit erkennen lassen, getan, dann können wir und mit uns eine Reihe von anderen Landesorganisationen, die Verantwortung für Führung der Bewegung und für ihre Erez-Israel-Arbeit nicht mittragen. Vorschläge verschiedener Art wie dem heutigen Zustande abgeholfen werden könnte, liegen vor. Die Vorschläge mögen radikal oder weniger radikal sein, zu scharf in ihrer Prägung oder nicht deutlich genug in bezug auf den zu vollziehenden Kurswechsel, eines haben sie alle gemein, sie sind getragen von dem Bewußtsein der großen Verantwortung, die die misrachistische Gemeinschaft unserer Idee, unserer Arbeit gegenüber und gegenüber der jüdischen Welt hat. Man kann diesen oder jenen Vorschlag als undurchführbar ablehnen, sollte aber zum mindesten versuchen, das, was gut an allen ist, herauszunehmen und sie miteinander verschmelzend zu neuer erfolgverheißender Arbeit zu kommen. Vor einem können wir nicht nachdrücklich genug warnen: vor der Unterschätzung des Ernstes der Stunde. Noch ist es nicht zu spät, das, was Misrachiarbeit in Jahrzehnten geschaffen hat, hinüberzuretten in eine bessere Zukunft. Noch halten alle, Teile der Organisation zusammen und sind von der Absicht beseelt, weiter in gemeinsamem ernstem Zusammenwirken unsere Ziele der Verwirklichung näher zu bringen. Ein starkes Festhalten an alten, unwirksam gewordenen Methoden, ein Vertuschenwollen der gemachten Fehler um des doch schon stark erschütterten Prestiges willen, ist nicht mehr möglich. Unsere weitere Mitarbeit ist geknüpft an die Vorbedingung unserer Forderungen: neue Wege, ein neues System, das die alten Fehler vermeidet^ Der Waad Haroschi kann diesen Systemwechsel in die Wege leiten, er würde sich dadurch das größte Verdienst um die gesamte Bewegung erwerben. A. A. Die Aufgabe des Rabbiners in der palästinensischen Kolonie. Von Rabbi J.Cohen, Chedera. Der Weltorganisation „Misrachi" gebührt warmer Dank, daß sie sich beim zionistischen Kongreß