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Zion · 1930-12-01 · 12 (12.1930) · p. Seite 161

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
12 (12.1930)
Date
1930-12-01
Page
Seite 161 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 12 Z I 0 N Seite 161 rentiert, sollte man für diese indirekte Aufbauarbeit heranziehen. Man sollte in diesen Orten Bestellungen auf Pakete mit Tozereth-Haarez-Sachen sammeln, die den einzelnen Bestellern zu den verschiedensten jüdischen Feiertagen von Erez-Israel direkt zugesandt werden. Damit könnte man bei guter Organisierung bestimmt Erfolg haben, denn wer hätte nicht gerne zu den jüdischen Feiertagen auf seinem Tisch irgend etwas, was ihm die Verbundenheit mit dem Lande, für das an jenem Tagt doch alle seine Gebete bestimmt sind, in greifbare Nähe führt. Ueber den Nutzen, der dem Wirtschaftsleben Erez-Israels dadurch erwächst, hinaus wird aber besonders durch den direkten Versand der Pakete von Erez-Israel aus die Bindung der Einzelnen,, in diesen kleinen Orten Wohnenden zu Erez-Israel gestärkt, also ein gutes Stück zionistischer Pri,pagandaarbeit geleistet werden. Es müßte selbstverständlich auch dies von einer verantwortlichen Stelle aus organisiert werden. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn diese Anregungen entsprechende Aufnahme fänden und man schnellstens daran ginge, sich mit dem notwendigen Ernst mit der Ueberführung der Vorschläge in die Praxis zu beschäftigen. Das misrachistische Endziel. Von Jizchak Hecht, Preßburg, Wir stehen heute — nach mehr als einem Dezennium praktischer Aufbau-Arbeit — vor einer Situation, die mit vollem Recht als eine schicksalsschwere zu bezeichnen ist. Die Grundfragen des Zionismus stehen wieder zur Diskussion. Die Bedeutung des Zionismus für die Lösung der Judenfrage wird wieder erwogen. Daher glaube ich, daß es für uns Misrachisten in erster Reihe wichtig ist. festzulegen, was wir unter der Devise. „Lösung der Judenfrage" verstehen. Herzl, der die physischen Leiden des Diaspora- Judentums richtig und in ihrer Totalität begriffen Shat, wußte nichts von der geistigen Not des jüdischen Volkes. Für ihn galt die Fragestellung: „Wie wird mein Volk den anderen Völkern gleichgestellt?" Und er gab hierauf die einzig logische Antwort — durch den Judenstaat. Der Judenstaat als die ökonomische und politische Lösung der Judenfrage war Herzls Programm. Dieses Programm war geeignet, dem an Idealen so armen Assimilationsjuden etwas zu bieten, was Lebensziel sein konnte. Auch das Baseler Programm konkretisiert das Streben nach dem Judenstaat, nach dem Ziel der allgemeinen Zionisten, die die Religion als Privatsache betrachten. Für diese Zionisten existiert eine nur politisch und ökonomisch lösbare Judenfrage. Die Mehrzahl dieser Zionisten kam aus der Schule der westeuropäischen Rassentheorie, mit der Sehnsucht, ein Volk wie alle anderen zu werden. Welche Bedeutung hat dagegen für uns Misrachisten der Zionismus? Als der Misrachi gegründet wurde, war er nicht als eine Fraktion der zionistischen Organisation gedacht. Vielmehr sollte dieses „geistige Zentrum" dem Zionismus den richtigen Weg weisen. Unsere großen Führer hatten gleich gesehen, daß die seelischen Leiden des Volkes den ökonomischen gleichbedeutend sind. Wir hatten uns stets .zur Aufgabe gemacht, die Zionisten aufzuklären, daß keine zwei Begriffe im Judentum existieren. Es gibt nur ein einheitlich national-religiöses Judentum. Es wäre daher grundsätzlich falsch, zu sagen, der Misrachi erstrebe die Durchführung des Baseler Programms, zusätzlich Religion. Es muß das Streben des Misrachi sein, das Baseler Programm, das nur einen Teil des Judenproblems angreift, im Sinne des geschichtlichen Judentums zu ergänzen. Der Misrachi sieht in der zionistischen Organisation jene Körperschaft, die gemäß ihrer Konstruktion berufen ist, alle Juden für das Ziel der praktischen Aufbauarbeit in Erez-Israel zu sammeln. Keinesfalls können wir das Programm der zionistischen Organisation als Endziel des JMisrachi gelten lassen. Diese Organisation ist der Rahmen, den wir verpflichtet sind unserem Ideal entsprechend auszufüllen. Es ist daher in dieser Stunde Pflicht des Misrachi, mit erneuten Kräften den Kampf für seine Idee zu eröffnen. Soll etwa die Behauptung unserer Gegner, wir seien „nur ein Anhängsel der zionistischen Organisation", Wahrheit werden? Dem Misrachi war es stets klar, daß der Nationalismus der allgemeinen Zionisten, vom Gesichtspunkte des thoratreuen Judentums, etwas Unvollkommenes ist. Wir können einen jüdischen Nationalismus, der seinen Ursprung in der nicht jüdischen- Philosophie hat, nicht als Endziel unseres Strebens anerkennen. Für uns bedeutet Zion mehr als einen Staat allein. Unser Streben basiert auf dem Glauben der „Auserwähltheit unseres Volkes". Wir glauben an die Erlösung unseres Volkes durch die göttliche Vorsehung, daher betrachten wir alle Anstrengungen, welche heute unsererseits gemacht werden, nur als einen Kampf für das Fundament. Natürlich ist es für uns wichtig, ja lebensnotwendig, daß diese Grundlage fest und sicher sei, aber niemals darf außer acht gelassen werden, daß nationale Heimstätte oder Judenstaat nur die Voraussetzungen sind. Das Ziel ist die Vorbereitung des Volkes für die „Erlösung". Unserer Ansicht nach gibt es außer der politischen und ökonomischen Judenfrage auch eine geistige „innerjüdische Frage". Hier gehen wir in der Problemstellung mit Achad Haam konformg allerdings ohne seinen Folgerungen zuzustimmen. Wir glauben der Schwerpunkt liegt darin, daß wir Wege suchen müssen, welche das Judentum aus seiner seelischen Knechtschaft herausführen. Das Volk muß für die Geulah erzogen werden. Es müssen Wege und Mittel gefunden werden, die eine geistige Wiedergeburt des Volkes ermöglichen. Führt die Schaffung des Judenstaates, wie dieser Herzl vorschwebte, zu diesem Ziel? Aufbau Palästinas als Grundlage einer Renaissance des Volkes ist auch für uns annehmbar. Dieser Aufbau muß uns die Grundlage für ein Thoralcben in Erez-Israel schaffen. Wir schlössen uns dem Zionismus an, weil wir in ihm jene Kraft sahen, die geeignet ist, das Volk zu sammeln und vorzubereiten. Aber heute handelt es sich darum, die Grundlagen unseres Nationalismus klarzustellen und zu versuchen, dahin zu wirken, daß bei deir Definierung des zionistischen Zieles, unsere Anschauungen in weitgehendem Maße berücksichtigt werden. Die Theorie des Misrachi vom „Vblljudentum" muß bei Formulierung des zionistischen Zieles in großem Maße in Betracht gezogen werden. Wir dürfen uns nicht damit begnügen, für den Judenstaat oder für eine binationale Heimstätte zu stimmen. Wir betrachten es als unsere Pflicht, heute festzulegen, daß unser Programm sich in der Linie der prophetischen Verheißungen bewegt. Die ethischen Grundsätze unserer Lehre sind bei unserer Arbeit in hohem Maße entscheidend. Die Quintessenz unserer Theorie ist der Begriff vom „Zedek" — alle unsere Schritte auf jedem Gebiete müssen von diesem Gedanken geleitet werden. Das Prinzip! der objektiven Gerechtigkeit ist das Leitmotiv

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