Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 12 (12.1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- Seite 162 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3133276-3139335-3139345--0426-3139846- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seit« 162 Z I 0 N Nr. 12 unserer ganzen Weltanschauung, daher auch die Grundlage unseres politischen Willens. Es ist nicht wahr, daß wir auf die Grundlagen unseres Programmes verzichten, wenn wir aussprechen, daß ein Judenslaat in Form eines europäischen Nationalstaates für uns nicht die Lösung der Judenfrage bedeutet. Man kann ruhig behaupten, wenn es auch gelingen sollte, Palästina so jüdisch zu machen wie England englisch ist. -auch dann ist dies nicht- Erfüllung dess Misrachiprogramms, wenn nicht der im Lande herrschende Geist sein Fundament in der Tradition des Judentums gefunden hat. Daher glaube ich. wenn das Endziel des Zionismus formuliert wird, soll es heißen „der Zionismus erstrebt! die Schaffung solcher jxjlitischen Bedingungen, die eine freie religiös-nationale, kulturelle und soziale Entwicklung des jüdischen Genius in Erez-Israel gewährleisten". Diese Bedingungen sind unerläßlich und eine jede Debatte darüber, ob wir ohne einen kompakten nationalsouveränen Jischuw in Erez-Israel unser Ziel erreichen können, ist sinnlos und verwerflich. Bei der heutigen Situation (von den politischen Schwierigkeiten abgesehen), ist es Pflicht des Misrachi festzustellen, daß für im-; der Judenstaali oder die Heimstätte nicht mehr als Voraussetzung für unser Ziel bedeutet, weshalb wir als Endziel weder das eine noch das andere proklamieren können. Vor uns steht gegenwärtig ein Hauptproblem: Wie bringen wir jährlich 30000 Menschen nach Erez-Israel? LTnd wie können wir diese Menschen mit dem Lande dauernd verwurzeln? Diese zwei Faktoren sind es, welche über die Zukunft des Zionismus entscheiden. In Erkenntnis dieser Tatsache kommen wir zur Konklusion, daß die Diskussion um den Judenstaat als Endziel des Zionismus für uns auch keinen theoretischen Wert besitzt. Natürlich hat der Judenstaat für uns mehr Bedeutung als ein binationales Palästina, aber unser misrachistisches Endziel bleibt auch dann bestehen, wenn kein Judenstaat entstehen wird. Für uns gilt es, die materielle Grundlage eines „Jeruschalaim schel Maalah" zu schaffen. Aus der Misrachibewegung. Karlsruhe. Die Misrachi-Ortsgruppe Karlsruhe hatte am 15. November zu einem öffentlichen Vortrag eingeladen, dessen Thema. ..Die politische Situation des Zionismus und der Misrachi". einen großen Zuhörerkreis angezogen hatte. Der Referent. Herr Alexander Adler, Berlin, schilderte die politische Situation seit der Balfour-Deklaration bis zum Weißbuch 1930. Er wies besonders auf die Notwendigkeit einer einmütigen Haltung der gesamten Judenheit gegenüber dem Bestreben der englischen Retgierung, Baliour-Deklaration und Mandat in einein uns abträglichen Sinn zu interpretieren, hin. England und der Völkerbund müssen erkennen, daß das jüdische Volk sich nicht abschrecken lasse, daß es von jeher Widerständen, die sich ihm entgegengestellt haben, mit hartnäckiger Zähigkeit enigegengelreten sei und den Sieg davon getragen habe. Dem Misrachi liege die Aufgabe ob, der zionistischen Welt den Rücken zu stärken und ihr auf Grund seines festen Glaubens an die dem jüdischen Volk gegebenen göttlichen Verheißungen die Ueberzeugung. daß wir uns endlich durchsetzen werden, zu geben. Die Versammlung stimmte den Ausführungen des Redners vollinhaltlich zu, was dadurch zum Ausdruck kam. daß die Diskussion nicht abgehallen wurde, um zu dokumentieren, daß in dieser Stunde Einheitlichkeit des Vorgehens wichtigstes Erfordernis sei. In einem Schlußwort begründete der Redner auf Wunsch eines nicht dem Misrachi angehörenden Versammlungsteilnehmers, warum eine Notwendigkeit für eine Misrachipartei innerhalb der zionistischen Organisation bestände. >— Am Freitagabend vor dieser Versammlung fand im Hause des Vorsitzenden der Misrachi-Ortsgruppe, Herrn S. Plachzinski, eine Zusammenkunft der Misrachi- und Zeire-Misrachigruppe statt. In mehrstündigem gemütlichem Beisammensein der Gruppen mit Herrn Adler wurde über Ideologie des Misrachi und über seine Verbundenheit mit der zionistischen Sache' und mit allen Aufgaben des jüdischen Klall lebhaft diskutiert. —■ Dem Misrachi wurde eine Anzahl neuer Anhänger gewonnen. Berlin. Am Dienstag, dem 2. Dezember, veranstaltete die Misrachi-Frauengruppe ihren zweiten Klubabend. Der Abend, der einen intimen, familiären Charakter trug, wurde eingeleitet durch Begrüßungsworte von Frau Grete Barth, die auf die Notwendigkeit einer besonderen Frauenorganisation des Misrachi hinwies . und über die Entstehungsgeschichte der Misrachi- Fraucn-Wehorganisation berichtete. Sie gab Kenntnis von der erfreulichen Tatsache, daß es jetzt gelungen sei. das seit langem, besonders von der Berliner Frauengruppe, propagierte misrachistische Mädchenheim in Jerusalem einzurichten. Herr Prof. H. Pick sprach alsdann über misrachistische Arbeit in der Gemeinde und gab der Hoffnung Ausdruck, daß es gelingen möge, trotz des Ausfalls in den Berliner Gemeindewahlen, der Gemeinde den Stempel positiven Judentums, wie der Misrachi es auffaßt, aufzudrücken. Prof. Pick .sprach alsdann über seine Erfahrungen in der Frauenarbeit Palästinas. Es bestände durchaus Interesse und Verständnis für diese Arbeit auch bei der Frau des alten Jischuw, die nur herangezogen werden müsse. Die Aufgaben für Frauenarbeit in traditionellen Kreisen von Erez- Israel seien vielfältig und groß. Die einwandernde Chaluzah. die auf dem Standpunkt des jüdischen Gesetzes steht, muß besonders gut betreut werden, sie stehe vor viel größeren Schwierigkeiten als andere Einwanderer. Aber diese Betreuung dürfe nicht allein von Außenstehenden ausgeführt werden. Die Mädchen müßten selbst Mitbestimmungsrecht in ihrem Heim haben und selbst mit für alles, was dort geschieht, verantwortlich sein. Nur so könne man auch den Mädchen des alten Jischuw Notwendigkeit und Achtung der häuslichen Arbeit und spezifischer Frauenarbeit vor Augen führen. Die Frauen müßten ihr neues Heim im Geist moderner sozialer Betätigung und jüdischsozialer Anschauungen führen, dann könne ihm dex Erfolg nicht fehlen. Der von etwa 70 Mitgliedern und Gästen besuchte Abend verlief harmonisch und anregend. Die Misrachi-Frauengruppe wird solche Abende in regelmäßigen Abständen veranstalten und sind Gäste stets willkommen. Kinderworte aus Erez. Mitgeteilt von Michael, Jerusalem. Unser Gott. Die Sommerglut hat das Land verbrannt. Der Bauer und jedermann ersehnt den ersten Regen. Auch Klein-Ilhil steht am Balkon und sieht nach den Wolken aus, als ihm ein Tropfen auf die Nase fällt. Da ruft er froh: ..Bravo, Elohim!" Im Eifer. Spaßhaft fragt einer die siebenjährige Mirjam, ob denn die Kuh wirklich nur Gras frißt oder auch. Fleisch. „F leise h?", fragt sie zurück, „sie gibt doch Milch!" Verantwortlich für die Redaktion: Alexander Adler, Berlin N 24, Monbijouplatz 10. — Verlag des „ZION": Alexander Adler» Berlin N 24, Monbijouplatz 10. — Druck: Itzkowski & Co., Berlin N 24, Augustetr. 69.